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Zypern: Neun Verdächtige nach Schiffsdrama vor Gericht

8 Tote vor Zypern: Neun Verdächtige vor Gericht – jetzt nennt die Polizei, was das Unglück ausgelöst haben könnte.

31.08.2026, 13:16 Uhr

Nach dem schweren Fährunglück vor Zypern mit mindestens acht Todesopfern sind der festgenommene Kapitän, sieben weitere Crewmitglieder sowie der Direktor des Unternehmens dem Amtsgericht in Kyrenia vorgeführt worden. Nach einem Bericht des nordzyprischen Senders BRT lautet der Vorwurf gegen die Beschuldigten auf fahrlässige Tötung durch Nachlässigkeit und Unachtsamkeit. Richterin Hazal Hacimulla zufolge sollen insgesamt 16 Personen vor Gericht erscheinen und Aussagen machen.

Das Unglück ereignete sich am Sonntag. Die Express-Fähre „Filo Jet“ war von der nordzyprischen Hafenstadt Kyrenia (Girne) in Richtung Mersin im Süden der Türkei unterwegs. An Bord befanden sich insgesamt 267 Menschen. Kurz nach dem Ablegen drang aus noch ungeklärten Gründen Wasser in den Katamaran ein. Das Schiff lief voll, kippte zur Seite und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Das Wrack liegt nach Medienberichten in rund 500 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

Zwei Kinder unter den Vermissten

Unter den Vermissten sind laut Medienberichten auch ein zwölfjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge. Ihre Mutter schilderte dem türkischen Sender NTV unter Tränen, wie sie ihre Kinder beim Untergang verlor. Demnach sei ihr die Hand der Tochter entglitten, nachdem Gepäckstücke auf sie gefallen seien. Die Kinder hätten geschrien, sie solle ihre Hände nicht loslassen.

Die Frau berichtete zudem von chaotischen Szenen an Bord. Passagiere seien übereinander gestiegen, um sich zu retten. Überall habe sich ausgelaufener Treibstoff verteilt, der Boden sei rutschig gewesen.

Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Besatzung

Die Mutter wirft der Crew Fahrlässigkeit vor. Warnungen von Passagieren, dass sich Wasser am Schiffsboden befinde, seien von der Besatzung nicht ernst genommen worden. Ein Crewmitglied habe auf entsprechende Hinweise demnach nur spöttisch reagiert. Nach Angaben der Frau trugen ihre Kinder keine Rettungswesten. Sie befürchtet, dass beide im Schiff eingeklemmt wurden.

Die Familie stammt laut der Nachrichtenagentur DHA aus dem südtürkischen Hatay und hatte ihren Urlaub auf Zypern verbracht. Der Vater, die Mutter und ein weiterer Sohn im Alter von zehn Jahren überlebten das Unglück.

Suche nach Vermissten läuft weiter

Mindestens acht Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Nach weiteren 18 Vermissten wird noch gesucht. Die meisten Passagiere konnten gerettet werden.

Wie der stellvertretende Polizeikommissar Mehmet Mannas laut der Zeitung Zypernpost mitteilte, soll das Schiff der Reederei Filo Denizcilik an der vorderen linken Seite beschädigt worden sein. Durch den Wassereinbruch sei das Passagierschiff schließlich gekentert.

Zulassung des Schiffs war gültig

Nach Angaben von Mannas verfügte das Schiff über eine im Juni 2026 ausgestellte Zulassung der in der Türkei ansässigen Klassifikationsgesellschaft Türk Loydu. Auch die nötigen Freigaben der Hafenbehörde hätten vorgelegen. Zudem seien vor dem Auslaufen Wetterinformationen eingeholt und die Bedingungen als geeignet eingestuft worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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