Das Verschwinden der Flugpionierin Amelia Earhart bleibt weiterhin ungeklärt. Eine neue Expedition auf eine abgelegene Insel im Pazifik sollte eine mögliche Spur zu ihrem verschollenen Flugzeug untersuchen. Doch die Hoffnung auf einen Durchbruch erfüllte sich nicht: Bei den verdächtigen Strukturen handelte es sich nach Angaben von Forschern der Purdue University in Indiana lediglich um angeschwemmte Baumstämme. An dieser Universität hatte Earhart einst gelehrt.
Earhart war am 2. Juli 1937 verschwunden, als sie als erste Frau die Erde umrunden wollte. Gemeinsam mit ihrem Navigator Fred Noonan war sie mit einem silbernen zweimotorigen Flugzeug über dem Pazifik unterwegs, als sich ihre Spur verlor. Ihr waghalsiger Flug machte sie berühmt, ihr Verschwinden wurde zum Mythos. Bis heute gibt es zahlreiche Theorien: Stürzte die Maschine ins Meer, strandeten die beiden auf einer Insel oder gerieten sie in Gefangenschaft?
Untersuchung des sogenannten Taraia-Objekts
Anfang Oktober reisten Wissenschaftler von Purdue zusammen mit einem Team des gemeinnützigen Archaeological Legacy Institute (ALI) zum abgelegenen Nikumaroro-Atoll im Inselstaat Kiribati. Das Atoll liegt ungefähr zwischen Hawaii und Australien. Dort wollten sie eine auffällige Struktur untersuchen, die auf Satellitenbildern als Taraia-Objekt bekannt geworden war.
Lange galt dieses Objekt in der Lagune als möglicher Rest von Earharts Flugzeug. Form und Größe schienen zu passen. Die Auswertung der vor Ort gesammelten Daten ergab nun jedoch, dass es sich sehr wahrscheinlich um eine Ansammlung großer Bäume handelte, die entlang einer Sandbank abgelagert worden waren. Der metallisch wirkende Glanz ließ sich laut Universität durch verhärteten Korallensand erklären.

Neue Funde auf dem Atoll
Insgesamt verbrachte das Team sieben Tage in der Region, davon vier Tage mit Untersuchungen an Land. Dabei stießen die Forscher auf mehrere Gegenstände, unter anderem auf ein rund 76 Zentimeter langes Stahlrohr in der Lagune. Diese Funde sollen nun genauer analysiert werden.
Direkte Beweise dafür, dass Earhart tatsächlich auf Nikumaroro war, lieferte die Reise zwar nicht. Nach Einschätzung der Wissenschaftler stärkt sie aber die sogenannte Schiffbrüchigen-Hypothese. Diese geht davon aus, dass Earhart und Noonan nicht sofort im Meer abstürzten, sondern auf dem Riff des abgelegenen Atolls landeten und dort festsaßen.
Hinweise für die Nikumaroro-Theorie
Für diese Annahme werden seit Jahren verschiedene Indizien angeführt. Dazu zählen historische Funkpeilungen, alte Fotos, Satellitenaufnahmen und Gegenstände, die auf der Insel gefunden wurden. Genannt werden unter anderem ein Damenschuh, ein Etui, ein Behälter für Sommersprossencreme sowie eine Medizinflasche aus den 1930er Jahren.
Auch menschliche Knochen, die 1940 auf Nikumaroro entdeckt wurden, spielen in der Debatte eine Rolle. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 kam zu dem Ergebnis, dass sie vermutlich von einer Frau stammen könnten, deren Körpergröße zu Earhart gepasst hätte.
Suche soll fortgesetzt werden
Die Purdue University kündigte an, die Nachforschungen fortzuführen. Zwar wurde das Flugzeugwrack nicht gefunden, doch die Expedition habe neue Erkenntnisse gebracht. Expeditionsteilnehmer Steve Schultz verwies auf Earharts Pioniergeist: Sie habe nie aufgegeben, immer Grenzen überschritten und sich auf unbekanntes Terrain gewagt. Genau dieser Geist treibe auch die Suche weiter an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber