Bayern

Hammer-Umzug: Klinik Harlaching zieht um

Vier Jahre Bauzeit – jetzt folgt der Wahnsinn: Ein komplettes Krankenhaus zieht um, ohne den Betrieb zu stoppen.

09.06.2026, 03:30 Uhr

München Klinik Harlaching verlegt Patienten, Technik und Personal in den Neubau

Der Umzug der München Klinik Harlaching läuft derzeit auf Hochtouren – und das bei weitergehendem Klinikbetrieb. Seit Dienstagfrüh werden rund 280 Patientinnen und Patienten vom Altbau in den benachbarten Neubau verlegt. Manche gehen zu Fuß, andere werden im Rollstuhl gefahren, viele direkt in ihren Betten. Für den kompletten Wechsel sind zwei Tage vorgesehen; gestartet wurde am Dienstagmorgen um Punkt 6.00 Uhr.

Eine besondere Rolle spielt dabei ein eigens gebauter, klimatisierter Verbindungsgang zwischen den Gebäuden. Der tunnelartige Übergang mit schwarzen Wänden und erschütterungsarmem Boden soll die Transporte so schonend wie möglich machen. Zu den ersten verlegten Patienten gehörten mehrere extrem früh geborene Babys aus der Kinderintensivstation.

Extrem-Frühchen werden besonders eng begleitet

Der Auftakt des Umzugs begann in der Kindernotaufnahme. Sie wurde für den Wechsel vorübergehend von der Leitstelle abgemeldet, konnte aber weiterhin Kinder versorgen, die etwa von ihren Eltern direkt gebracht wurden. Dafür standen zunächst sowohl im Alt- als auch im Neubau parallel Teams bereit.

Aus der Kinderintensivstation wurden anschließend drei extrem früh geborene Säuglinge einzeln in den Neubau gebracht. Ihr Zustand gilt als besonders empfindlich. Deshalb begleiteten nicht nur erfahrene Intensivpflegekräfte die Transporte, sondern jeweils auch ein Neugeborenenspezialist mit Notfallkoffer, damit selbst im Aufzug sofort eingegriffen werden könnte.

Chefarzt Marcus Krüger von der Neonatologie machte deutlich, wie sensibel diese Verlegungen sind. Seine drei gefährdetsten Patienten seien alle noch keine drei Wochen alt und deutlich zu früh geboren worden. Zwar bedeute der Transport Belastung für die winzigen Kinder, bleibende Schäden seien nach Einschätzung der Klinik aber nicht zu erwarten.

Frühchen Emilia wurde später symbolisch als erste Patientin im Neubau begrüßt – tatsächlich waren kurz zuvor bereits noch instabilere Frühgeborene umgezogen worden. Das im März viel zu früh geborene Mädchen wurde während des Transports eng überwacht. Vor dem Wechsel wurde sie planmäßig von der Sauerstoffversorgung an der Wand auf Flaschensauerstoff umgestellt. Ihre Mutter zeigte sich erleichtert, dass eine Ärztin den Transport begleitete, die Emilia seit ihrer Geburt kennt.

Jeder Transport hat ein genaues Zeitfenster

Nach Angaben der Klinik ist der Umzug eine enorme organisatorische Aufgabe. Für jede Station gibt es exakt festgelegte Zeit-Slots, damit es im engen Verbindungsgang nicht zu Behinderungen kommt. Während der Transporte der Extrem-Frühchen durfte der Gang etwa von niemand anderem genutzt werden.

Auch auf anderen Stationen lief der Wechsel streng nach Plan. So wurden Patientinnen und Patienten aus der Palliativstation innerhalb weniger als einer Dreiviertelstunde in ihre neuen Zimmer gebracht. Eine 91-jährige Patientin lobte anschließend den reibungslosen Ablauf und das Engagement der Beschäftigten, die neben dem Umzug zugleich die Versorgung sicherstellen mussten.

Damit der Umzug trotz laufendem Betrieb sicher abläuft, hatten die Teams zuvor verschiedene Simulationsübungen absolviert. So sollte gewährleistet sein, dass auch während der Wechselphase die Versorgung von Schwerverletzten oder ein Notkaiserschnitt jederzeit möglich bleiben.

Tausende Kartons, Rollwannen und empfindliche Medizintechnik

Neben den Patienten müssen auch große Mengen an Material und Ausstattung an den neuen Standort innerhalb des Klinikareals gebracht werden. Das Personal hatte dafür bereits in den vergangenen Tagen rund 3.500 Umzugskartons gepackt. Hinzu kommen aktuell 500 Rollwannen für Material wie Infusionstechnik oder Verbände sowie 100 Kühlboxen für temperaturempfindliche Medikamente.

Etwa die Hälfte der bislang genutzten Diagnostik zieht ebenfalls mit um, darunter Geräte wie Ultraschalltechnik. Empfindliche Apparate werden teilweise von Spezialfirmen zerlegt, verpackt, über Außenaufzüge nach draußen gebracht, per Lastwagen die wenigen Meter transportiert und im Neubau wieder aufgebaut.

Möbel und Computer wurden dagegen fast vollständig neu angeschafft. Nach Angaben der Klinik nutzte das Haus dafür reguläre Erneuerungszyklen. Auch manche Großgeräte wie ein MRT wurden direkt im Neubau installiert.

Alle Fachbereiche künftig unter einem Dach

Auch das Personal wechselt in großem Umfang in das neue Gebäude: Rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich dort auf neue Wege, neue Abläufe und neue Prozesse einstellen.

Die Klinik in Harlaching zählt zur höchsten Versorgungsstufe. Dort werden auch Menschen mit seltenen Erkrankungen, Schwerstkranke und Unfallopfer behandelt. Im Neubau sind künftig alle Fachbereiche an einem Ort vereint – von der Schlaganfallversorgung über Notfallmedizin und Unfallchirurgie bis hin zu Geburtshilfe und Palliativmedizin. Nach Klinikangaben werden die bislang auf sieben Bestandsgebäude verteilten Bereiche damit unter einem Dach zusammengeführt.

Der Neubau im Münchner Süden kostet nach aktuellem Stand rund 295 Millionen Euro und wird seit 2020 errichtet. Ab Donnerstag soll dort die komplette klinische Versorgung stattfinden. Das neue Gebäude steht direkt neben dem bisherigen Hauptgebäude, das im Laufe des kommenden Jahres abgerissen werden soll.

Nach Angaben der Klinik handelt es sich in diesem Jahr um die einzige vollständige Inbetriebnahme eines neuen Krankenhauses in Bayern. Das Projekt gilt zudem als eines der wichtigsten Gesundheitsbauvorhaben in Deutschland.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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