Symbolischer Auftakt eines heiklen Staatsbesuchs
Trotz zuletzt belasteter Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA ist das britische Königspaar in Washington freundlich empfangen worden. Schon beim Eintreffen setzte Königin Camilla ein sichtbares Zeichen: Britische Medien deuteten ihre Brosche mit eng verschlungenen Flaggen beider Länder als Botschaft der anglo-amerikanischen Einheit in politisch schwierigen Zeiten.
Trump und First Lady Melania begrüßten Charles und Camilla am Montag zu einem mehrtägigen Staatsbesuch, der in London als diplomatischer Drahtseilakt gilt. Im Vereinigten Königreich ist teils sogar vom schwierigsten Staatsbesuch in der bisherigen Regentschaft des Königs die Rede. Die Hoffnung in Downing Street ist groß, dass Charles als Symbolfigur helfen kann, das strapazierte transatlantische Verhältnis wieder zu verbessern.
Rede im Kongress: Charles betont Versöhnung, Erneuerung und enge Allianz
Am zweiten Tag des Besuchs richtet sich der Blick vor allem auf die mit Spannung erwartete Rede von König Charles III. vor dem US-Kongress. Charles ist erst der zweite britische Monarch nach Queen Elizabeth II., dem diese Ehre zuteil wird.
Britischen Medien zufolge will der König die amerikanisch-britische Verbindung als Geschichte der „Versöhnung und Erneuerung“ beschreiben. Zudem dürfte er die Partnerschaft beider Länder als „eine der bedeutendsten Allianzen der Menschheitsgeschichte“ würdigen.
Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Washington und London wird Charles demnach zum Zusammenhalt aufrufen. Trotz mancher Differenzen in der Vergangenheit hätten gemeinsame Traditionen immer wieder dazu geführt, dass beide Länder Wege gefunden hätten, zusammenzukommen. Besonders die Beziehungen in den Bereichen Verteidigung, Nachrichtendienste und Sicherheit würden, so heißt es vorab, „nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten gemessen“.
Beobachter rechnen außerdem damit, dass Charles den bevorstehenden 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit aufgreifen und die Entwicklung der bilateralen Beziehungen würdigen wird.
Trump bewundert die Royals – mit Starmer gab es zuletzt Streit
Bereits am Montag waren Charles und Königin Camilla bei bestem Wetter am Weißen Haus begrüßt worden. Trump und der König zeigten sich gut gelaunt, tauschten einige Worte und posierten gemeinsam mit Melania Trump und Camilla für Fotos. Anschließend standen eine traditionell britische Teestunde und eine Gartenparty in der britischen Botschaft auf dem Programm.
Der US-Präsident gilt seit Langem als Bewunderer der britischen Königsfamilie und bezeichnet Charles als Freund. Noch im vergangenen Jahr war Trump mit viel Prunk auf Schloss Windsor empfangen worden. Gleichzeitig hatte er die britische Regierung in den vergangenen Wochen wiederholt kritisiert, unter anderem weil ihm deren Haltung im Iran-Krieg nicht weit genug ging. Besonders Premierminister Keir Starmer geriet dabei ins Visier.
Für den König ist der Umgang mit Trump dennoch nicht unkompliziert. Das liegt auch an dessen wiederholt geäußertem Wunsch, Kanada zum „51. Bundesstaat“ der USA zu machen. Charles ist zugleich König von Kanada und damit formell dessen Staatsoberhaupt. Hinzu kommt, dass Trump trotz royaler Begeisterung als unberechenbar gilt.
Zusätzlicher Druck durch Krise in London
Überschattet wird der Besuch auch von einer politischen Krise in Großbritannien. Premierminister Keir Starmer steht parteiintern wie öffentlich unter Druck. Im Zentrum der Kritik steht die Ernennung Peter Mandelsons zum britischen Botschafter in den USA, dem frühere Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vorgehalten werden.
Der Epstein-Komplex berührt auch die Beziehungen zwischen London und Washington. Trump weist Vorwürfe einer Beteiligung an Straftaten stets zurück. Gleichzeitig ist das Thema wegen der Debatten in den USA und in Großbritannien politisch hochsensibel.
Trotz Forderungen kein Treffen mit Epstein-Opfern
Im Vorfeld des Staatsbesuchs hatte es Forderungen gegeben, Charles möge in den USA auch Überlebende und Angehörige von Opfern des Missbrauchsskandals um Jeffrey Epstein treffen. Der Palast lehnte ein solches Treffen jedoch ab.
Brisanz erhält das Thema auch wegen Charles’ jüngeren Bruders Andrew, der viele Jahre mit Epstein befreundet war. Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies die Anschuldigungen stets zurück, einigte sich mit Giuffre aber später auf einen millionenschweren Vergleich.
Ganz ausweichen kann der König dem Thema dennoch wohl nicht. Nach Angaben von Aktivisten will der Bruder der verstorbenen Virginia Giuffre, Sky Roberts, während der Kongressrede ganz in der Nähe Präsenz zeigen. Roberts hatte Charles zuvor öffentlich um ein Treffen gebeten.
Zeremoniell, Oval Office und weitere Stationen der Reise
Neben der Kongressrede sind für den heutigen Tag auch eine Militärzeremonie sowie ein Gespräch mit Trump im Oval Office vorgesehen. Am Abend ist außerdem ein festliches Bankett geplant. Nach der Militärzeremonie will Trump im Garten des Weißen Hauses zudem selbst eine Ansprache halten.
Im weiteren Verlauf der Woche reisen Charles und Camilla nach New York. Dort wollen sie unter anderem Einsatzkräfte sowie Angehörige von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 treffen. Zum Abschluss ihrer USA-Reise ist ein Besuch in Virginia geplant, wo Begegnungen mit Vertretern indigener Gemeinschaften vorgesehen sind.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion