Bayern

Atommüll-Pläne: Tschechien bohrt jetzt los

Atommülllager nahe Bayern? Bei Temelin wird schon gebohrt – die heikle Standortentscheidung fällt bis 2030.

02.06.2026, 13:01 Uhr

Auf der Suche nach einem Standort für ein künftiges Endlager für Atommüll haben in Tschechien die ersten Erkundungsbohrungen begonnen. Gestartet wurden die Arbeiten am Standort „Janoch“ nahe der Gemeinde Temelin, etwa 60 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. Dort soll bis in rund 100 Meter Tiefe gebohrt werden. Die Arbeiten dürften ungefähr zwei Wochen dauern, wie die zuständige Endlagerbehörde SURAO mitteilte.

Bohrungen sollen genauere Daten liefern

Mit den Untersuchungen wollen die Fachleute unter anderem mehr über die Verteilung des Grundwassers und die geologischen Eigenschaften des Untergrunds erfahren. SURAO-Chef Lukas Vondrovic bezeichnete den Start als wichtigen Schritt. Erstmals werde mit Bohrungen direkt in den Untergrund geschaut, um bisherige Erkenntnisse aus Untersuchungen an der Oberfläche zu präzisieren.

In Temelin steht zudem eines der beiden tschechischen Atomkraftwerke. Neben Janoch kommen noch drei weitere Orte für das geplante Endlager infrage: Brezovy potok am Rand des Böhmerwalds, Horka bei Budisov sowie Hradek im Bezirk Jihlava. Auch an diesen Standorten sind Bohrungen bis zu einer Tiefe von 100 Metern vorgesehen.

Entscheidung bis 2030 geplant

Die betroffenen Gemeinden erhalten nach Angaben der Behörden jährlich zusammen rund vier Millionen Euro als Ausgleich. Mehrere Kommunen hatten gegen das Auswahlverfahren geklagt, bislang jedoch ohne Erfolg. Die endgültige Entscheidung über den Standort des Endlagers soll im Jahr 2030 fallen. Dort sollen hoch radioaktive Abfälle tief unter der Erde dauerhaft gelagert werden.

AKW Temelin
Atomkraftwerke erzeugen hoch radioaktiven Atommüll – hier ein Blick in den Reaktorblock I des tschechischen Atomkraftwerks Temelin werden während Betriebspause zum Brennelemente-Wechsel. Quelle: Michael Heitmann/dpa

Tschechien hält im Unterschied zu Deutschland an der Kernenergie fest. Im vergangenen Jahr stammten mehr als 40 Prozent der Stromerzeugung aus Atomkraft. Zudem bekam der südkoreanische Konzern KHNP den Auftrag, am Standort Dukovany zwei neue Reaktorblöcke zu errichten. Das Projekt hat ein Volumen von umgerechnet mehr als 16 Milliarden Euro, die Inbetriebnahme ist ab 2036 vorgesehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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