Tiefkühlkost in Deutschland so gefragt wie nie
Tiefgekühlte Lebensmittel wie Fischstäbchen, Pommes, Geflügel, Pizza oder Brötchen werden in Deutschland immer häufiger gekauft. Nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts stieg der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 800 Gramm auf 51,6 Kilogramm. Damit wurde erneut ein Höchststand erreicht.
Nachdem die Branche zu Beginn der Pandemie einen Rückgang verzeichnet hatte, wächst sie seit 2021 wieder. Dazu tragen neben einer höheren Nachfrage auch gestiegene Preise bei. 2020 lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei knapp 45 Kilogramm.
Im Vergleich zu 2024 erhöhten die Hersteller und Importeure ihren Absatz 2025 um 2,5 Prozent auf mehr als 4,2 Millionen Tonnen. Offizielle staatliche Zahlen gibt es laut Verband nicht; die Angaben beruhen auf einer Befragung in der Branche.
YouGov-Konsumforscher Martin Weiß erklärte, Tiefkühlwaren seien inzwischen fest im Einkaufsalltag der Menschen angekommen. Demnach kaufen fast 39,3 Millionen Haushalte in Deutschland solche Produkte. Im Schnitt gab jeder Haushalt 2025 knapp 220 Euro dafür aus.
Mehr Absatz bei Pommes, Fisch und Obst
Der Umsatz der Hersteller legte 2025 nominal um 4,5 Prozent auf rund 23,6 Milliarden Euro zu. Ein Grund dafür sind höhere Preise. Der Verband verweist auf steigende Kosten für Energie, Löhne, Verpackungen und Rohstoffe. Zusätzlich könnte der Iran-Krieg die Branche weiter belasten, da Herstellung und Lagerung von Tiefkühlprodukten besonders energieintensiv sind. Wie stark sich das auswirkt, ist derzeit noch offen.
Etwa jeweils die Hälfte von Umsatz und Absatz entfiel 2025 auf den Außer-Haus-Markt, also etwa Restaurants, Cafés sowie die Verpflegung in Kitas oder Altenheimen. Der übrige Teil wurde über Supermärkte, Discounter und Lieferdienste wie Bofrost verkauft.
Im Lebensmitteleinzelhandel blieb Tiefkühlpizza das meistgekaufte Produkt. 2025 wurden davon fast 400.000 Tonnen verkauft, gut ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Auch andere Warengruppen legten im Handel zu, darunter Fisch, Geflügel, komplette Fertiggerichte, Brot und Brötchen sowie Obst. Rückgänge gab es dagegen bei anderem Fleisch, Eintöpfen, Suppen und Teigwaren. Beim Pro-Kopf-Verbrauch machten Backwaren mit 13,7 Kilogramm sowie Gemüse mit 6,4 Kilogramm die größten Anteile aus. Speiseeis ist in diesen Zahlen nicht enthalten.
Fachleute sehen verändertes Konsumverhalten
Sabine Eichner, Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts, beobachtet eine stärkere Verlagerung hin zur Verpflegung zu Hause, insbesondere bei Fertiggerichten. Einen zusätzlichen Schub sieht sie durch Airfryer: Viele Menschen bereiten ihre Mahlzeiten inzwischen mit Heißluftfritteusen zu, die oft schneller und sparsamer arbeiten als ein klassischer Backofen.
Der Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Berliner Charité verweist zugleich auf soziale Ursachen. Seiner Einschätzung nach werden vor allem stärker verarbeitete Tiefkühlprodukte mit vielen Zutaten seltener gekauft. Das sei auch Ausdruck der angespannten finanziellen Lage vieler Haushalte. Frische und gesunde Lebensmittel seien für zahlreiche Menschen schwerer bezahlbar geworden. Durch die Preissteigerungen der vergangenen Jahre werde es für immer mehr Familien schwieriger, selbst zu kochen und sich ausgewogen zu ernähren.
Das Deutsche Tiefkühlinstitut ist der Branchenverband der Tiefkühlwirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem Apetito, Bofrost, Coppenrath & Wiese, Dr. Oetker, Iglo, McCain und Wiesenhof.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion