Bayern

Streit ums Fellhorn: Stoppt Protest den neuen Lift?

Sessellift-Zoff am Fellhorn: Gefährdet der Neubau das seltene Birkhuhn? Jetzt könnte ein Gericht alles stoppen.

01.06.2026, 14:45 Uhr

Naturschützer haben am Montag am Fellhorn im Allgäu gegen den geplanten Neubau eines Sessellifts demonstriert. Mitglieder des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) protestierten mit einem Banner gegen das Vorhaben, bei dem die Scheidtobelbahn ersetzt und zusätzlich Pistenarbeiten nahe Oberstdorf umgesetzt werden sollen. Nach Einschätzung des Verbands drohen erhebliche Schäden für die Natur, insbesondere für das stark gefährdete Birkhuhn.

Bereits Ende März hatte der LBV beim Verwaltungsgericht Augsburg einen Eilantrag gegen das Projekt gestellt. Der Vorsitzende Norbert Schäffer warf der Fellhornbahn vor, mit dem raschen Baustart noch vor dem Gerichtsbeschluss Fakten schaffen zu wollen. Das sei aus Sicht des Verbands äußerst problematisch. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Landratsamt sieht keine Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung

Das Landratsamt begründet die erteilte Genehmigung damit, dass die neue Scheidtobelbahn weitgehend auf der bisherigen Strecke verlaufen soll. Zwar werde der neue Sessellift um 320 Meter verlängert, weil Tal- und Bergstation an andere Standorte verlegt würden. Dennoch liege die Seilbahn weiterhin unter dem gesetzlichen Schwellenwert von 1.500 Metern Luftlinie, weshalb eine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung aus Sicht der Behörde nicht erforderlich sei.

LBV-Geschäftsführer Helmut Beran widersprach dieser Einschätzung. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht bloß um eine Erneuerung, sondern um neue Skianlagen, die so nicht genehmigt werden dürften. Er warnt vor dem Verlust wichtiger Winterlebensräume und vor Störungen an Balzplätzen, die das ohnehin bedrohte Birkhuhn zusätzlich unter Druck setzen würden. Außerdem seien am Scheidtobel weitere Eingriffe geplant, die die Belastung für die Natur weiter erhöhen könnten.

Auch der Bund Naturschutz in Bayern hatte kritisiert, dass auf eine Umweltprüfung verzichtet wurde. Das Projekt gilt als das erste in Bayern, das wegen des seit dem Sommer geltenden dritten bayerischen Modernisierungsgesetzes in einem vereinfachten Verfahren geplant werden kann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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