Nach dem klaren Nein von Papst Leo XIV. zu weitergehenden Segensfeiern für homosexuelle Paare suchen die deutschen Bistümer nach einem gemeinsamen Umgang mit der neuen Lage. Die Bischöfe wollten über das weitere Vorgehen beraten, sagte ein Sprecher der Erzdiözese Bamberg.
Vatikan setzt deutschen Öffnungsplänen Grenzen
Leo XIV. hatte auf dem Rückflug von seiner Afrika-Reise deutlich gemacht, dass der Vatikan mit einer weitergehenden Liberalisierung "nicht einverstanden" sei. Gerade in vielen Teilen der Kirche in Afrika werde jede Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften weiterhin strikt abgelehnt.
Damit reagierte der Papst auch auf das Vorgehen von Kardinal Reinhard Marx. In der Erzdiözese München und Freising hatte Marx die förmliche Segnung homosexueller Paare kürzlich mit einem Schreiben offiziell erlaubt. Auf die Frage, wie der Kardinal auf die Kritik aus Rom reagiert, gab es aus München zunächst keine Antwort.
Marx ist mit diesem Kurs nicht allein. Auch Bischof Georg Bätzing in Limburg und Bischof Helmut Dieser in Aachen haben eine entsprechende Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz umgesetzt.
Was Franziskus erlaubte – und wo der Streit beginnt
Bereits Ende 2023 hatte Papst Franziskus Segnungen in begrenzter Form zugelassen. Nach Lesart des Vatikans können grundsätzlich alle Menschen einen Segen empfangen. Leo XIV. verwies nun ausdrücklich auf diese Grenze und betonte, förmliche Segnungen homosexueller Paare seien nur insoweit möglich, wie es Franziskus erlaubt habe.
Dabei griff er auch die viel zitierte Formel seines Vorgängers auf: "tutti, tutti, tutti" – also "alle, alle, alle". Gemeint sei damit, dass in der katholischen Kirche jeder willkommen sei und eingeladen werde, Jesus nachzufolgen.
Konservative Katholiken werfen der Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken allerdings vor, deutlich weiterzugehen als die vatikanische Linie. Aus ihrer Sicht ermöglicht das Papier nicht nur kurze, allgemein gehaltene Segenszusprüche, sondern regelrechte kirchliche Feiern. Kritiker sehen darin eine Annäherung an Trauungen, die nach katholischem Verständnis weiterhin ausschließlich Mann und Frau vorbehalten sind.
Einige Diözesen bremsen – Eichstätt sieht sich bestätigt
Mehrere konservativ geführte Bistümer hatten deshalb schon zuvor klargestellt, dass sie die Orientierungshilfe nicht umsetzen wollen. Dazu gehören unter anderem Köln und Regensburg. Auch das Bistum Eichstätt, das nach eigenen Angaben keinen Bedarf für eine Umsetzung gesehen hatte, fühlt sich nach den Äußerungen des Papstes in seiner bisherigen Praxis bestätigt.
Ein Sprecher erklärte, derzeit gebe es keinen Anlass für Anpassungen. Maßgeblich bleibe weiterhin die Orientierung an Fiducia supplicans, also an dem Text, mit dem Franziskus Segnungen unter Einschränkungen ermöglicht hatte.
Keine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare
Unverändert bleibt damit auch in Deutschland: Eine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare gibt es in der katholischen Kirche nicht. Der aktuelle Streit dreht sich um die Frage, wie weit Segensfeiern gehen dürfen – und ob einzelne deutsche Diözesen dabei die vom Vatikan gezogenen Grenzen überschritten haben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion