Gigantische Brücke in Hamburg millimetergenau an ihren Platz gebracht
Ein außergewöhnliches Schauspiel hat sich in Hamburg abgespielt: Im Stadtteil Altona ist eine mehr als 100 Meter lange und 21 Meter breite Eisenbahnbrücke langsam durch die Straßen bewegt worden. Der rund 3.700 Tonnen schwere Stahlkoloss wurde in der Nacht mit einem Schwerlasttransporter auf 1.088 Rädern Zentimeter für Zentimeter vorwärtsgeschoben, leicht eingedreht und schließlich an seinem künftigen Standort abgesetzt. Die Geschwindigkeit lag dabei bei höchstens etwa einem Kilometer pro Stunde. Nach Angaben der Deutschen Bahn war die Brücke gegen 7.00 Uhr planmäßig aufgelegt.
Während der stundenlangen Präzisionsarbeit verfolgten zahlreiche Anwohner und Schaulustige das Geschehen. An manchen Stellen blieb zwischen dem Bauwerk und den Häusern nur ein Abstand von rund 20 Zentimetern. Bahn-Projektleiterin Janna Widmaier berichtete von einer besonderen Atmosphäre: Einige Menschen hätten den Transport sogar direkt aus ihren Fenstern in erster Reihe beobachtet.
Straße vorbereitet, Hindernisse entfernt
Damit die neue Sternbrücke ihren Weg durch die Max-Brauer-Allee nehmen konnte, wurde die Fahrbahn im Schnitt um etwa 60 Zentimeter erhöht und mit Stahlplatten stabilisiert. Außerdem mussten entlang der Strecke Laternen gekürzt, das Vordach einer Tankstelle teilweise entfernt und 86 Bäume gefällt werden.
Der Brückenrohbau war zuvor in rund 500 Metern Entfernung zusammengesetzt worden. Bereits am Mittwoch wurde die Konstruktion etwa 50 Meter seitlich verschoben und auf eine Einbauhöhe von sechs Metern über Straßenniveau gebracht. Die alte Sternbrücke war schon vor einer Woche abgebaut worden.

Volksfeststimmung im Viertel
Im Quartier herrschte in der Nacht beinahe Feierlaune. Bewohner und Besucher sangen „Über sieben Brücken musst du geh’n“, saßen mit Getränken auf Klappstühlen und verfolgten geduldig die millimetergenaue Arbeit auf der hell erleuchteten Baustelle.
Ein Anwohner sagte, ein solches Ereignis bekomme man wohl nur einmal im Leben mit. Ein anderer sprach von einem regelrechten Spektakel und einem technischen Wunder, dass der komplizierte Transport überhaupt möglich sei.
Wichtiges Etappenziel, aber noch viel Arbeit
Für Projektleiterin Widmaier ist der Einbau der neuen Sternbrücke zwar der Höhepunkt des Vorhabens, abgeschlossen ist das Projekt damit jedoch noch nicht. Bis Ende August soll rund um die Uhr weitergearbeitet werden, damit der Zugverkehr anschließend wieder über die neue Brücke rollen kann.
Die Strecke zwischen Hamburger Hauptbahnhof und Bahnhof Altona zählt zu den wichtigen Bahnverbindungen der Stadt. Täglich verkehren dort fast 1.000 Fern-, Regional- und S-Bahnen. Ab dem 31. August sollen die Züge die Strecke wieder nutzen können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion