US-Präsident Donald Trump hat erneut einen möglichen Abzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland ins Gespräch gebracht. In der Oberpfalz sorgt das jedoch nicht für große Unruhe: Die Bürgermeister von Grafenwöhr und dem benachbarten Vilseck sehen den Standort weiterhin als unverzichtbar an.
Grafenwöhr gilt als Schlüsselstandort
In Grafenwöhr befindet sich der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der Vereinigten Staaten. Bürgermeister Edgar Knobloch betont, dass die Anlage nicht nur besonders groß, sondern auch technisch auf dem neuesten Stand sei. Zudem laufe die Zusammenarbeit zwischen US-Armee und deutschen Behörden bei großen Bau- und Infrastrukturvorhaben sehr gut. Das schaffe verlässliche Rahmenbedingungen für die stationierten Streitkräfte.
Nach seinen Worten ist auch die Akzeptanz der amerikanischen Soldaten und ihrer Familien in der Region hoch. Das Zusammenleben funktioniere eng und unkompliziert, sogar bei örtlichen Traditionen wie dem gemeinsamen Aufstellen des Maibaums. Grafenwöhr biete den US-Angehörigen damit ein zweites Zuhause, in dem sie sicher und komfortabel leben könnten.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Bedeutung des Standorts. Rund 3.000 zivile Beschäftigte sichern laut Knobloch den Betrieb auf dem Übungsplatz. Für ihn sprechen all diese Faktoren klar dafür, dass die Amerikaner an Grafenwöhr festhalten werden.
Auch Vilseck wäre stark betroffen
Der scheidende Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl erklärt, ein Abzug würde seine Stadt schwer treffen. Dennoch rechnet er nicht damit, dass es dazu kommt. Aus Gesprächen mit Militärverantwortlichen habe er immer wieder den Eindruck gewonnen, dass die Bedeutung der deutschen Übungsplätze und Kasernen in der US-Armee sehr wohl gesehen werde.
Schertl verweist darauf, dass Trump schon in seiner ersten Amtszeit einen Teilabzug erwogen hatte. Dieser Plan sei später von Präsident Joe Biden wieder kassiert worden. Ausschlaggebend sei damals die besondere strategische Bedeutung deutscher Standorte gewesen, darunter Grafenwöhr und der Luftwaffenstützpunkt Ramstein. In Vilseck hängen nach seinen Angaben etwa 1.500 zivile Arbeitsplätze von der Kaserne ab.
Millioneninvestition als Zukunftssignal
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Standort im Jahr 2023: Die US-Armee startete in Grafenwöhr ein umfangreiches Bauprojekt. Geplant ist ein neuer Trainingscampus mit einem Investitionsvolumen von rund 900 Millionen Dollar. Bereits beim ersten Spatenstich wurde das Vorhaben als deutliches Bekenntnis zur Zukunft des Standorts gewertet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion