Bayern

Umfrage: Jeder zweite Bayer will früher in Rente

Rente später? Viele wollen genau das Gegenteil. Wer besonders oft früher aussteigen will – und was sie doch im Job halten könnte.

19.07.2026, 10:54 Uhr

Umfrage: Viele Beschäftigte in Bayern streben frühen Ruhestand an

In Bayern möchte laut einer aktuellen Erhebung nahezu jede zweite erwerbstätige Person vor dem regulären Rentenalter aus dem Job ausscheiden. Nach der im Auftrag der DAK durchgeführten Befragung planen 47 Prozent einen vorgezogenen Ruhestand. 31 Prozent wollen bis zur gesetzlichen Altersgrenze arbeiten, neun Prozent sogar darüber hinaus.

Auffällig ist: Der Wunsch nach einem früheren Renteneintritt nimmt mit dem Alter und mit gesundheitlichen Beschwerden zu.

Ältere Beschäftigte häufiger mit Ausstiegswunsch

DAK-Landeschef Rainer Blasutto erklärte, viele ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dächten an einen früheren Abschied aus dem Berufsleben, weil die gesundheitlichen Belastungen im Arbeitsalltag zunähmen. Unter den über 50-Jährigen wollen 53 Prozent vorzeitig in Rente gehen. Bei den Jüngeren liegt dieser Anteil bei 44 Prozent.

Gesundheitszustand spielt große Rolle

Auch der persönliche Gesundheitszustand beeinflusst die Pläne deutlich. Über alle Altersgruppen hinweg möchten von den gesundheitlich Fitten 45 Prozent vor dem gesetzlichen Rentenalter aufhören zu arbeiten. Bei Menschen mit gesundheitlichen Problemen liegt dieser Anteil dagegen bei 58 Prozent.

Allerdings zeigt der Bericht auch, dass gerade diese Gruppe finanziell oft darauf angewiesen ist, möglichst lange im Erwerbsleben zu bleiben.

Wertschätzung als wichtiger Faktor

Die Ergebnisse stammen aus dem DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“, der der Deutschen Presse-Agentur bereits vorliegt. Demnach sind für ältere Beschäftigte neben einer angemessenen Bezahlung und passenden Arbeitsbedingungen vor allem auch Anerkennung und Wertschätzung entscheidend, wenn sie länger im Beruf bleiben sollen. Genau daran mangelt es jedoch häufig: Nur gut die Hälfte der älteren Beschäftigten fühlt sich von Vorgesetzten zumindest eher stark anerkannt.

Über 50-Jährige seltener krank, aber länger

Zusätzlich zur Umfrage wertete die DAK die Daten ihrer Versicherten aus. Dabei zeigt sich, dass Beschäftigte über 50 zwar seltener krankgeschrieben werden als Jüngere, ihre Fehlzeiten pro Krankheitsfall aber länger dauern. Dadurch kommen sie insgesamt auf mehr Fehltage.

Im Jahr 2025 entfielen auf Erwerbstätige über 50 in Bayern durchschnittlich rund 24 Krankheitstage pro Person. Bei den Jüngeren waren es im Schnitt 15 Tage.

Bayern bei Älteren unter Bundesdurchschnitt

Bei den über 50-Jährigen liegt der Krankenstand im Freistaat bei 6,6 Prozent und damit klar unter dem bundesweiten Durchschnitt von 7,4 Prozent. Dennoch steigen die Fehlzeiten ab Anfang bis Mitte 50 deutlich an.

Ab einem Alter von 64 Jahren erreicht der Krankenstand in Bayern im Schnitt neun Prozent. Das bedeutet, dass an einem gewöhnlichen Tag neun von 100 Beschäftigten dieser Altersgruppe krankgeschrieben sind. Bei den über 67-Jährigen sinkt der Wert anschließend wieder deutlich, was laut Bericht auch daran liegt, dass dann vor allem gesündere Personen weiterhin arbeiten.

Diskussion um höheres Rentenalter

Parallel dazu plant die Bundesregierung derzeit, das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Aktuell liegt die Regelaltersgrenze je nach Geburtsjahr zwischen 65 und 67 Jahren. Wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann, darf schon heute etwas früher ohne Abschläge in Rente gehen.

Künftig soll die Altersgrenze an die steigende Lebenserwartung gekoppelt und voraussichtlich alle zehn Jahre um sechs Monate erhöht werden.

Grundlage der Untersuchung

Für die Studie ließ die DAK vom Iges Institut eine repräsentative Forsa-Umfrage unter mehr als 1.000 Beschäftigten in Bayern auswerten, darunter etwa zur Hälfte Personen über 50 Jahre. Die Befragung fand im November 2025 statt. Ergänzend wurden die Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 337.000 bayerischen DAK-Versicherten herangezogen, die wegen der großen Datenbasis ebenfalls als repräsentativ gelten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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