Fußball

Abstiegs-Krimi: St. Pauli gegen Wolfsburg wird zum Finale

Finale im Keller: St. Pauli gegen Wolfsburg – punktgleich, alles auf dem Spiel. Wer rettet sich, wer stürzt ab?

10.05.2026, 11:42 Uhr

Alle Beteiligten wollten dieses Endspiel – nun ist es da. Am letzten Bundesliga-Spieltag treffen der Tabellenletzte FC St. Pauli und der punktgleiche VfL Wolfsburg im direkten Duell aufeinander. Anstoß am Millerntor ist am Samstag um 15.30 Uhr.

Endspiel mit vielen Unbekannten

Klar ist: Mindestens einer der beiden Clubs wird nach dem direkten Aufeinandertreffen absteigen. Offen ist jedoch sogar, ob sich der Sieger oder das bessere Team aus diesem Duell überhaupt noch in die Relegation retten kann.

Denn mit dem 3:1 beim 1. FC Köln hat sich der 1. FC Heidenheim vor St. Pauli auf Rang 17 geschoben und darf nun selbst auf den Relegationsplatz hoffen. Damit ist die Lage für beide Nordclubs noch komplizierter geworden.

Nach dem 0:1 gegen Bayern München gab sich Wolfsburg trotzdem angriffslustig. Nationalspieler Mattias Svanberg sprach von einem echten Finale und verwies auf seine Erfahrung mit Schweden in einem WM-Playoff: In nur einem Spiel könne sich sehr viel verändern. Entscheidend sei deshalb, nicht auf das Negative zu schauen, sondern auf das, was noch gewonnen werden könne.

Nur drei Tore Unterschied – aber Heidenheim lauert

Vor dem 34. Spieltag sind St. Pauli und Wolfsburg punktgleich. Den Ausschlag gibt aktuell nur die um drei Treffer bessere Tordifferenz des VfL. Ein Remis würde den Wolfsburgern daher reichen, um in der Tabelle vor St. Pauli zu bleiben.

Doch selbst das wäre womöglich zu wenig: Gewinnt Heidenheim zeitgleich gegen Mainz 05, würde Wolfsburg trotz eines Unentschiedens in Hamburg direkt absteigen.

Dass beide Teams überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt haben, ist bemerkenswert. Wolfsburg lag noch vor rund einem Monat vier Punkte hinter dem Relegationsrang. St. Pauli wiederum wartet seit Februar auf einen Bundesliga-Sieg.

Vieles spricht für Wolfsburg

Vor dem direkten Duell deuten einige Faktoren auf Vorteile für den VfL hin: der Kader gilt als stärker, zudem stimmte zuletzt die Form. Das 0:1 gegen den deutschen Meister war die einzige Niederlage aus den vergangenen vier Partien.

Gerade Svanberg hätte gegen Bayern beinahe spät noch ausgeglichen, setzte den Ball in der 89. Minute aus aussichtsreicher Position aber nur an den Pfosten.

Sportdirektor Pirmin Schwegler nahm die vergebene Gelegenheit mit einem Schmunzeln auf und sagte sinngemäß, wichtiger sei ohnehin ein Treffer in der kommenden Woche. Zugleich betonte er, Wolfsburg habe sich dieses Endspiel mit den Auftritten der vergangenen Wochen verdient. Im Idealfall solle danach sogar noch die Relegation folgen. Dafür müsse die Mannschaft in Hamburg aber wieder dieselbe Entschlossenheit zeigen – keinen Zentimeter weniger.

St. Pauli schöpft neue Hoffnung

Auch St. Pauli nahm trotz des 1:2 bei RB Leipzig neuen Mut mit. Die seit neun Spielen sieglose Mannschaft, die zuletzt von zahlreichen Verletzungen und Magen-Darm-Erkrankungen stark geschwächt wurde, zeigte beim Tabellendritten einen couragierten Auftritt, den viele ihr kaum noch zugetraut hatten. Die Fans feierten das Team nach Abpfiff dennoch.

Kapitän Jackson Irvine erklärte, die Leistung in Leipzig gebe ihm das Gefühl, dass St. Pauli das Spiel gegen Wolfsburg gewinnen könne. Seine Mannschaft habe genau das Gesicht gezeigt, das sie zeigen wolle.

Noch auf dem Rasen in Leipzig richtete Irvine den Blick auf das Saisonfinale. Jetzt gehe es darum, sich neu zu fokussieren, sich an die positiven Dinge zu erinnern und sich gegenseitig Glauben und Vertrauen zu geben. Die Mannschaft müsse mit breiter Brust und erhobenem Kopf in dieses Spiel gehen.

Wolfsburg kennt solche Abstiegs-Endspiele

Dass der Abstiegskampf am letzten Spieltag in einem direkten Duell entschieden wird, ist in der Bundesliga nicht neu. Wolfsburg hat ein solches Szenario schon einmal erlebt – vor genau 20 Jahren, noch vor der Wiedereinführung der Relegation.

Damals ging der VfL als Tabellen-15. mit einem Punkt Vorsprung in das entscheidende Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Nach einem 0:1 zur Pause rutschten die Wolfsburger zunächst auf einen Abstiegsplatz ab, retteten sich am Ende aber noch zu einem 2:2.

St. Paulis Torwart Nikola Vasilj erwartet nun ebenfalls eine intensive Woche. Für seine Mannschaft werde es hart, sagte er – für den Gegner allerdings genauso.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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