Bayern

Zu wenig Kontrolleure? Bayerns Essenscheck hat Lücken

Zu wenige Lebensmittelkontrollen in Bayern: Was jetzt auf Ihrem Teller landen könnte – und welche Region besonders betroffen ist.

28.05.2026, 04:30 Uhr

Viele offene Stellen bei der Lebensmittelkontrolle in Bayern

In Bayern fehlt es an Personal in der Lebensmittelüberwachung. Nach Angaben des Innenministeriums sind zahlreiche Stellen nicht besetzt, besonders stark betroffen sind mehrere Landkreise in Schwaben. Hintergrund ist eine Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Anna Rasehorn. Zuerst hatte die Augsburger Allgemeine darüber berichtet.

Besonders hohe Lücken in einzelnen Landkreisen

Den größten Anteil unbesetzter Stellen meldete der Landkreis Günzburg. Dort waren zum 1. Februar 1,3 von insgesamt fünf Stellen vakant, was 26 Prozent entspricht. Dahinter folgen Unterallgäu mit 25 Prozent, Ostallgäu mit 24 Prozent sowie Pfaffenhofen an der Ilm mit 21 Prozent. In Donau-Ries und Wunsiedel lag der Anteil jeweils bei 20 Prozent.

SPD warnt vor Lage in Schwaben

Rasehorn bezeichnete die Situation in Schwaben als "regionalen Alarmzustand". Zum Stichtag Anfang Februar 2026 seien dort fast 13 Prozent der vorgesehenen Stellen unbesetzt gewesen. Zudem lägen vier der zehn am schwächsten ausgestatteten Landkreise in diesem Regierungsbezirk.

Die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion warnte, dass bei einem solchen Personalmangel die verbliebenen Beschäftigten die Ausfälle nicht dauerhaft auffangen könnten. Das gehe zulasten von Umfang und Qualität der Kontrollen.

Ministerium nennt mehrere Ursachen

Als Gründe für die Personallücken führt das Innenministerium unter anderem Teilzeit, Elternzeit, Beurlaubungen, Altersteilzeit und Ruhestand an. Hinzu komme, dass manche Stellen wegen fehlender Bewerbungen nicht zeitnah nachbesetzt werden könnten.

Lebensmittelkontrolleur
Als Gründe für die offenen Stellen nennt das Ministerium etwa Elternzeit, Beurlaubung oder Ruhestand. (Symbolbild) Quelle: Uwe Anspach/dpa

Nach Darstellung des Ministeriums lasse sich die Personalplanung nicht so steuern, dass jede ausgewiesene Stelle zu jedem Zeitpunkt vollständig besetzt sei. Andernfalls könne auf kurzfristige Veränderungen, etwa Rückkehrer aus der Elternzeit oder gewünschte Stundenaufstockungen bei Teilzeitkräften, kaum flexibel reagiert werden.

Zwar könnten zeitweise Aushilfen eingestellt werden, doch bestimmte hoheitliche Aufgaben dürften nur Beamtinnen und Beamte übernehmen. Dazu zählt etwa die Funktion als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft.

Verweis auf frühere Lebensmittelskandale

Immer wieder haben Vorfälle in der Lebensmittelbranche für Schlagzeilen gesorgt. In der Vergangenheit ging es unter anderem um Mäuse und Mäusekot in Bäckereien, um Schimmel, Schaben oder Maden in Betrieben sowie um verdorbenes Fleisch und erhöhte Dioxinwerte in Eiern.

Rasehorn betonte, dass die Lebensmittelüberwachung unmittelbar dem Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher diene. Eine dauerhafte Unterbesetzung sei deshalb kein bloßes Verwaltungsproblem, sondern ein ernstes Risiko für die Lebensmittelsicherheit.

Kritik an der Staatsregierung

Nach Ansicht der SPD-Politikerin verschärft die Staatsregierung die Probleme eher, als sie zu lösen. Kritisch sieht sie insbesondere die verzögerte Übertragung der Tarifergebnisse auf Beamtinnen und Beamte. Das sende ein schlechtes Signal an Menschen, die eine Laufbahn im öffentlichen Dienst in Betracht ziehen.

Rasehorn fordert daher eine ehrliche Analyse der Personalsituation, verbindliche zusätzliche Stellen und mehr Anerkennung für die Arbeit im öffentlichen Dienst.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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