Fußball

Bericht: UEFA-Krisengipfel wegen brisanter FIFA-Pläne

FIFA will den Milliarden-Deal durchdrücken – doch Europas Fußballbossen platzt der Kragen. Heute berät die UEFA.

30.07.2026, 08:56 Uhr

Der Konflikt zwischen UEFA und FIFA spitzt sich weiter zu: Europas Fußball-Verbände haben dem Weltverband und Präsident Gianni Infantino nun ein Ultimatum gestellt. Sollte die FIFA ihren umstrittenen Investorendeal umsetzen, wollen die europäischen Nationalverbände die nächste WM und alle weiteren FIFA-Wettbewerbe boykottieren.

Die Drohung gilt nach UEFA-Angaben so lange, bis die FIFA ihre Pläne zum Verkauf kommerzieller Rechte vollständig aufgibt. Damit erhöht der europäische Dachverband den Druck auf Infantino massiv.

Geschlossener Brief aller 55 UEFA-Mitglieder

Das gemeinsame Schreiben wurde unter Führung der UEFA und von Präsident Aleksander Ceferin von allen 55 Mitgliedsverbänden unterzeichnet. Die Europäer betonen darin ihre völlige Einigkeit.

„Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“

Zugleich macht die UEFA klar, dass sie den Beschluss selbst dann nicht mittragen werde, falls sich unter den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden eine Mehrheit für den Deal finden sollte.

Boykottdrohung gilt ab sofort für alle FIFA-Wettbewerbe

Während zunächst vor allem über einen möglichen Boykott der Männer-WM 2030 und der Frauen-WM im kommenden Sommer in Brasilien spekuliert worden war, bezieht sich die UEFA nun ausdrücklich auf sämtliche FIFA-Wettbewerbe. Das schließt auch die bereits für diesen Herbst geplanten Playoffs ein. Die Drohung gilt laut UEFA ab sofort.

„Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet.“

Damit knüpft die UEFA ihre Rückkehr nicht nur an das Aus des aktuellen Plans, sondern auch an verbindliche Zusagen für die Zukunft.

Infantino gerät massiv unter Druck

Für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist die Lage brisant wie nie zuvor in seiner mehr als zehnjährigen Amtszeit. Nicht einmal zwei Wochen nach dem Ende der XXL-WM in Amerika wächst der Widerstand aus Europa dramatisch.

Ohne Top-Nationen wie Spanien, Frankreich, Deutschland oder England würden FIFA-Turniere sportlich wie wirtschaftlich massiv an Bedeutung verlieren. Nach Ansicht der UEFA würde eine WM ohne Europas Schwergewichte ihren sportlichen Reiz praktisch vollständig einbüßen. Das ist besonders bemerkenswert, weil die WM 2030 teilweise sogar in Spanien und Portugal ausgetragen werden soll.

UEFA: Die WM ist kein Anlageprodukt

Besonders scharf fällt die Kritik am Grundgedanken des Vorhabens aus.

„Die Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten sportlichen Vermächtnisse des Fußballs.“

Die UEFA sieht in dem Modell eine gefährliche Kommerzialisierung des Weltfußballs und stellt sich demonstrativ gegen eine Öffnung für private Eigentümer.

FIFA wirbt weiter für milliardenschweren Rechteverkauf

Die FIFA hatte erklärt, mit dem möglichen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte – etwa rund um die Weltmeisterschaft – eine Milliardensumme einspielen zu wollen. Übereinstimmenden Berichten zufolge setzte der Weltverband seinen 211 Mitgliedern eine Frist zur Zustimmung und stellte im Gegenzug eine Sonderzahlung in Aussicht. Als Stichtag gilt demnach der 19. September.

Für die UEFA spielt dieses Datum jedoch keine Rolle mehr. Die Ablehnung sei eindeutig und bereits unmissverständlich kommuniziert worden.

Infantino hatte den geplanten Einstieg externer Geldgeber zuvor als „einmalige Chance“ verteidigt, um die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen.

Scharfe Kritik auch am Vorgehen der FIFA

Nicht nur der Inhalt des Plans sorgt für Empörung, sondern auch der Ablauf. Laut UEFA seien die Nationalverbände am Dienstag von dem neuen Vorhaben überrascht worden.

„Es ist unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein so bedeutsamer Vorschlag für den Fußball im Geheimen ausgearbeitet und beinahe verabschiedet wurde, ohne die Verantwortlichen des Fußballs auch nur ansatzweise zu konsultieren.“

Damit wirft die UEFA der FIFA vor, einen weitreichenden Beschluss praktisch ohne ausreichende Abstimmung mit den nationalen Verbänden vorangetrieben zu haben.

Deutliche Kritik aus Deutschland

Aus Deutschland kommt weiter klarer Widerstand. DFB-Präsident Bernd Neuendorf warnte erneut davor, den Fußball zum Spielball von Investoren zu machen. Auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke positionierte sich eindeutig gegen das Vorhaben.

„Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“, sagte Neuendorf dem ZDF.

Auch Tschechien trägt den Boykottbrief mit

Bemerkenswert ist, dass auch Tschechien den gemeinsamen Brief unterzeichnet hat. Der dortige Verband hatte sich zuvor noch offener gegenüber dem FIFA-Plan gezeigt. Umso größer ist nun das Signal der Geschlossenheit innerhalb Europas.

„Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment“, erklärte die UEFA im Namen ihrer Mitgliedsverbände.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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