Bayern

Warum dieser Marsch an die Opfer erinnert

Am Massengrab begann ein Marsch mit großer Botschaft: Warum Deutsche und Tschechen jetzt gemeinsam ein starkes Zeichen setzen.

23.05.2026, 12:57 Uhr

Deutsche und Tschechen erinnern gemeinsam an die Opfer der Vertreibung

Mit einem Versöhnungsmarsch haben Deutsche und Tschechen der Menschen gedacht, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 1.300 Personen an dem Gedenkweg, der an einem Massengrab in Pohořelice, etwa 25 Kilometer südlich von Brünn, begann. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der aus Deutschland angereist war, sagte dort, die Gräber stünden sinnbildlich für großes menschliches Leid.

Der CSU-Politiker würdigte die Organisatoren des Dialogfestivals Meeting Brno und bezeichnete sie als echte Brückenbauer. Versöhnung setze Mut voraus und die Bereitschaft, einander zuzuhören. Es dürfe nicht darum gehen, Schuld gegeneinander aufzurechnen. Zugleich unterstrich Dobrindt, die europäische Freundschaft sei ein Schutzwall gegen neuen Nationalismus.

Begleitet wurde die Veranstaltung von einzelnen Gegenprotesten. Die Polizei war unter anderem mit einem Anti-Konflikt-Team im Einsatz. Zudem wurde ein Gedenkstein an dem Massengrab von Unbekannten mit Hakenkreuzen beschmiert.

Erster Sudetendeutscher Tag in Brünn

In diesem Jahr hat das Festival Meeting Brno die Sudetendeutsche Landsmannschaft nach Brünn eingeladen. Damit findet das traditionelle Pfingsttreffen, der Sudetendeutsche Tag, erstmals in Tschechien statt. Der Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, sagte in Pohořelice, die Vertreibung sei Unrecht gewesen – ebenso wie jede Form von Kollektivschuld. Zugleich mahnte er, aus der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen und den Weg für eine Zukunft zu ebnen, die von Menschenrechten und Freiheit geprägt ist.

76. Sudetendeutscher Tag in Tschechien - Pohorelice
Alexander Dobrindt (CSU, r), Bundesinnenminister, macht selbst ein Handyfoto vom Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (M), und Teilnehmerinnen bei einem Gedenken an die Opfer der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg im tschechischen Pohorelice bei Brünn (Brno). Quelle: Michael Heitmann/dpa

Vertreter der tschechischen Regierung nahmen an der Gedenkveranstaltung nicht teil. Das Abgeordnetenhaus hatte sich zuvor in einer Entschließung mehrheitlich gegen die Ausrichtung des Sudetendeutschen Tags in Tschechien ausgesprochen.

Marsch auf den Spuren des "Brünner Todesmarschs"

Der sogenannte Versöhnungs-Pilgerweg führt in umgekehrter Richtung entlang der Strecke des "Brünner Todesmarschs". Im Mai 1945 wurden etwa 27.000 deutschsprachige Einwohner Brünns in Richtung österreichische Grenze getrieben. Mehr als 2.000 Menschen – vor allem Frauen, Kinder und ältere Personen – starben an den Folgen der Strapazen. Einige Schätzungen gehen sogar von über 5.000 Todesopfern aus.

Nach Kriegsende und den Verbrechen der nationalsozialistischen Besatzung wurden insgesamt rund drei Millionen Sudetendeutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Die meisten fanden später in der Bundesrepublik oder in der DDR eine neue Heimat. Besonders viele kamen nach Bayern, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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