Deutsches Volleyball-Team dreht Achtelfinale in Sofia
Mit einem überraschenden Comeback haben Deutschlands Volleyballer im EM-Achtelfinale für Stille in der Arena von Sofia gesorgt. Nach dem 3:2-Erfolg gegen Gastgeber Bulgarien feierte die Mannschaft ausgelassen auf dem Feld, während die rund 12.000 Zuschauer verstummten. Mittelblocker Anton Brehme zeigte sich danach beeindruckt vom Auftritt seines Teams: Die Energie und der Zusammenhalt hätten den Unterschied gemacht.
Rückenwind vor dem Duell mit Polen
Durch den Erfolg zieht die deutsche Auswahl mit viel Selbstvertrauen ins Viertelfinale ein. Dort wartet am Dienstag Titelverteidiger Polen. Bundestrainer Massimo Botti machte seinen Spielern nach dem Sieg deutlich, dass genau für solche Momente in den vergangenen Monaten gearbeitet worden sei.
Dabei sprach zu Beginn der Partie nur wenig für einen deutschen Erfolg. Bulgarien, angeführt von Aleksandar und Simeon Nikolov, entschied die ersten beiden Sätze für sich. Kapitän Jan Zimmermann erklärte später, man habe gespürt, wie stark die Bulgaren vor allem mit dem Aufschlag Druck aufgebaut hätten.
Deutschland bleibt ruhig und findet zurück ins Spiel
Trotz des 0:2-Satzrückstands verlor die deutsche Mannschaft nicht die Nerven. Diagonalangreifer Erik Röhrs betonte, dass das Team auch in den ersten beiden Durchgängen keinen schlechten Volleyball gezeigt habe. Man sei überzeugt gewesen, dass sich bei konstantem Spielverlauf eine Chance ergeben würde.
Vor dem Achtelfinale war Deutschland trotz vier Siegen aus fünf Vorrundenspielen eher in der Außenseiterrolle gewesen. Hinzu kam der Ausfall von Zuspieler Johannes Tille, der wegen eines Mittelfußbruchs fehlte.

Im weiteren Verlauf kippte das Spiel jedoch zunehmend. Die Annahme stabilisierte sich, der eigene Aufschlag wurde wirkungsvoller, und auf dem Feld pushten sich die Spieler immer wieder gegenseitig. Zimmermann sagte, er sei stolz darauf, dass die Mannschaft konzentriert geblieben sei. Röhrs hob vor allem die Emotionen hervor: Das Team habe sich förmlich in die Partie hineingekämpft.
Anstatt sich vom Rückstand und der Stimmung in der Halle einschüchtern zu lassen, sei bei allen der Wille spürbar gewesen, das Spiel noch zu drehen, erklärte Röhrs. Er war mit 20 Punkten erfolgreichster deutscher Scorer. Brehme steuerte 14 Zähler bei und überzeugte mit einer starken Angriffsquote.
Polen im Viertelfinale klarer Favorit
Dass die Mannschaft auch in schwierigen Situationen mental stabil bleibt, hatte Botti bereits nach dem Gruppenspiel gegen Rumänien hervorgehoben. Damals hatte Deutschland trotz eines beinahe verspielten 2:0-Vorsprungs im Tiebreak gewonnen. Der Trainer lobte anschließend die Moral seines Teams und den unbedingten Kampfgeist.
Nun folgt mit Polen die nächste schwere Aufgabe. Zwar hatte bereits Bulgarien in der Vorrunde gezeigt, dass der Titelverteidiger verwundbar ist, dennoch geht Deutschland erneut als Außenseiter in die Partie. Polen ist nicht nur amtierender Europameister, sondern auch Spitzenreiter der Weltrangliste und aktueller Gewinner der Nationenliga.
Röhrs warnte vor der enormen Qualität des kommenden Gegners. Die Polen setzten ihre Gegner mit viel Druck unter Stress, machten nur wenige Fehler und agierten sehr stark im Block. Um gegen ein solches Team bestehen zu können, brauche es aus deutscher Sicht vor allem eines: absoluten Willen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber