Märtens greift in Paris nach dem nächsten Titel
Während Lukas Märtens den Erfolg der deutschen Freiwasser-Staffel und Florian Wellbrocks drittes EM-Gold noch entspannt mit Blick auf den Eiffelturm verfolgte, beginnt für ihn nun der Ernst des Wettbewerbs. Ab Montag startet der deutsche Top-Schwimmer im Becken und möchte an seine unvergesslichen Erlebnisse von Paris anknüpfen. Nach den starken Auftritten des deutschen Teams in der Seine soll nun auch im Centre Aquatique Olympique nachgelegt werden.
"Paris hat eine besondere Bedeutung für mich", sagte Märtens. Bereits vor zwei Jahren habe er dort seinen eigenen Platz in der Geschichte gefunden. Vor allem über 400 Meter Freistil hat er klare Ambitionen: Dort will er sich auch bei dieser EM den Titel holen. Gelingt ihm das, wäre er auf dieser Strecke gleichzeitig Olympiasieger, Weltmeister, Europameister und Weltrekordler. Auch über 200 Meter Freistil hat er sich viel vorgenommen, denn auf dieser Distanz fehlt ihm bislang noch eine internationale Medaille.
Auftakt in der Staffel – trotz Schulterproblemen
Sein erster Einsatz steht am Montag in der 4×200-Meter-Freistilstaffel an. Das Finale beginnt um 18.30 Uhr und wird in der ARD übertragen. Bundestrainer Bernd Berkhahn zeigte sich nach den ersten Trainingseinheiten in Paris vorsichtig optimistisch. Zwar habe Märtens in den vergangenen Tagen mit Schulterbeschwerden zu tun gehabt, doch die Situation verbessere sich. Schon in der Staffel könne er andeuten, in welcher Form er ist.

Berkhahn ist für seine Athletinnen und Athleten weit mehr als nur der Mann für Trainingspläne. Für Schwimmer wie Märtens, Oliver Klemet, Johannes Liebmann oder Isabel Gose ist der Magdeburger Coach auch Ansprechpartner, Vertrauensperson und Antreiber.
Berkhahn als Mahner und Motivator
Märtens beschreibt seinen Trainer als jemanden, der sofort merkt, wenn die Konzentration nachlässt. Dann werde er wieder auf Kurs gebracht, sagte der Freistilspezialist. So finde er schnell zurück zu seinem Weg, zu seinen Zielen und zu dem, was er leisten könne.
Wie groß dieses Potenzial ist, zeigte sich schon vor vier Jahren bei seinem ersten großen internationalen Durchbruch. Damals gewann Märtens bei der EM in Italien seinen ersten bedeutenden Titel. Gold über 400 Meter in Rom ist für ihn bis heute ein emotionaler Meilenstein. Wenn er daran denke, werde er fast wehmütig, sagte er. Nun möchte er auf seiner Paradestrecke den zweiten EM-Titel folgen lassen. Druck verspürt er dabei kaum: Nach eigenen Worten hat er bereits alles erreicht, was es zu gewinnen gibt – und kann nur noch weitere Erfolge hinzufügen. An Motivation mangelt es ihm jedenfalls nicht.
Wellbrock glänzt im Freiwasser und reist weiter nach Los Angeles
Auch Florian Wellbrock geht es nicht an Antrieb verloren. Gerade in dem Fluss, der ihm bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren noch herbe Enttäuschungen eingebracht hatte, gelang ihm nun ein beeindruckendes Comeback. Gemeinsam mit Julia Ackermann, Isabel Gose und Oliver Klemet sicherte er sich zum Abschluss der Freiwasser-Wettbewerbe Staffel-Gold – sein dritter Titel bei dieser EM.
Der 28-Jährige räumte ein, dass er in Paris durchaus etwas gutzumachen gehabt habe. Mit drei Goldmedaillen habe er im Vorfeld selbst nicht gerechnet und zeigte sich entsprechend dankbar für diese besonderen Momente. Zuvor hatte Wellbrock bereits über fünf und zehn Kilometer triumphiert. Gose gewann den Knockout-Sprint, Klemet holte Bronze über die olympische Distanz. Deutschland führte damit den Medaillenspiegel im Freiwasser klar an.
Nach seinem letzten Rennen in der Seine blieb Wellbrock kaum Zeit zum Durchatmen. Direkt im Anschluss ging es für ihn nach Los Angeles. Dort möchte er bereits die Strecke der Olympischen Spiele 2028 kennenlernen. An den Beckenrennen der EM nimmt er diesmal nicht teil.
Im Becken sind die Medaillenchancen begrenzt
Wellbrock wird aus den USA verfolgen, wie sich seine Teamkolleginnen und Teamkollegen im Hallenbad am Stade de France schlagen. Bundestrainer Berkhahn erwartet im Beckenschwimmen allerdings kein Selbstläufer. Ein Blick auf die Meldelisten zeige, dass Deutschland hier nur wenige realistische Chancen auf Medaillen habe. Umso wichtiger sei es, diese Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich hofft er darauf, dass einige Nachwuchskräfte positiv überraschen, den Sprung in Finals schaffen und vielleicht sogar unerwartet auf dem Podium landen.
Neben den Magdeburger Athleten gelten auch Brust-Weltmeisterin Anna Elendt, der Langstreckenspezialist Sven Schwarz und Schmetterlingsschwimmerin Angelina Köhler als Hoffnungsträger für Edelmetall.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber