Ballack weist Bayern-Kritik an Lennart Karl deutlich zurück
Michael Ballack hat die öffentlichen Vorwürfe der Bayern-Verantwortlichen gegen Lennart Karl scharf kritisiert. Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft, der den 18-Jährigen berät, sagte vor dem Bundesliga-Topspiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund bei DAZN, die Reaktionen des Vereins seien stark überzogen.
Ballack betonte, jeder dürfe selbst entscheiden, wie er sich nach außen präsentiere. Dabei laufe nicht immer alles perfekt, das sei normal. Entscheidend sei jedoch, die Außendarstellung nicht mit der sportlichen Entwicklung zu vermischen. Genau das werfe er dem FC Bayern vor. Dass Uli Hoeneß Karls Auftreten kritisiere, sei zwar sein gutes Recht. Problematisch sei aus Ballacks Sicht aber, dass der Ehrenpräsident den Spieler damit öffentlich zur Zielscheibe mache.
Hoeneß hatte zuvor erklärt, er wolle mit Karl ein ernstes Gespräch führen. In einem Interview mit der Welt am Sonntag sagte der 75-Jährige, der Nachwuchsnationalspieler sei noch weit davon entfernt, ein Superstar zu sein, und junge Profis müssten Demut zeigen. Nach seiner Einschätzung hätten die vielen Komplimente für den Überraschungsspieler der vergangenen Saison dazu geführt, dass dieser etwas die Bodenhaftung verloren habe.
Auch Eberl gerät bei Ballack in die Kritik
Nicht nur Hoeneß, auch Sportvorstand Max Eberl bekommt von Ballack Gegenwind. Er könne nicht nachvollziehen, warum Eberl gerade jetzt von einem sportlichen Tief spreche und dies noch mit angeblichen Fehltritten verbinde, obwohl Karls Leistungen zuletzt wieder klar besser geworden seien. Sowohl der Zeitpunkt als auch der Inhalt dieser Aussagen seien aus seiner Sicht fragwürdig.

Ballack hob zudem hervor, dass Karl nicht nur sportlich viel mitbringe, sondern auch charakterlich gefestigt sei. Dass er mit seiner Art im Laufe der Karriere gelegentlich anecken werde, halte er für durchaus wahrscheinlich.
Karls präsente Rolle in den sozialen Medien und sein extrovertiertes Auftreten bewertet Ballack grundsätzlich nicht negativ. Er verwies darauf, dass der Spieler erst 18 Jahre alt sei. So wie Karl sich auf dem Platz weiterentwickle und ausprobiere, tue er das eben auch abseits des Rasens.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber