Lebensmittelbranche warnt vor erhöhtem Erpressungsrisiko
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hält Hersteller von Lebensmitteln für besonders anfällig gegenüber Erpressungsversuchen. Nach Einschätzung des stellvertretenden BVE-Hauptgeschäftsführers Peter Feller sind Lebensmittel wegen ihres flächendeckenden Vertriebs leicht erreichbar und potenziell manipulierbar. Zudem könnten solche Fälle schnell große öffentliche Aufmerksamkeit auslösen.
Hipp nach Fund von Rattengift in Babynahrung im Visier von Erpressern
Ein bislang unbekannter Täter versucht offenbar, den Babynahrungshersteller Hipp unter Druck zu setzen, indem er Babykost mit Rattengift versetzt hat. Wie die Polizei mitteilte, wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei insgesamt fünf manipulierte Gläschen gefunden. Untersuchungen im Labor bestätigten den Giftstoff. Im österreichischen Burgenland wird weiterhin nach einem weiteren betroffenen Glas gesucht.
Nach Angaben des Unternehmens ist die in Deutschland angebotene Ware nicht betroffen. Diese stammt aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm.
Wie Hipp weiter erklärte, war die Erpressernachricht an ein zentrales E-Mail-Postfach geschickt worden. Geschäftsführer Stefan Hipp zufolge ging die Nachricht bereits am 27. März in einem Postfach für Auslandsanfragen ein, das jedoch nur in größeren Abständen kontrolliert wird. Darüber berichtete die österreichische Zeitung Die Presse.
Handelspartner in Tschechien und der Slowakei haben laut Hipp sämtliche Babygläschen des Herstellers aus dem Verkauf genommen. In Österreich läuft weiterhin ein Rückruf für alle Hipp-Babykostgläser, die bei Spar gekauft wurden. Ohne konkreten Verdacht nahmen vorsorglich auch Unternehmen der Rewe-Gruppe in Österreich – darunter Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg – entsprechende Produkte aus den Regalen. Auch die Drogeriekette dm handelte präventiv.
Hersteller setzen auf Krisenpläne und Vorbereitung
Vergiftungsdrohungen gegen bekannte Lebensmittelunternehmen hat es bereits mehrfach gegeben. Die Branche kennt das Risiko seit Jahren.
Feller betonte, dass eine wirksame Krisenbewältigung nur mit frühzeitiger Vorbereitung möglich sei. Dazu zählten unter anderem eingerichtete Krisenstäbe und konkrete Notfallpläne. Nur mit solchen Strukturen könnten Unternehmen schnell reagieren und Schäden abwenden oder zumindest begrenzen.
Besonders kleinere und mittlere Unternehmen stünden dabei oft vor großen Problemen. Häufig fehle es sowohl an personellen Ressourcen als auch an Erfahrung im Umgang mit komplexen Krisenlagen. Nach Angaben Fellers hat die BVE deshalb schon 2006 ein eigenes Krisenmanagement aufgebaut, das Mitgliedsunternehmen sowohl vorbeugend als auch im Ernstfall unterstützt. Der Verband vertritt die Interessen der deutschen Lebensmittelhersteller.
Handelsketten äußern sich nur zurückhaltend
Die großen Supermarkt- und Discounterketten geben zu ihren Sicherheitsmaßnahmen nur wenige Auskünfte. Ein Sprecher der Rewe-Gruppe erklärte, man äußere sich grundsätzlich nicht öffentlich zu sicherheitsrelevanten Themen. Zugleich betonte das Unternehmen, der Schutz von Kundinnen, Kunden und Beschäftigten habe oberste Priorität.
Auch Lidl verwies darauf, dass die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern jederzeit im Mittelpunkt stehe. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, setze das Unternehmen auf etablierte interne Abläufe. Nähere Informationen wurden aus Sicherheitsgründen nicht genannt.
Der Handelsverband Deutschland, der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels sowie Edeka und Aldi Süd beantworteten entsprechende Anfragen nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion