Bayern

Nach Wiesn-Klage: Gastronom erlebt Hass-Welle

Nach seiner Wiesn-Klage spricht ein Wirt jetzt über heftige Folgen – und warum sogar seine Familie leiden muss.

01.08.2026, 11:14 Uhr

Nach Wiesn-Klage: Gastronom Egger berichtet von Anfeindungen

Nach seiner Klage gegen die Vergabe von Festzelten auf dem Oktoberfest sieht sich der Münchner Gastronom Alexander Egger nach eigenen Angaben massiven Anfeindungen ausgesetzt. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, die Reaktionen hätten ein Ausmaß erreicht, das er sich nie habe vorstellen können. Dabei gehe es inzwischen auch um die Sicherheit von Menschen.

Betroffen seien nicht nur er selbst, sondern auch seine Familie, Beschäftigten und Lieferanten. Aus diesem Grund werde Egger in diesem Jahr die "Münchner Stubn" nicht auf der Wiesn führen. Die Entscheidung falle ihm schwer, vor allem mit Blick auf das Team und die Gäste, doch die Sicherheit habe Vorrang.

Der Streit um die Zulassung der Festzelte hatte in den vergangenen Wochen für erhebliche Unruhe gesorgt. Zeitweise stand sogar im Raum, dass sich der Aufbau der Zelte verzögern könnte.

Egger will gerichtlich durchsetzen, dass die Vergabe von zwei großen Oktoberfest-Zelten nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Konkret geht es um das traditionsreiche Anzapfzelt Schottenhamel sowie das Paulaner-Festzelt. Ein Eilantrag war bereits gescheitert, im September soll nun das Hauptverfahren folgen. Auswirkungen auf die diesjährige Wiesn wird das Verfahren jedoch nicht mehr haben.

Kritik an Bewertungskriterien

In der Zeitung erläuterte Egger auch seine Beweggründe für den juristischen Schritt. Er bemängelte vor allem die Punktevergabe im Auswahlverfahren. Aus seiner Sicht gebe es dabei einen großen Spielraum bei der Auslegung der Bewertungskriterien. Über die Jahre habe sein Unternehmen bei zahlreichen Bewerbungen immer wieder Widersprüche festgestellt, die ihm niemand plausibel erklärt habe.

Im Bierzelt
Ein Prosit: Um die Vergabe von Festzelten auf dem Oktoberfest hatte es zuletzt großen Wirbel gegeben. (Archivbild) Quelle: Matthias Balk/dpa

Egger weist Sorgen vor Veränderung der Wiesn zurück

Befürchtungen, eine europaweite Ausschreibung könnte die Wiesn grundlegend verändern, hält Egger für unbegründet. Die oft geäußerte Angst vor Kölsch oder Guinness auf dem Oktoberfest bezeichnete er als unsinnig. Die Internationalität sei längst vorhanden, argumentierte er mit Blick auf die Eigentümerstrukturen von Brauereien.

Zudem könne die Stadt auch bei einer öffentlichen Ausschreibung festlegen, welches Bier ausgeschenkt werden dürfe. Nach Eggers Darstellung habe die Kommune außerdem zahlreiche Möglichkeiten, Einfluss auf das gastronomische Angebot zu nehmen und traditionelle Speisen zu sichern.

Den Vorwurf, er gefährde mit seinem Vorgehen das Oktoberfest, wies Egger entschieden zurück. Solche Behauptungen seien reine Propaganda. Stattdessen werde aus seiner Sicht zu wenig über die positiven Folgen von Wettbewerb gesprochen: Konkurrenz könne das Geschäft beleben und das Angebot attraktiver machen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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