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Wimbledon-Schock: Zverev scheitert an Sinner

Historisch in Wimbledon – und doch bitter gescheitert: Warum Zverevs großer Traum im Finale plötzlich platzte.

12.07.2026, 20:57 Uhr

Alexander Zverev hat den größten Erfolg seiner bisherigen Wimbledon-Karriere knapp verpasst. Der 29 Jahre alte Hamburger unterlag im Finale des Rasenturniers in London dem italienischen Weltranglistenersten Jannik Sinner nach 3:46 Stunden mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.

Mit dem silbernen Teller des unterlegenen Finalisten in der Hand zeigte sich Deutschlands bester Tennisspieler nach dem Match dennoch gefasst und konnte schon wieder lächeln. Die Krönung eines starken Turniers blieb ihm aber verwehrt. Für Zverev platzten damit die Hoffnungen auf den zweiten Grand-Slam-Titel nur fünf Wochen nach seinem ersten Triumph bei den French Open sowie auf den ersten deutschen Wimbledon-Sieger seit Michael Stich vor 35 Jahren.

Nach seiner inzwischen zehnten Niederlage in Serie gegen Sinner nahm Zverev das Ergebnis mit Galgenhumor. "Jannik, ich mag dich nicht mehr wirklich", sagte er mit einem Lächeln. An sein Team gerichtet betonte er: "Wir hatten ziemlich gute zwei Monate – auch wenn wir dieses Finale verloren haben. Mit 29 Jahren habe ich zum ersten Mal gedacht, ich kann diese Trophäe gewinnen."

Sinner würdigt Zverev und warnt vor ihm

Sinner fand nach seinem erneuten Wimbledon-Triumph anerkennende Worte für den Deutschen. "Du warst heute so nah dran. Wenn du so weiterspielst, bin ich sehr sicher, dass du diesen auch zu Hause haben wirst", sagte der Italiener mit Blick auf den Siegerpokal. Auch Zverevs Ziel, einmal die Nummer eins der Welt zu werden, sprach Sinner offen an: "Du bist sehr nah dran. Wir müssen sehr vorsichtig sein."

Zverev wird in der Weltrangliste am Montag wieder auf Rang zwei klettern. In Wimbledon war er in diesem Jahr erstmals über das Achtelfinale hinausgekommen.

Der Deutsche zollte seinem Gegner großen Respekt. "Er hat einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist. Es war großartig, den Centre Court am Finaltag mit dir zu teilen. Unglücklicherweise ist es nicht für mich ausgegangen", sagte Zverev.

Sinner, der im Turnierverlauf zwischenzeitlich verwundbar gewirkt hatte, gewann den Titel in London zum zweiten Mal nacheinander und feierte insgesamt seinen fünften Grand-Slam-Erfolg.

Nur Becker und Stich stehen vor ihm

Für Zverev war es das fünfte Grand-Slam-Finale, zum vierten Mal ging er dabei als Verlierer vom Platz. Seine bislang beste Wimbledon-Ausgabe reichte damit nicht, um als dritter deutscher männlicher Sieger in die Turniergeschichte einzugehen. Auf der Ehrentafel stehen bei den Männern weiter nur Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991).

Auch Stich sah Sinner am Ende leicht im Vorteil. "Er spielt gegen den besten Spieler der Welt, der einmal mehr zeigt, warum er da steht", sagte der frühere Wimbledon-Champion als Experte bei Prime Video. Über die vier Sätze hinweg sei Sinner "für zwei, drei, vier Prozent der etwas bessere und konstantere Spieler" gewesen.

Nach mehreren enttäuschenden Jahren in Wimbledon hatte Zverev den Schwung aus Paris mit nach London genommen. Mit starken Aufschlägen, viel Entschlossenheit und aggressivem Tennis brachte er als erster deutscher männlicher Finalist seit Becker 1995 selbst den favorisierten Sinner zunächst in Schwierigkeiten. Doch der Italiener steigerte sich im Verlauf der Partie deutlich – und Zverev gelang im gesamten Match kein einziges Break.

Prominente Gäste auf der Tribüne

Auf den Rängen verfolgten unter anderem Prinzessin Kate, Prinz William sowie ihre Kinder George und Charlotte das Finale. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war mit seiner Frau vor Ort. Sie sahen, wie Zverev an seinem wichtigsten Wimbledon-Tag stark begann und mit seinem Aufschlag das Publikum mehrfach ins Staunen versetzte.

Emotionaler Jubel nach dem ersten Satz

Im Tiebreak des ersten Durchgangs setzte Zverev mit einer für Sinner unerreichbaren Vorhand das erste große Ausrufezeichen und sicherte sich den Satz. Danach sank er jubelnd auf die Knie. Es war sein erster Satzgewinn gegen den Südtiroler seit Oktober 2025, nachdem er in sechs direkten Duellen nacheinander keinen einzigen Durchgang gegen ihn geholt hatte.

Bei den Seitenwechseln kühlte sich Sinner immer wieder mit einem Eistuch im Nacken. Anders als in Paris, wo Zverev auch davon profitiert hatte, dass Sinner in der Hitze körperlich eingebrochen war und überraschend früh ausgeschieden war, spielte das Wetter bei unter 30 Grad in London jedoch keine entscheidende Rolle.

Zverev blieb zunächst mutig, suchte weiter den Weg nach vorn und ging hohes Risiko. Gegen die wuchtigen Aufschläge des 1,98 Meter großen Deutschen fand Sinner lange kaum Lösungen. Erst im Tiebreak des zweiten Satzes kippte das Match etwas: Dort konnte Zverev sein hohes Niveau nicht halten und verlor deutlich.

Schreckmoment und Schlägerwurf

Zu Beginn des dritten Satzes nahm Zverev beim Seitenwechsel mehrere Energiegels zu sich. Sinner wirkte nun frischer und kam immer besser in die Partie – vor allem beim Return.

Dann geriet der Italiener zwar noch einmal kurz ins Wanken. Bei Zverevs erster Breakchance im gesamten Match kam es jedoch zunächst zu einem Schreckmoment: Der Deutsche rutschte weg, blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen und griff sich ans Knie. Sinner eilte sofort herüber und half ihm auf. Zverev konnte weiterspielen.

Kurz darauf musste die deutsche Nummer eins nach zweieinhalb Sätzen ohne Aufschlagverlust doch erstmals ein Break hinnehmen – zum 3:5 im dritten Durchgang. Frustriert schleuderte der 29-Jährige seinen Schläger zur Seite.

Nach dem Verlust des dritten Satzes verließ Zverev kurz den Centre Court. Der Weg zum Titel war zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich schwerer geworden. Als er im vierten Satz erneut seinen Aufschlag abgab, war die Entscheidung gefallen. Sinner brachte seinen Vorsprung souverän ins Ziel und verteidigte seinen Wimbledon-Titel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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