Im Grenzraum zwischen Westböhmen und Bayern hat sich in der Nacht zum Freitag ein leichtes Erdbeben ereignet. Nach vorläufigen Angaben des Geophysikalischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften erreichte das Beben eine Magnitude von etwa 3,5. Das Epizentrum lag demnach nördlich von Bělá nad Radbuzou, der Herd in rund neun Kilometern Tiefe. Die Erschütterung wurde kurz nach 0.30 Uhr registriert.
Die zunächst automatisch erfassten Werte stehen noch unter dem Vorbehalt einer wissenschaftlichen Prüfung. Das Seismologische Zentrum Europa-Mittelmeer (EMSC) nannte leicht abweichende Daten und bezifferte die Stärke auf 3,3 bei einer Tiefe von etwa 16 Kilometern. Der Abstand zur bayerischen Grenze wurde ersten Schätzungen zufolge auf nur rund zehn Kilometer taxiert.
Augenzeugen berichten von lautem Knall
Aus dem tschechischen Bezirk Tachov meldeten Anwohner laut Medienberichten ein deutliches Grollen, Dröhnen und einen heftigen Ruck. Der Bürgermeister der Gemeinde Třemešné, Kristian Ebenhöh, schilderte der Zeitung Pravo das Geräusch als einen Knall „wie aus einer Kanone“. Sein Haus habe stark gezittert. Nahezu alle Nachbarn seien in der Nacht wach geworden. Schäden wurden zunächst jedoch nicht bekannt.
Auch aus Přimda kamen Berichte über eine unangenehme Erschütterung. Eine Bewohnerin verglich das Geräusch mit schweren Lastwagen, die in der Ferne vorbeifahren. In Domažlice vermuteten einige Menschen zunächst sogar eine Explosion eines Heizkessels oder die Landung eines Hubschraubers.
Bereits im Oktober 2022 war im Bezirk Tachov ein Beben der Stärke 2,2 gemessen worden. Deutlich stärker fiel ein Erdbeben im Jahr 1985 in der Region um Cheb (Eger) aus: Damals wurde eine Magnitude von 4,6 registriert. Infolge der Erschütterung entstanden Risse in Hauswänden, Schornsteine stürzten ein und Dachziegel lösten sich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber