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Paukenschlag aus dem Vatikan: Papst stoppt Segnung homosexueller Paare – was jetzt dahintersteckt

Für seine scharfe Kritik an Donald Trump wird Leo XIV. in Deutschland gerade gefeiert. Doch nun sorgt er mit einer deutlichen Botschaft für Aufsehen: Beim Thema Homosexualität hält der Papst unbeirrt an seinem konservativen Kurs fest.

24.04.2026, 08:21 Uhr

Wegen seiner Kritik an Donald Trump erfährt Papst Leo XIV. derzeit auch in Deutschland viel Zuspruch. In einer anderen umstrittenen Frage hat das Oberhaupt der katholischen Kirche nun aber deutlich gemacht, dass es bei der traditionellen Linie bleibt: Eine weitergehende Liberalisierung beim Umgang mit Homosexualität lehnt der Vatikan ab. Damit wächst der Druck auf reformorientierte Katholiken in Deutschland, die bei Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare zuletzt weiter gegangen waren.

Vatikan setzt deutschen Öffnungsplänen enge Grenzen

Auf dem Rückflug von einer längeren Afrika-Reise sagte Leo XIV., der Vatikan sei mit einer weiteren Liberalisierung "nicht einverstanden". Gerade in Teilen der Weltkirche wie Afrika, wo die Zahl der Katholiken stark wächst, gibt es gegen jede weitergehende Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erhebliche Vorbehalte.

Der Papst reagierte damit auch auf das Vorgehen von Kardinal Reinhard Marx. In der Erzdiözese München und Freising hatte Marx mit einem Schreiben die förmliche Segnung homosexueller Paare offiziell erlaubt. Auf die Kritik aus Rom wollte er nicht reagieren.

Bätzing und das ZdK verteidigen den deutschen Kurs

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, verteidigte die Segensfeiern. Sie gingen auf den Wunsch katholischer Menschen in solchen Partnerschaften ein, die nicht kirchlich heiraten könnten oder wollten, ihre "gelebte Treue und Verantwortung" aber dennoch unter Gottes Segen stellen wollten.

Auch wenn solche Feiern aus seiner Sicht nicht vollständig auf vatikanischer Linie lägen, bewegten sie sich in einem "verantwortbaren Rahmen", der die Einheit der Kirche nicht gefährde.

Neu bekräftigte auch Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die gemeinsame deutsche Handreichung mit der Bischofskonferenz. Es gebe "keinen Grund", das Papier zurückzunehmen oder zu ändern. Dass Papst Leo darauf bestehe, Segensfeiern dürften nicht wie Trauungen wirken, sei bekannt. Eine Verwechslung mit dem Ehesakrament sei aus ihrer Sicht aber ausgeschlossen.

Anfragen bei anderen Bistümern blieben meist ohne inhaltliche Antwort. Auch die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich zunächst nicht äußern. Viele deutsche Bischöfe hatten seit der Wahl des neuen Papstes bewusst abgewartet, wie er sich in dieser kirchenpolitisch heiklen Frage positionieren würde.

Was Franziskus erlaubte – und wo Rom die Grenze sieht

Nach traditioneller katholischer Lehre gilt Homosexualität als Sünde. Unter deutschen Katholikinnen und Katholiken gibt es jedoch seit Jahren eine klare Mehrheit, die sich einen offeneren Umgang mit queeren Menschen und ein Ende von Diskriminierung wünscht. Ähnliche Debatten gibt es in vielen westlichen Ländern, während in anderen Regionen der Weltkirche deutliche Vorbehalte bestehen.

Bereits 2023 hatte Papst Franziskus Segnungen in begrenzter Form zugelassen. Nach vatikanischem Verständnis können grundsätzlich alle Menschen einen Segen empfangen, ohne dass dadurch ihre Partnerschaft in einer Form bestätigt wird, die einer kirchlichen Eheschließung nahekommt.

Leo XIV. verwies nun ausdrücklich auf diese Grenze. Mit förmlichen Segnungen homosexueller Paare sei der Vatikan nur insoweit einverstanden, wie es Franziskus erlaubt habe. Dabei griff er auch dessen bekannte Formel auf: "tutti, tutti, tutti" – also "alle, alle, alle". Gemeint sei, dass in der katholischen Kirche jeder willkommen sei und eingeladen werde, Jesus nachzufolgen.

Deutsche Handreichung bleibt umstritten

Die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK haben 2025 eine Handreichung erarbeitet, die beschreibt, wie Segensfeiern für homosexuelle Paare aussehen können. Sie gilt allerdings nur in den Diözesen, deren Bischöfe sie auch in Kraft gesetzt haben. Viele haben das bislang nicht getan.

Konservative Katholiken werfen dem Papier vor, deutlich weiterzugehen als die vatikanische Linie. Nach ihrer Kritik nähern sich Feiern mit Bibeltexten, Gebeten und Orgelmusik einer kirchlichen Trauung an, die nach katholischem Verständnis weiterhin ausschließlich Mann und Frau vorbehalten ist.

Solche Segensfeiern gibt es nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch in Belgien. Dort hatten die Bischöfe mit vergleichbaren Formen allerdings deutlich weniger Schwierigkeiten mit dem Vatikan.

Konservative Bischöfe fühlen sich bestätigt

Konservativ geführte deutsche Bistümer erlauben Segensfeiern für homosexuelle Paare nicht. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki begrüßte die Klarstellung des Papstes und erklärte, er nehme dessen Äußerungen "mit Dankbarkeit zur Kenntnis".

Zugleich betonte er, dass es im Erzbistum Köln selbstverständlich sei, allen Menschen den Segen Gottes und seine Nähe zuzusprechen. Gemeint ist dabei jedoch ein allgemeiner Segen, nicht die Segnung einer Partnerschaft.

Unverändert gilt damit auch in Deutschland: Eine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare gibt es in der katholischen Kirche nicht.

Kirchenrechtler: Rom will Ruhe in der Debatte

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht hinter der Position des Papstes vor allem den Versuch, einen weltweiten Konflikt zu begrenzen. Beim Thema Homosexualität lasse sich in der Weltkirche kein Konsens herstellen; deshalb könne ein amtierender Papst hier aus seiner Sicht nur verlieren. Leo XIV. wolle "Ruhe an dieser Front" und keine Alleingänge, die ihn erneut unter Druck konservativer Kreise bringen könnten – vor allem aus Afrika.

Schüller formulierte das zugespitzt mit dem Satz: "Sex doesn’t sell". Was Rom vorschwebe, sei ein kaum sichtbarer Segen, der nicht den Eindruck erwecke, eine Partnerschaft kirchlich zu bestätigen. Das helfe niemandem und stoße gleichgeschlechtliche Paare eher vor den Kopf, kritisierte er.

Zugleich sieht er ein spezielles deutsches Problem: Im Vatikan herrsche der Eindruck, die Deutschen wollten alles schriftlich festlegen und in Regeln gießen. Dadurch stehe die Kirche in Deutschland in Rom rasch unter dem Verdacht, über die vatikanischen Vorgaben hinaus normative Fakten schaffen zu wollen.

Streit über die Grenzen des Segens geht weiter

Der Konflikt in der katholischen Kirche dreht sich damit weiterhin um dieselbe Kernfrage: Wie weit dürfen Segensfeiern für homosexuelle Paare gehen, ohne aus Sicht Roms die Grenze zur kirchlichen Trauung zu überschreiten? Papst Leo XIV. hat nun klargemacht, dass er hier keine zusätzliche Öffnung zulassen will. Für reformorientierte deutsche Bischöfe und viele Gläubige dürfte das die Debatte eher verschärfen als beenden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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