Der neu gewählte Präsident des Bayerischen Jagdverbands, Hubert Stärker, will nach Jahren interner Auseinandersetzungen für mehr Zusammenhalt sorgen. Beim Landesjägertag setzte sich der 48-Jährige am Samstag überraschend gegen den bisherigen Amtsinhaber Ernst Weidenbusch durch. Zu Vizepräsidenten wurden Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Sebastian Ziegler und Thomas Bär gewählt.
Kurs der Mitte und Fokus auf Versöhnung
Stärker kündigte an, auf Geschlossenheit und Ausgleich zu setzen. Er sehe sich in der konservativen Mitte und wolle bewusst keine politischen Extreme bedienen. Sein Ziel sei es, Spannungen im Verband abzubauen, verhärtete Lager zusammenzuführen und neue gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.
Der Diplom-Kaufmann aus Augsburg bewirtschaftet nach eigenen Angaben einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Teichwirtschaft. In nächster Zeit dürfte dieses Engagement allerdings zurückstehen müssen: Stärker erklärte, ihm sei klar, dass ihn das Ehrenamt als BJV-Präsident zunächst nahezu vollständig in Anspruch nehmen werde. Er wolle in den kommenden Wochen viele Gespräche führen, Kontakte pflegen und Präsenz zeigen.
Dialog statt Konfrontation
Auch im Verhältnis zur Landwirtschaft setzt der neue Präsident auf Austausch. Gerade dort, wo Jäger und Bauern unterschiedliche Auffassungen vertreten, lasse sich mit sachlicher Kommunikation mehr erreichen als mit Streit, betonte er. Zu konfliktträchtigen Themen wie Wolf und Wildverbiss wollte sich Stärker jedoch bewusst nicht pauschal äußern.
Unzufriedenheit mit dem bisherigen Kurs
Weidenbusch, früherer CSU-Abgeordneter, stand seit Dezember 2020 an der Spitze des Verbands. Während seiner Amtszeit prägten jedoch anhaltende Machtkämpfe den BJV, teils bis in regionale und lokale Ebenen hinein.
Auch Stärker selbst zeigte sich rückblickend kritisch. Als Jäger habe er sich zuletzt nicht mehr in dem Maße vertreten gefühlt, wie er es sich gewünscht hätte.
Kreisgruppen stärker einbinden
Künftig will der neue Präsident gezielt den Kontakt zu den Kreisgruppen intensivieren. Dort liege viel Wissen und praktische Erfahrung, die stärker in die Verbandsarbeit einfließen müssten. Nur wenn Basis und Geschäftsstelle eng zusammenarbeiteten, könne der Verband erfolgreich agieren. Dafür brauche es ein gemeinsames Verständnis und eine klare Linie.
Mehr Mitglieder als Ziel
Stärker sieht zudem Luft nach oben bei den Mitgliederzahlen. Von mehr als 80.000 Jagdscheininhabern in Bayern seien derzeit nur knapp 50.000 im Bayerischen Jagdverband organisiert. Der BJV müsse daher attraktiver werden, denn politisch und gesellschaftlich könne man nur mit einer breiten Basis genügend Gewicht entfalten. Neben dem BJV gibt es unter anderem auch den deutlich kleineren Ökologischen Jagdverband, der eher dem Grundsatz „Wald vor Wild“ folgt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion