Wirtschaft

Evonik streicht 3.200 Jobs – warum jetzt

Evonik baut 3.200 Jobs ab – mehr als 2.000 Stellen trifft es in Deutschland. Was hinter dem drastischen Schritt steckt.

22.09.2026, 09:18 Uhr

Der Spezialchemiekonzern Evonik treibt seinen Umbau weiter voran und will 3.200 Arbeitsplätze abbauen. 2.150 Stellen davon entfallen auf Deutschland, wie das Unternehmen in Essen mitteilte.

Nach einer Strategieklausur bekräftigte der MDax-Konzern seine bereits im Juni vorgestellten Pläne. Das Produktportfolio soll künftig nach Rollenprofilen geordnet werden. Außerdem sollen die sechs großen Produktionsstandorte in Deutschland jeweils spezifische Aufgaben übernehmen.

Übergangschef Claus Rettig verwies auf die schwierige Lage der Branche. Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter seien sich einig, dass sich die Industrie in einer strukturellen und wirtschaftlichen Krise befinde. Wachstumschancen sieht Evonik vor allem in Asien und Amerika; dort werden derzeit weitere Investitionsprojekte geprüft.

Chemiebranche weiter unter Druck

Die Chemieindustrie zählt zu den wichtigsten Industriezweigen in Deutschland, steckt aber seit längerer Zeit in der Flaute. Viele Anlagen sind nur unterdurchschnittlich ausgelastet. Belastet wird die Branche unter anderem durch hohe Energiekosten, US-Zölle, die schwache Konjunktur und Überkapazitäten auf dem Weltmarkt.

Hinzu kommt, dass die Chemiebranche große Mengen Öl und Gas benötigt. Diese Rohstoffe sind nicht nur Energieträger, sondern auch wichtige Ausgangsstoffe – etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hatte seine Prognose für das Gesamtjahr im Sommer auf einen Produktionsrückgang von 1,5 Prozent gesenkt. Zu Jahresbeginn war der Verband noch von einer Stagnation ausgegangen. Der VCI spricht inzwischen von der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte.

Zu möglichen Einsparungen und Sonderkosten des laufenden Umbaus machte Evonik zunächst keine näheren Angaben. An der Börse kamen die Pläne jedoch gut an: Die Evonik-Aktie legte zeitweise um fast 5 Prozent zu.

Keine betriebsbedingten Kündigungen geplant

Bereits bis Ende 2026 sollen durch laufende Spar- und Effizienzprogramme rund 2.800 Stellen wegfallen. Der nächste Sparplan soll bis 2029 sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden.

Vorgesehen ist unter anderem, frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen, Beschäftigte früher in den Ruhestand zu begleiten oder freiwillige Abgänge über Abfindungen zu regeln.

Zu den bereits angekündigten Maßnahmen gehört auch, das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen. Per Ende 2025 beschäftigte Evonik 31.053 Mitarbeiter und damit knapp 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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