Hamburg

Bewerber-Ansturm ohne Ende: Warum Rheinmetall plötzlich 350.000 Bewerbungen pro Jahr bekommt

Rheinmetall peilt bis 2030 sagenhafte 70.000 Beschäftigte an. Welche Folgen der Boom für deutsche Zulieferer und Jobsuchende hat – und warum beim Chef plötzlich sogar zu Hause jemand klingelt.

24.04.2026, 12:28 Uhr

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall verzeichnet derzeit einen massiven Zulauf an Bewerbungen. Konzernchef Armin Papperger sagte bei einer Veranstaltung des Clubs Hamburger Wirtschaftsjournalisten, dass im vergangenen Jahr weltweit rund 350.000 Bewerbungen eingegangen seien, davon etwa 250.000 in Deutschland. Damit habe sich das Bild im Vergleich zu früher deutlich verändert, als das Unternehmen noch mit einem schwierigen Ruf zu kämpfen hatte. Nach Pappergers Angaben meldeten sich Interessenten inzwischen sogar direkt bei ihm privat, um einen Job bei Rheinmetall zu bekommen. Aktuell beschäftigt der Konzern rund 44.000 Menschen.

Rheinmetall erwartet 2024 ein Wachstum von rund 40 Prozent

Nach Angaben des Unternehmens ist Rheinmetall in den vergangenen Jahren jeweils um 30 bis 50 Prozent gewachsen. Für das laufende Jahr rechnet Papperger mit einem Plus von etwa 40 Prozent. Den erwarteten Umsatz bezifferte er auf 14 bis 15 Milliarden Euro. Rund 65 Prozent der Produktion gingen ins Ausland, vor allem an andere Nato-Mitgliedstaaten.

In Deutschland arbeitet Rheinmetall mit etwa 11.500 Zulieferern zusammen. Rund 4.500 davon kommen aus der Automobilbranche. Sollte der Konzern bis 2030 auf bis zu 70.000 Beschäftigte wachsen und zusätzlich rund 210.000 Menschen in der Lieferkette eingebunden sein, hätte dies laut Papperger eine Größenordnung von etwa einem Drittel der gesamten Autoindustrie.

Abschwächung des Booms erst zwischen 2035 und 2040 erwartet

Mit einem Ende des starken Auftrags- und Umsatzanstiegs rechnet Papperger frühestens zwischen 2035 und 2040. Voraussetzung sei, dass es keine militärische Auseinandersetzung in Deutschland gebe. Wenn die laufenden Rüstungsprogramme abgearbeitet seien und die Abschreckung den gewünschten Effekt habe, könnten danach Überkapazitäten entstehen.

Dann seien aus seiner Sicht die Regierungen gefordert, da die Branche keine alternativen Kundengruppen habe. Schon heute gebe es Gespräche mit Ministerien darüber, wie eine strategische Reserve für Zeiten aufgebaut werden könne, in denen der Bedarf sinkt. Papperger sprach sich in diesem Zusammenhang für eine sogenannte Vorhalte-Charta aus, ähnlich den Modellen aus den 1950er- und 1960er-Jahren beim Aufbau der Bundeswehr. Dabei würde der Staat einen Teil der Fixkosten übernehmen.

Produktion deutlich ausgeweitet

Rheinmetall hat seine Fertigungskapazitäten in mehreren Bereichen stark erhöht. Bei Militärlastwagen stieg die Jahreskapazität von 600 auf 4.500 Fahrzeuge. Die Produktion von Mittelkalibermunition wurde von rund 800.000 auf mehr als 4 Millionen Schuss ausgeweitet. Bei Artilleriemunition erhöhte sich die Kapazität von 70.000 auf 1,1 Millionen Schuss pro Jahr. Nach Aussage Pappergers verfügt Deutschland bei konventioneller Munition inzwischen über größere Produktionsmöglichkeiten als die USA.

Anfang März schloss Rheinmetall zudem die Übernahme des Marineunternehmens NVL ab, zu dem auch die Werft Blohm+Voss gehörte. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. Laut Papperger wird die gesamte Belegschaft übernommen. Darüber hinaus sollen etwa 500 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Zugleich betonte er, dass der Aufbau von Fachpersonal nicht beliebig ersetzbar sei und für den Schiffbau gezielt qualifizierte Mitarbeiter benötigt würden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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