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Buckelwal vor Poel: Jetzt startet die Rettung!

Zwölf Tonnen Hoffnung auf dem Weg zur Nordsee: Ein Buckelwal soll per Lastkahn gerettet werden. Doch die bange Frage bleibt: Übersteht der extrem stressanfällige Gigant diese riskante Aktion?

28.04.2026, 06:20 Uhr

Der Rettungs- und Bergungseinsatz für den seit vier Wochen vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwal hat begonnen. Helfer stiegen am Vormittag im Hafen von Kirchdorf in Boote und fuhren zu dem Tier in der flachen Bucht vor Wismar. Dort begannen sie, dem Wal Gurte anzulegen, um ihn durch eine in den vergangenen Tagen ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn zu führen. In Livestreams wirkte der Meeressäuger dabei zunächst ruhig.

Minister hofft auf Abschluss noch am selben Tag

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zeigte sich vorsichtig optimistisch. Bis zum Sonnenuntergang solle es möglichst gelungen sein, den Wal auf die Barge zu bringen, sagte er in Kirchdorf. Zuvor hatte er den Tag erneut als „Tag der Entscheidung“ bezeichnet und erklärt: „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück.“ Ein Erfolg wäre für ihn nach eigenen Worten eines der schönsten Erlebnisse seines Lebens.

Auch Karin Walter-Mommert, die zu den Geldgebern der privaten Initiative zählt, machte deutlich, dass der Einsatz möglichst noch am selben Tag beendet werden soll: „Wir wollen heute fertig werden.“

Backhaus betonte zugleich, dass es sich um ein Wildtier handele, dessen Reaktionen auf das Anlegen des Gurtsystems nicht sicher vorhergesagt werden könnten. Die beteiligten Tierärzte der privaten Initiative halten den Buckelwal nach Angaben des Ministers für transportfähig. Sein Zustand werde als gut beschrieben, die Atmung sei tief und ohne auffällige Geräusche.

Grünes Licht für Transport durch ausgebaggerte Rinne

Nach Angaben des Ministers haben die Behörden erlaubt, den rund zwölf Tonnen schweren und etwa zwölf Meter langen Buckelwal mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Gelingt das Manöver, soll das Tier auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in Richtung Nordsee transportiert werden. Solche Bargen werden normalerweise unter anderem für Schiffstransporte eingesetzt.

Der Lastkahn war eigens herangeschafft worden, um dem Wal letztlich den Weg zurück in offenes Meer zu ermöglichen.

Tier steckt seit dem 31. März in der Bucht fest

Der Buckelwal sitzt seit dem 31. März in der Bucht vor Poel fest. Schon zuvor war er mehrfach in flachem Küstenwasser gestrandet, konnte sich zwischenzeitlich aber immer wieder selbst befreien.

Nach Behördenangaben war das Tier bereits Anfang März in Küstennähe unterwegs und zunächst im Hafen von Wismar gesichtet worden. In der Nacht zum 23. März strandete es auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Damals schaffte es der Wal, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Statt jedoch Richtung offenes Meer und Norden weiterzuschwimmen, kehrte er wieder in Richtung Wismar zurück.

Später gelangte der Meeressäuger in die flache Kirchsee bei Poel. Dort strandete er erneut, schwamm sich zunächst frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Vorheriges Rettungskonzept wurde aufgegeben

Das aktuelle Vorgehen ersetzt einen früheren Plan, der nicht umgesetzt werden konnte und schließlich verworfen wurde. Backhaus hatte Mitte April trotz deutlicher Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Bemühungen der privaten Initiative zu dulden. Finanziert wird sie unter anderem von Unternehmerin Karin Walter-Mommert sowie vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz.

Unabhängige Fachleute raten weiter von der Aktion ab

Während die beteiligten Tierärzte den Wal für transportfähig halten, beurteilen unabhängige Experten die Lage deutlich skeptischer. Das Deutsche Meeresmuseum fordert, dem Tier größtmögliche Ruhe zu gewähren und es ausschließlich palliativ zu versorgen. Von weiteren Eingriffen am Wal solle abgesehen werden.

Nach Einschätzung des Museums habe sich der Allgemeinzustand des Buckelwals weiter verschlechtert, die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Zudem berge ein solcher Einsatz erhebliche Verletzungsrisiken für das Tier. Die Forscher verwiesen dabei auch auf ähnliche Bewertungen unter anderem der International Whaling Commission und von British Divers Marine Life Rescue.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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