Lokales

Wie Vettel? Warum Antonelli als Lausbub eiskalt ist

Mit 19 jagt Antonelli einen F1-Rekord nach dem anderen – doch die Vergleiche mit den Größten bringen seinen Boss auf die Palme.

29.04.2026, 10:07 Uhr

Die Reise zum Grand Prix in Miami unternahm Andrea Kimi Antonelli nicht allein. Der junge Formel-1-Spitzenreiter reiste mit seiner ganzen Familie an: Mutter Veronica, Vater Marco und Schwester Maggie waren dabei. Auf gemeinsamen Fotos wirkte das Trio fast wie auf dem Weg in den Urlaub. Vater Marco kommentierte ein Bild mit den Worten „Alle zusammen“ und drei roten Herzen. Die Antonellis genießen diesen besonderen Moment, während ihr Sohn gerade die Formel 1 aufmischt.

Als Veronica ihren inzwischen weltweit bekannten Sohn nach seinem ersten Sieg in der Formel 1 im Fernsehen weinen sah, konnte auch sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Schwester Maggie ist ohnehin regelmäßig im Fahrerlager zu sehen und begleitet den Mercedes-Piloten immer wieder. Schon im vergangenen Jahr hatte Antonelli in Florida mit der Sprint-Pole auf sich aufmerksam gemacht.

Der Vater als wichtigster Anker

Besonders eng ist die Bindung zu Vater Marco. Der frühere Rennfahrer, der im Tourenwagen- und GT-Sport aktiv war und später selbst ein Team führte, gilt als engster Vertrauter und wichtigster Ratgeber seines Sohnes. Antonelli sagt mit einem Lächeln über ihn, dass er derjenige sei, der ihn bei jeder Gelegenheit wieder auf den Boden zurückhole.

Mit seiner lockeren, fast jungenhaften Art erinnert Antonelli manche Beobachter an Sebastian Vettel in dessen Anfangszeit. So wie Vettel 2007 bei seinen ersten Einsätzen in der Formel 1 unbekümmert wirkte, strahlt auch Antonelli manchmal noch den Charme eines Schülers aus, der überraschend in der Königsklasse gelandet ist.

Im Cockpit zeigt sich jedoch eine ganz andere Seite. Dort fährt er kompromisslos, kühl und mutig am Limit. Seine Ambitionen formuliert er klar: Er will Rennen gewinnen und um Titel kämpfen. Genau das sei sein Ziel. Als jüngster Pole-Setter der Formel-1-Geschichte hat der Teenager aus Bologna Vettel in dieser Statistik bereits überholt.

Mit 19 Jahren WM-Spitzenreiter

Nach der mehrwöchigen Unterbrechung des Rennkalenders infolge des Iran-Kriegs und der Absagen der Grand Prix in Bahrain und Saudi-Arabien führt Antonelli die Weltmeisterschaft an. Mit gerade einmal 19 Jahren. Einen jüngeren Fahrer an der Spitze der Gesamtwertung hat es in mehr als 75 Jahren Formel 1 noch nie gegeben.

Entsprechend groß ist die Begeisterung in Italien. Dort wird bereits von einer außergewöhnlichen Karriere geträumt. Medien stellen Antonelli in eine Reihe mit großen Namen wie Senna, Schumacher, Ascari, Vettel oder Verstappen und sehen in ihm ein außergewöhnlich reifes Talent, das das Zeug zum ganz Großen hat.

Tatsächlich hat schon lange kein italienischer Fahrer mehr für solches Aufsehen gesorgt. Zwei Siege in Folge eines Italieners hatte die Formel 1 zuletzt in den Tagen von Alberto Ascari erlebt. Das war 1953, als Ascari auf dem Weg zu seinem zweiten WM-Titel war.

Große Vergleiche, große Erwartungen

Mit seinem Sieg in Japan übernahm Antonelli die WM-Führung von seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell. Zuvor hatte Lewis Hamilton den Rekord als jüngster Gesamtführender gehalten. Der heutige Ferrari-Pilot war 2007 im Alter von 22 Jahren und 126 Tagen an die Spitze der Fahrerwertung gerückt.

Dass Antonelli bereits mit Größen wie Senna oder Schumacher verglichen wird, sieht Mercedes-Teamchef Toto Wolff allerdings kritisch. Er betont, dass in Italien sofort über mögliche Weltmeisterschaften gesprochen werde und ihm gerade die Senna-Vergleiche nicht gefallen.

Wolff war es auch, der Antonelli das Vertrauen schenkte und ihn als Nachfolger von Hamilton ins Mercedes-Cockpit setzte. Allein dieses Erbe bringt enormen Druck mit sich. Dass der junge Italiener zusätzlich die Hoffnungen eines ganzen Landes verkörpert, macht die Situation nicht einfacher. Antonelli selbst versucht jedoch, die Erwartungen nicht zu sehr an sich heranzulassen. Nach eigener Aussage empfindet er heute denselben Druck wie zu Saisonbeginn. Das klingt erstaunlich abgeklärt für einen Fahrer seines Alters.

Geprägt durch das Mercedes-Nachwuchsprogramm

Mit dieser Situation umzugehen, hat Antonelli früh gelernt. Seit 2018 ist er Teil des Nachwuchsprogramms von Mercedes, damals war er erst 12 Jahre alt. In dieser Talentschmiede werden die jungen Fahrer umfassend betreut: Ernährung, körperliche Vorbereitung, mentales Training und enge Abstimmung mit den Eltern gehören dazu.

Gwen Lagrue, Leiter des Mercedes-Juniorenprogramms, erklärte einmal, dass Mercedes mit der Verpflichtung eines Nachwuchsfahrers auch Verantwortung für dessen Leben und Karriere übernehme. Der Druck laste deshalb oft stärker auf dem Team als auf dem Talent selbst.

Wie ernst Mercedes es mit Antonelli meinte, wurde 2024 in einem Videoanruf deutlich. Toto Wolff meldete sich, während Antonelli bei seiner Familie war, und eröffnete ihm, dass er im kommenden Jahr Mercedes-Fahrer in der Formel 1 sein werde. Eine größere Ansage ist kaum vorstellbar.

Toto Wolff weiß, wie er ihn auffangen muss

Wolff gilt zugleich als jemand, der genau weiß, wie er mit dem jungen Italiener umgehen muss. Nach einem heftigen Unfall beim Saisonauftakt in Melbourne nahm er Antonelli beinahe väterlich in den Arm. Der wirkte sichtlich getroffen und rang mit den Emotionen, als er erklärte, er sei eigentlich so zuversichtlich gewesen. Wolffs Antwort war kurz, aber bezeichnend: Er solle sich genau diese Zuversicht bewahren.

Vielleicht ist genau das ein Teil des Erfolgsrezepts: eine außergewöhnliche Begabung, familiärer Rückhalt und ein Teamchef, der nicht nur Leistung fordert, sondern im richtigen Moment auch Halt gibt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen