Kritik nach Münchens Olympia-Erfolg: Mahnungen zu Kostendisziplin und Nachhaltigkeit
Nach der Entscheidung zugunsten Münchens im Rennen um die deutsche Olympia-Bewerbung rufen Kritiker zu Vorsicht auf. Der Grünen-Politiker und Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, nun müsse verhindert werden, dass die Bewerbung für die Stadt finanziell aus dem Ruder laufe. Er sprach sich für einen verbindlichen Kostendeckel in jeder einzelnen Phase des Bewerbungsprozesses aus, unabhängig von der internationalen Konkurrenz.
Am Wochenende hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) München als deutschen Kandidaten bestimmt. Damit setzte sich die bayerische Landeshauptstadt gegen die Region Köln/Rhein-Ruhr durch und bewirbt sich nun um die Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
Zweifel am IOC und Forderung nach fairer Finanzierung
Hartmann betonte, die Bewerbung dürfe die ohnehin laufenden Haushaltsberatungen in München nicht zusätzlich belasten. Die Kosten müssten aus seiner Sicht gerecht zwischen Bund, Freistaat Bayern und der Stadt verteilt werden. Keinesfalls dürften sie allein an München hängen bleiben und dadurch Einsparungen in anderen Bereichen nach sich ziehen.
Der Grünen-Politiker, der eine Olympia-Bewerbung anders als Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause ablehnt, erklärte, er akzeptiere zwar die DOSB-Entscheidung, halte aber an seiner Kritik am Internationalen Olympischen Komitee fest. Aus seiner Sicht gehören mangelnde Transparenz und steuerliche Sonderregeln beim IOC dringend auf den Prüfstand. Noch sei zudem offen, nach welchen Kriterien das IOC die Spiele letztlich vergeben werde. Für Hartmann steht fest: Nicht die Gastgeberstadt solle sich den Spielen unterordnen, sondern die Spiele müssten sich an die Stadt anpassen.

Naturschützer warnen vor überzogenen Erwartungen
In München besteht die Hoffnung, dass eine mögliche Olympia-Ausrichtung wichtige Bau- und Infrastrukturprojekte beschleunigen könnte. Hartmann mahnte jedoch, solche Maßnahmen dürften nicht einseitig auf ein Mega-Event zugeschnitten sein. Entscheidend sei, dass sie den Menschen in München langfristig nützen und nicht vor allem den Interessen des IOC dienen. Investitionen in Sportstätten seien nur dort sinnvoll, wo eine dauerhafte Nutzung gesichert sei.
Auch der BUND Naturschutz warnt vor Fehlentscheidungen in der aktuellen Olympia-Euphorie. Landesvorsitzender Martin Geilhufe erklärte, nachhaltige und günstige Spiele würden seit Jahrzehnten versprochen. Die Erfahrungen früherer Austragungsorte zeigten jedoch, wie rasch Kosten steigen, Naturflächen beeinträchtigt und Böden versiegelt würden. Falls München nun international antrete, müssten Natur- und Klimaschutz sowie eine transparente Finanzplanung klare und verbindliche Grenzen setzen.
Zweifel an wirtschaftlichem Nutzen
Der Münchner Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP) von der Initiative NOlympia glaubt nicht an die erhofften positiven Effekte durch Sommerspiele. Im Deutschlandfunk sagte er, stattdessen könnten etwa die Mieten weiter steigen, was viele Menschen belasten würde. Für Vorhaben wie den Ausbau des Radwegenetzes brauche es seiner Meinung nach keine Olympischen Spiele.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber