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Historische Wende: Abtreibungen öfter per Pille als OP

Weniger Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland – doch eine Entwicklung überrascht: Im vergangenen Jahr entschieden sich erstmals mehr Frauen für die medikamentöse statt für die operative Methode.

28.04.2026, 10:38 Uhr

In Deutschland erstmals mehr medikamentöse als operative Schwangerschaftsabbrüche

Im Jahr 2025 sind in Deutschland erstmals mehr Schwangerschaftsabbrüche mit dem Medikament Mifegyne vorgenommen worden als mit der Absaugmethode. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entfielen 45 Prozent der Eingriffe auf den medikamentösen Abbruch, 43 Prozent wurden per Vakuumaspiration durchgeführt.

Die meisten Schwangerschaftsabbrüche erfolgten ambulant: 86 Prozent in Arztpraxen oder OP-Zentren, weitere 12 Prozent ambulant in Krankenhäusern.

Leichter Rückgang bei den Fallzahlen

Insgesamt wurden 2025 in Deutschland 106.000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Das waren 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Warum der medikamentöse Abbruch inzwischen häufiger ist, erklärt der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte unter anderem mit dessen Einsatz in einem frühen Stadium der Schwangerschaft. Dabei handle es sich um ein etabliertes und sicheres Verfahren. Zudem bevorzugten viele Frauen, wenn medizinisch möglich, eine Methode ohne operativen Eingriff.

Rund 70 Prozent der Frauen, die 2025 einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt. 20 Prozent gehörten zur Altersgruppe 35 bis 39 Jahre, 9 Prozent waren 40 Jahre oder älter. Frauen unter 18 Jahren machten 3 Prozent aus. 44 Prozent der Betroffenen hatten vor dem Eingriff noch kein Kind zur Welt gebracht.

Meist in den ersten acht Schwangerschaftswochen

Der überwiegende Teil der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche, nämlich 96 Prozent, erfolgte auf Grundlage der Beratungsregelung. In 4 Prozent der Fälle lagen medizinische Gründe oder eine Schwangerschaft nach einem Sexualdelikt vor.

Die meisten Eingriffe wurden sehr früh vorgenommen: 80 Prozent erfolgten innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen. Nur 3 Prozent fanden nach der zwölften Schwangerschaftswoche oder später statt.

Zehnjahresvergleich: Rückgänge bei Jüngeren, Anstiege bei Älteren

Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nahezu stabil. Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet zeigen sich jedoch deutlichere Veränderungen. Damals wurden mit 99.200 Fällen rund 6.800 weniger registriert als 2025.

Je nach Altersgruppe verlief die Entwicklung unterschiedlich. Rückgänge gab es bei den 15- bis 17-Jährigen mit minus 6,1 Prozent sowie bei den 20- bis 24-Jährigen mit minus 4,4 Prozent. Deutlich gestiegen ist die Zahl dagegen bei den 30- bis 34-Jährigen mit plus 8,5 Prozent, bei den 35- bis 39-Jährigen mit plus 27,5 Prozent und bei den 40- bis 44-Jährigen mit plus 24,1 Prozent.

Statistisches Bundesamt verweist auf demografische Faktoren

Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamts lassen sich die Verschiebungen teilweise durch den demografischen Wandel erklären. Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung steigt, während jüngere Jahrgänge kleiner werden. Weitere Ursachen lassen sich aus den vorhandenen Daten nicht ableiten. Insbesondere gebe es keine Erkenntnisse zu den persönlichen Gründen für einen Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der Beratungsregelung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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