Reiter verabschiedet sich mit Brief aus dem Rathaus – und warnt vor zu hohen Mieten
Mit einem offenen Brief hat sich der scheidende Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) von den Bürgerinnen und Bürgern verabschiedet. Der 67-Jährige schreibt, es sei ihm eine große Ehre gewesen, die Stadt zwölf Jahre lang zu führen. Den Münchnerinnen und Münchnern wünschte er alles Gute und betonte, München werde für ihn immer Heimat bleiben.
Dank für den Zusammenhalt in der Stadt
In seinem Schreiben lobt Reiter ausdrücklich das Miteinander in München. Die Stadt habe in schwierigen Zeiten Zusammenhalt gezeigt, angepackt und ihren Weg verlässlich, solidarisch und mit klarem Blick nach vorn fortgesetzt. Mit Blick auf kommende Aufgaben zeigt er sich zuversichtlich: München habe dafür die Kraft, weil viele Menschen Verantwortung übernähmen, sich einbrächten und füreinander da seien. Für dieses Miteinander dankte er den Bürgerinnen und Bürgern ausdrücklich.
Keine öffentliche Verabschiedung
Reiter hatte nach seiner Wahlniederlage angekündigt, sich noch in geeigneter Form verabschieden zu wollen. Gewählt hat er dafür nun keinen öffentlichen Auftritt, sondern ein von der Stadt veröffentlichtes Schreiben. Eine direkte Möglichkeit für Reaktionen gibt es dabei nicht. Auch seine Social-Media-Kanäle sind seit Wochen deaktiviert.
Wünsche an Dominik Krause und die neue Stadtregierung
Seinem Nachfolger Dominik Krause (Grüne) und der künftigen Stadtregierung gab Reiter gute Wünsche mit auf den Weg. Sie sollten bei ihren Entscheidungen eine glückliche Hand haben und dafür sorgen, dass München für alle lebenswert und bezahlbar bleibt. Besonders wichtig sei, dass Wohnen in der Stadt erschwinglich bleibt. Mieten dürften nicht darüber entscheiden, ob Menschen in München bleiben könnten oder nicht.
Wie am Tag seines Abschiedsbriefs bekannt wurde, läuft es nach den Sondierungsgesprächen im Münchner Rathaus auf eine Ampel-Koalition aus Grünen/Rosa Liste, SPD und FDP/Freien Wählern hinaus.
Nach Wahlniederlage erst krankgeschrieben, dann freigenommen
Bei der Kommunalwahl am 22. März war Reiter überraschend deutlich gegen seinen 35 Jahre alten Herausforderer Dominik Krause unterlegen. Nach dem Wahlabend zog er sich nach eigenen Angaben wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück und war mehrere Wochen krankgeschrieben. Inzwischen hat er sich freigenommen, um sich weiter zu erholen.
Seine Amtszeit endet am 1. Mai. Öffentlich auftreten will Reiter bis dahin voraussichtlich nicht mehr. Erst am 11. Mai möchte er noch einmal ins Rathaus kommen, um Krause persönlich die Amtskette umzuhängen.
Stadtrat tagt ohne Reiter über FC-Bayern-Nebentätigkeit
An der letzten Sitzung des derzeit noch amtierenden Stadtrats an diesem Mittwoch wird Reiter nach Angaben eines Sprechers nicht teilnehmen. Dort soll in nichtöffentlicher Sitzung auch seine inzwischen beendete Tätigkeit für den FC Bayern behandelt werden. Die Affäre hatte kurz vor der Wahl für erhebliche Schlagzeilen gesorgt und dürfte ihn womöglich die sicher geglaubte dritte Amtszeit gekostet haben.
Reiter hatte sich die Tätigkeit für seinen Herzensverein über Jahre nicht genehmigen lassen. Später legte er die Posten nieder, spendete die bis dahin erhaltenen 90.000 Euro an gemeinnützige Zwecke und kündigte vollständige Transparenz bei der Aufarbeitung an.
Kurz vor der Stichwahl räumte er selbst ein, er sei damals "fast nicht ganz bei Sinnen" gewesen und "völlig schiefgewickelt". Er hätte früher offen erklären müssen, was Sache sei, sagte er damals rückblickend.
Zwölf Jahre vergleichsweise skandalfrei – schwieriger Abgang am Ende
Über weite Strecken hatte Reiter München in zwölf teils turbulenten Jahren als Oberbürgermeister vergleichsweise souverän und ohne größere Skandale geführt – durch die Flüchtlingskrise, die Corona-Pandemie und finanziell immer schwierigere Zeiten für die Stadt.
Auch in Krisenmomenten wie nach dem OEZ-Anschlag 2016 oder nach dem tödlichen islamistischen Anschlag am Stiglmaierplatz im vergangenen Jahr fand er vielfach die richtigen Worte. Selbst bei einer der symbolträchtigsten Aufgaben des Münchner Oberbürgermeisters, dem Anzapfen auf dem Oktoberfest, galt Reiter als verlässlich: In den vergangenen Jahren brauchte er stets nur zwei Schläge. In seinem letzten Amtsjahr wollte er es nach eigenen Angaben sogar mit einem Schlag versuchen – dazu kommt es nun nicht mehr.
Umso stärker überschatteten die letzten Wochen seiner Amtszeit den Abschied. Nicht nur seine nicht genehmigte FC-Bayern-Tätigkeit schadete ihm, auch sein Umgang mit Kritik wirkte auf manche arrogant. Statt eines öffentlichen Schlussakts bleibt nun vor allem sein Brief an die Stadt.
Damit wächst die Gefahr, dass von seiner Amtszeit vor allem der konfliktbeladene Abgang in Erinnerung bleibt – und mit ihm das Ende der jahrzehntelangen SPD-Herrschaft im Münchner Rathaus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion