Politik

König Charles im US-Kongress: Rettet er diese Beziehung?

In Washington wartet auf König Charles III. eine heikle Mission: Nach den zuletzt frostigen Beziehungen zu den USA könnte sich jetzt ausgerechnet die Chance bieten, alles zu drehen – und plötzlich ganz neue Töne anzuschlagen.

28.04.2026, 00:30 Uhr

Symbolischer Auftakt eines sensiblen Staatsbesuchs

Schon bei den ersten Bildern des britischen Königspaars in den USA war die Botschaft klar: König Charles III. und Königin Camilla wollten zum Auftakt Nähe demonstrieren. Camilla erschien ganz in Rosa und trug eine Brosche mit eng verschlungenen Flaggen Großbritanniens und der USA. In britischen Medien wurde das als sichtbares Signal der Verbundenheit in politisch angespannten Zeiten gewertet.

Charles‘ Reise galt in London von Beginn an als diplomatischer Drahtseilakt. US-Präsident Donald Trump ist zwar ein erklärter Bewunderer der Royals, zugleich aber politisch unberechenbar. Vor allem mit Blick auf Premierminister Keir Starmer waren die Beziehungen zuletzt belastet, nachdem Trump London wegen aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung im Iran-Krieg scharf kritisiert hatte.

Trump beschwört die besondere Allianz mit Großbritannien

Vor der Rede des Königs empfing Trump Charles und Camilla bei einer Militärparade im Garten des Weißen Hauses. Während vier F-35-Kampfjets über das Gelände flogen, hob der Präsident die enge Verbindung beider Staaten hervor. Seit der amerikanischen Unabhängigkeit habe es für die USA "keine engeren Freunde als die Briten" gegeben, sagte Trump.

Er betonte erneut die gemeinsamen Wurzeln beider Länder: Man spreche dieselbe Sprache, teile dieselben Werte und stamme aus derselben Tradition. Auch eine persönliche Note fehlte nicht. Trump erinnerte an seine aus Schottland stammende Mutter, die royale Ereignisse mit Queen Elizabeth II. stets aufmerksam verfolgt habe. "Meine Mutter war verliebt in Charles", sagte der Präsident.

Charles ruft im Kongress zur Überwindung von Differenzen auf

Mit besonderer Spannung war Charles‘ Rede vor dem US-Kongress erwartet worden. Der Monarch ist erst der zweite britische König nach Queen Elizabeth II., dem diese Ehre zuteilwurde. Schon vor Beginn erhielt er lang anhaltenden Applaus.

In seiner Ansprache beschwor Charles die Fähigkeit beider Länder, trotz Konflikten immer wieder zueinanderzufinden. "Immer und immer wieder haben unsere beiden Länder Wege gefunden, wieder zusammenzufinden", sagte er. Zwar hätten Streitigkeiten die gemeinsame Geschichte geprägt. Zugleich seien beide Nationen als Ergebnis ihrer Traditionen jedoch "instinktiv gleichgesinnt".

Britischen Erwartungen entsprechend stellte Charles die Beziehungen als Geschichte von Versöhnung und Erneuerung dar. Gerade in einer Phase politischer Spannungen war das als Appell an Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung zu verstehen.

Indirekte Gegenakzente zu Trump bei Klima, Nato und Ukraine

Bemerkenswert war, dass Charles in seiner Rede auch mehrere Reizthemen ansprach, ohne Trump direkt anzugreifen. So warnte er vor den Gefahren des Klimawandels – ein Thema, das Trump wiederholt heruntergespielt hatte.

Zugleich unterstrich der König die Bedeutung der Nato und sprach sich für eine entschlossene Unterstützung der Ukraine aus. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 habe das Bündnis Artikel fünf aktiviert und den USA beigestanden. Heute sei "dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen", sagte Charles mit Blick in Richtung des republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Mike Johnson.

Damit setzte der Monarch vorsichtige, aber erkennbare Akzente gegen Trumps jüngste Aussagen. Der US-Präsident hatte in den vergangenen Wochen immer wieder mit einem möglichen Ausstieg der Vereinigten Staaten aus der Nato kokettiert.

Entgegenkommen bei Verteidigungsausgaben

Gleichzeitig bemühte sich Charles sichtbar darum, die Wogen zu glätten. Beim Thema Verteidigungsausgaben kam er Washington entgegen. Großbritannien sei sich bewusst, dass die aktuellen Bedrohungen neue Antworten erforderten, sagte er. Deshalb habe sich das Vereinigte Königreich zur größten nachhaltigen Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg verpflichtet.

Einen direkten Bezug auf den Iran-Krieg, der das Verhältnis zwischen Washington und London zuletzt belastet hatte, vermied Charles allerdings. Er sprach zwar allgemein vom Konflikt im Mittleren Osten, ließ die besonders heikle Auseinandersetzung aber unerwähnt.

Humor im Saal – wie einst Queen Elizabeth II.

Wie schon seine Mutter 1991 verband Charles ernste politische Botschaften mit Humor. Immer wieder sorgte er für Lacher im Kongress. Für heitere Stimmung sorgte unter anderem ein Zitat von Oscar Wilde: "Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam, außer natürlich der Sprache."

Charles sagte zudem, die Welt sei heute in vielerlei Hinsicht unbeständiger und gefährlicher als jene, über die seine verstorbene Mutter 1991 im selben Saal gesprochen habe. Gerade deshalb stellte er die transatlantische Partnerschaft als besonders wertvoll heraus.

Epstein-Komplex bleibt brisant

Brisant bleibt der Besuch auch wegen der Causa Jeffrey Epstein. Forderungen, Charles solle in den USA Überlebende oder Angehörige von Opfern treffen, hatte der Palast bereits im Vorfeld zurückgewiesen.

Besondere Sensibilität erhält das Thema durch Charles‘ jüngeren Bruder Andrew. Der frühere Prinz war über Jahre mit Epstein befreundet. Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies die Vorwürfe stets zurück, einigte sich später jedoch auf einen millionenschweren Vergleich. In seiner Kongressrede sprach Charles den Komplex nicht direkt an.

Weitere Stationen der Reise

Am Mittwoch reisen Charles und Camilla weiter nach New York. Dort sind unter anderem Begegnungen mit Rettungskräften sowie Angehörigen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 geplant. Letzte Station der USA-Reise ist Virginia, wo Treffen mit Vertretern amerikanischer Ureinwohner vorgesehen sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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