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Jetzt vor Gericht: Livestream-Missbrauch eines Mädchens

Er soll den Missbrauch eines Kindes bezahlt und online verfolgt haben – dann machte ein entscheidender Hinweis Ermittler stutzig.

07.07.2026, 03:30 Uhr

Ein 53 Jahre alter Mann aus Mittelfranken muss sich heute ab 9.00 Uhr vor Gericht verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, über Jahre ein Mädchen auf den Philippinen schwer missbraucht zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es in zahlreichen Fällen um sogenannten Livestream-Missbrauch; in einem Fall soll der Angeklagte das Kind selbst missbraucht haben.

Seit Mai 2025 sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft soll er die Mutter des Mädchens dafür bezahlt haben, ihre Tochter bei sexuellen Handlungen zu filmen und zu fotografieren. Die Aufnahmen soll er anschließend erhalten haben. Teilweise habe er die Taten zudem per Livestream verfolgt und dem Kind Anweisungen erteilt.

Taten über mehrere Jahre

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Beschuldigte aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt die Straftaten über einen Zeitraum von drei Jahren beging. Das Mädchen war demnach zwischen acht und elf Jahre alt.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen laut Generalstaatsanwaltschaft durch eine Hilfsorganisation auf den Philippinen, die Hinweise an australische Sicherheitsbehörden weitergab. Im Zuge der weiteren Nachforschungen konnten die Ermittler den Verdächtigen identifizieren. Im Mai 2025 wurde seine Wohnung durchsucht, anschließend erfolgte die Festnahme.

Weltweites Problem

Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation International Justice Mission handelt es sich bei Livestream-Missbrauch um ein internationales Verbrechen. Besonders betroffen seien die Philippinen, wo Kinder immer wieder über das Internet sexuell ausgebeutet würden. Die zahlenden Täter kämen häufig aus Europa, Nordamerika oder Australien.

Für das Verfahren vor dem Landgericht Nürnberg sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Zum Auftakt soll der 53-Jährige nach der Verlesung der Anklage Gelegenheit erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Außerdem werden im weiteren Verlauf unter anderem ein Ermittler und ein IT-Forensiker als Zeugen erwartet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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