Fußball

1860 trotzt zum Auftakt: Warum dieses Remis Hoffnung macht

Keine Namen, kein Löwe, kaum Training: Was verrät das verrückte 1860-Remis zum Regionalliga-Start wirklich?

02.08.2026, 11:10 Uhr

Die neu formierte Mannschaft des TSV 1860 München trat nach dem Schlusspfiff vor die eigene Fankurve und bedankte sich bei den zahlreich mitgereisten Anhängern. Ob am Ende eher Erleichterung oder Ärger überwog, ließ sich den Gesichtern kaum entnehmen. Nach turbulenten Wochen voller Unsicherheit, Umbruch und Chaos sind die Münchner nun auch sportlich in der Regionalliga Bayern angekommen. Das 2:2 (1:1) beim 1. FC Schweinfurt wird im Verein als ermutigender Auftakt gesehen.

Trainer Alper Kayabunar zog ein insgesamt positives Fazit: Mit dem Punkt könne man leben, vor allem angesichts der Leistung im ersten Pflichtspiel dieser neu zusammengestellten Mannschaft. Dass die „Löwen“ einen Gegner, der in der vergangenen Saison noch drittklassig spielte, nicht direkt beherrschen würden, war ohnehin absehbar. Dafür fehlte schlicht die gemeinsame Vorbereitung, einige Akteure waren erst kurzfristig verpflichtet worden.

Eberwein: „Niemand wusste so richtig, was uns erwartet“

Ein Beispiel für den improvisierten Neustart ist Dennis Dressel. Der frühere 1860-Nachwuchsspieler wurde erst zu Wochenbeginn verpflichtet und führte die Mannschaft direkt als Kapitän aufs Feld. Für Kayabunar war das folgerichtig: Dressel bringe alles mit, um diese Rolle auszufüllen. Auch für den Coach selbst ist die Situation neu, nachdem er erst vor kurzem vom Übergangs- zum Cheftrainer aufgerückt war.

Dass die Abläufe noch nicht sitzen, zeigte sich vor 7.567 Zuschauern früh: Bereits in der 2. Minute brachte Jason Prodanovic Schweinfurt in Führung. Michael Eberwein, der später den Ausgleich zum 1:1 erzielte (34.), beschrieb die Ausgangslage treffend: Vor der Partie habe niemand genau gewusst, was möglich sei. Auch er selbst gehört erst seit wenigen Tagen zum Kader des Traditionsclubs.

1860 München
1860 München spielt zunächst ohne Löwen im Wappen. (Archivbild) Quelle: Florian Diettrich/dpa

Trikots ohne Spielernamen und ohne Löwen-Wappen

Bei 1860 ist derzeit an vielen Stellen Improvisation gefragt. Die neuen Trikots wurden erst kurz vor dem Saisonstart fertig. Wegen eines Markenstreits mit Ex-Investor Hasan Ismaik fehlt darauf das bekannte Löwen-Emblem. Für die Spielernamen auf dem Rücken reichte die Zeit ebenfalls nicht. Stattdessen prangte dort gut sichtbar der Schriftzug „TSV München von 1860 e.V.“ – auch als bewusste Abgrenzung zum früheren, wirtschaftlich gescheiterten Profi-Modell.

Trotz der schwierigen Vorbereitung bemühten sich die Münchner, das Spiel zu kontrollieren. Nach der Pause gerieten sie jedoch erneut ins Hintertreffen. Besonders bitter: Torhüter Vitus Eicher, der aus dem Ruhestand zurückgeholt worden war, hielt zunächst einen Elfmeter von Michael Dellinger. Beim Nachschuss reagierte Dellinger jedoch schneller als die TSV-Abwehr und traf zum 2:1 für Schweinfurt (65.).

Joker Ortivero Calderon trifft zum Ausgleich

Im Angriff arbeitete Florian Niederlechner, der dem Verein trotz des Zwangsabstiegs treu geblieben ist, viel, blieb aber ohne Torerfolg. Dann bewies Kayabunar ein glückliches Händchen: Nach etwas mehr als einer Stunde nahm er den erfahrenen Angreifer vom Platz und brachte den 18-jährigen Arian Ortivero Calderon. Der kräftige Mittelstürmer war kaum auf dem Feld, da köpfte er bereits zum 2:2 ein (69.).

In der Nachspielzeit hatte 1860 dann noch Glück, als ein weiterer Treffer der Schweinfurter wegen Abseits aberkannt wurde.

Kayabunar sah deshalb sogar noch mehr Potenzial in seinem Team. Sein Eindruck nach dem Schlusspfiff: Mit etwas mehr Konsequenz wäre für die Münchner womöglich sogar ein Sieg drin gewesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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