Bayern

Trauer um Hans Maier: Bayerns Ex-Kultusminister tot

Er prägte Bayern über Jahrzehnte – nun ist Hans Maier kurz nach dem Tod seiner Frau gestorben. Was jetzt bekannt wird.

09.06.2026, 08:18 Uhr

Der frühere bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU) ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb der Wissenschaftler und Politiker am Montag in München – nur wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag am 18. Juni. Termine für Trauerfeier und Beerdigung sollen später bekanntgegeben werden.

Erst vor drei Monaten war seine Ehefrau Adelheid gestorben. Der Verlust habe ihn schwer getroffen, sagte Tochter Johanna Stegmaier. Das Paar sei mehr als 60 Jahre verheiratet gewesen und habe eine besonders enge Verbindung gehabt.

Söder und katholische Spitzenvertreter würdigen Maier

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete Maier als einen großen Gelehrten und Staatsmann. Er sei gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit gewesen. Besonders die Bildungslandschaft habe Maier über Jahrzehnte geprägt und damit wichtige Grundlagen für Bayerns heutige Spitzenstellung als Wissenschafts- und Bildungsstandort gelegt. Auch in der CSU sei er eine prägende Persönlichkeit gewesen, die ihre Überzeugungen stets klar und furchtlos vertreten habe.

Auch aus der katholischen Kirche kamen deutliche Würdigungen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dessen Präsident Maier viele Jahre war, nannte ihn eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte. Über Jahrzehnte hinweg sei er das Gesicht des politischen Katholizismus weit über Deutschland hinaus gewesen, erklärte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Mit ihm verliere man einen großen Analytiker, herausragenden Wissenschaftler und politischen Gestalter, in dessen Leben Glaube und politisches Handeln eng verbunden gewesen seien.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, würdigte Maier als prägende Persönlichkeit weit über die Kirche hinaus. Seine Intellektualität, sein Humor und sein politischer Wille hätten nicht nur die bayerische Staatsregierung, sondern auch das ZdK geprägt. Gerade in schwierigen kirchlichen Zeiten habe Maier mit Augenmaß, Mut und theologischer Finesse um Positionen gerungen – auch im Streit mit der Bischofskonferenz.

Widerspruch gehörte zu seinem politischen Stil

Maier galt als tiefgläubiger Wissenschaftler und Politiker, der Widerspruch nie scheute – auch im hohen Alter nicht. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 stellte er sich gegen die scharfen Angriffe aus der CSU auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit Blick auf den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sagte er, er hoffe, dass die Attacken auf die Kanzlerin aufhörten; so könne man mit einer verdienten Politikerin nicht umgehen. Damals war Maier 84 Jahre alt.

Diese Haltung entsprach seinem Naturell. Schon unter Franz Josef Strauß wich er Konflikten nicht aus. Als der damalige Ministerpräsident nach der Landtagswahl 1986 das von Maier geführte Kultusministerium in ein Schul- und ein Wissenschaftsressort aufteilte, zog Maier die Konsequenz und trat zurück. Später sagte er, er sei froh gewesen, sich danach wieder stärker der Wissenschaft widmen zu können. Sein Fazit lautete: Alles habe seine Zeit.

Politiker, Professor und katholischer Intellektueller

Der in Freiburg geborene Maier gehörte von 1978 bis 1987 dem bayerischen Landtag an. Bereits von 1970 bis 1986 stand er an der Spitze des Kultusministeriums und prägte in dieser Zeit die Bildungspolitik des Freistaats entscheidend.

Vor seiner politischen Laufbahn studierte er in Freiburg und München Geschichte, Romanistik, Germanistik und Philosophie. Er promovierte über das Thema „Revolution und Kirche“ und wurde 1962 Professor für Politikwissenschaft an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Nach dem Ende seiner Ministerzeit kehrte er dorthin zurück und übernahm den renommierten Guardini-Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie, benannt nach Romano Guardini.

Engagement für Kirche, Denkmalschutz und Kultur

Von 1976 bis 1988 war Maier Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Später engagierte er sich dennoch für die Schwangerenkonfliktberatung durch den Verein „Donum Vitae“, den er mitbegründete. Damit geriet er in scharfen Konflikt mit der Amtskirche. Nach seinen Schilderungen verweigerten ihm manche Bischöfe sogar kirchliche Räume für Lesungen. Maier hielt dem entgegen, man müsse manchmal auch in der Kirche dagegenhalten. Mit Blick auf den weitgehenden Ausstieg der katholischen Kirche aus der Konfliktberatung sagte er zudem, er hoffe, dass man dies heute bereue.

Die Liste seiner Ämter, Ehrungen und Veröffentlichungen war lang. Maier gehörte unter anderem der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an. Außerdem war er Mitgründer und Präsident des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.

Selbst im Jahr 2020 setzte er noch ein Zeichen: In München beteiligte er sich an einer Demonstration, die mehr Unterstützung für die von der Corona-Krise schwer getroffene Kulturszene und besonders für freischaffende Künstler forderte.

Wenn ihm neben Politik, Wissenschaft und Publikationen Zeit blieb, spielte Maier in seiner Münchner Heimatpfarrei bei Gottesdiensten Orgel. Damit hatte er bereits im Alter von elf Jahren begonnen. Diese Leidenschaft bezeichnete er einmal als vielleicht stärkste Kontinuität seines Lebens.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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