Zehn Jahre nach der Flut: Simbach am Inn ringt weiter mit den Folgen
Zehn Jahre nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe vom 1. Juni 2016 sind die Spuren in Simbach am Inn noch immer sichtbar. Damals standen nach tagelangem Starkregen und einem Dammbruch große Teile der niederbayerischen Kleinstadt unter Wasser. Fünf Menschen kamen ums Leben. Bis heute belastet das Ereignis viele Einwohner schwer. Bürgermeister Klaus Schmid sagt, die Emotionen kämen immer wieder hoch.
Obwohl Simbach am Inn am Fluss Inn liegt, ging die Katastrophe vom kleinen Simbach aus, nach dem die Stadt benannt ist. Nach stundenlangem Starkregen schwoll der Bach massiv an. Mitgerissene Baumstämme und Äste blockierten an einer Brücke den Durchfluss, wodurch sich das Wasser aufstaute. Schließlich gab ein Damm nach. Auch die Bundesstraße 12 wurde überflutet und stand zeitweise rund dreieinhalb Meter unter Wasser.
Die Feuerwehr spricht rückblickend von einer bis dahin unvorstellbaren Überschwemmung, die die Innenstadt in weiten Teilen zerstörte. In mehr als 400 Gebäuden liefen Keller und Erdgeschosse voll, bei einigen Häusern reichte das Wasser sogar bis in den ersten Stock.
Menschen von den Fluten eingeschlossen
Viele Bewohner wurden von den Wassermassen überrascht und konnten sich nicht mehr selbst in Sicherheit bringen. Fünf Menschen starben in überfluteten Häusern. Hunderte weitere mussten mit Booten oder per Hubschrauber aus teils lebensbedrohlichen Situationen gerettet werden.
Als das Wasser zurückging, blieben zehntausende Tonnen Schlamm und Sperrmüll zurück. Ebenso blieb eine tief verunsicherte und traumatisierte Stadtbevölkerung.

Der Bürgermeister berichtet, dass die Erinnerung an die Flut oft wieder präsent sei, etwa wenn schwere Gewitter aufziehen. Die Bilder des 1. Juni 2016 hätten sich tief eingeprägt. Gleichzeitig sei der Umgang mit dem Jahrestag schwierig, weil nicht jeder daran erinnert werden wolle. Zum Gedenken sind unter anderem ein Gottesdienst und eine Ausstellung geplant.
Großbaustelle als sichtbares Zeichen
Viele zerstörte oder beschädigte Häuser wurden inzwischen saniert oder abgerissen, Straßen sind repariert. Dennoch erinnert eine große Baustelle weiterhin an die Katastrophe: Das Bachbett des Simbach wird verbreitert, außerdem müssen die von der Flut beschädigten Brücken neu gebaut werden. Nach Hoffnung von Bürgermeister Schmid könnten die Arbeiten bis 2030 abgeschlossen sein.
Die finanzielle Belastung ist erheblich. Bis 2025 trug die Stadt 25 Prozent der Kosten, seit 2026 liegt ihr Anteil bei 20 Prozent. Bei einer Gesamtinvestition von voraussichtlich 65 Millionen Euro sei das für Simbach ein schwerer Kraftakt. Aus Sicht des Bürgermeisters lohne sich dieser Aufwand jedoch, um den Menschen wenigstens einen Teil ihrer Angst zu nehmen. Auch mit Blick auf den Klimawandel müsse man damit rechnen, dass ähnliche Hochwasser erneut auftreten könnten.
Bayern baut Schutz vor Sturzfluten aus
Auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber warnt vor steigenden Risiken durch Extremwetter infolge des Klimawandels. Deshalb müsse auf allen Ebenen vorgesorgt werden. Im Freistaat laufen nach seinen Angaben zahlreiche Projekte zur Verbesserung des Hochwasserschutzes.
Die Flut von Simbach gilt dabei als Wendepunkt. Besonders das Management zum Schutz vor Sturzfluten wurde seitdem ausgebaut. Laut Ministerium sind seit 2018 mehr als 100 kommunale Konzepte zum Sturzflut-Risikomanagement fertiggestellt worden, weitere 240 befinden sich in Arbeit.
Seit dem Start der bayerischen Hochwasserschutzprogramme im Jahr 2001 wurden nach Ministeriumsangaben insgesamt mehr als vier Milliarden Euro in entsprechende Maßnahmen investiert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion