Bayern

Almbauern am Limit: Bürokratie und Klima drücken

Wolf, Geld, Wasser: Almwirte redeten Ministern ins Gewissen – welche Probleme auf den Bergen jetzt eskalieren.

05.08.2026, 18:44 Uhr

Almwirte in Oberbayern dringen auf Lösungen bei Wolf, Bürokratie und Wasserknappheit

Die Almbewirtschafter in Oberbayern begrüßen den Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Dennoch bleibt der Umgang mit dem Raubtier im Alpenraum umstritten. Zugleich sehen sich die Betriebe mit einem weiteren akuten Problem konfrontiert: anhaltender Trockenheit, die die Versorgung auf den Almen zunehmend erschwert.

Bei der Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern kamen mehrere Hundert Teilnehmer zusammen. Mit dabei waren Menschen aus dem Alpenraum, Almbäuerinnen und Almbauern, Almpersonal sowie zahlreiche Politiker, darunter Rainer und mehrere bayerische Minister.

Im Mittelpunkt standen Forderungen nach weniger Bürokratie, einem wirksamen Schutz der Weidetiere vor dem Wolf sowie nach finanzieller Unterstützung für die Almwirtschaft.

Wolf bleibt Streitthema

Obwohl der Wolf seit dem Frühjahr im Jagdgesetz berücksichtigt wird und Abschüsse damit leichter möglich sein sollen, sorgte das Thema auch bei der Veranstaltung weiter für Diskussionen. Die Almwirte pochen auf mehr Sicherheit für ihre Tiere.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, Abschüsse mindestens dann freizugeben, wenn Nutztiere auf den Weiden stehen. In Gebieten, in denen ein Schutz durch Zäune nicht umsetzbar sei, müsse aus seiner Sicht konsequent gehandelt werden.

Aiwanger betonte, Weidetierhalter und ländliche Regionen erwarteten zu Recht, dass Wolfsmanagement nicht nur in Verordnungen existiere, sondern in der Praxis funktioniere. Gerade auf Almen sei flächendeckender Herdenschutz mit Zäunen aus seiner Sicht weder sinnvoll noch realistisch. Deshalb brauche es Lösungen, die den besonderen Bedingungen in der Almwirtschaft gerecht werden.

Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern
Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer war bei der Hauptalmbegehung dabei. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rainer verwies darauf, dass es ihm wichtig gewesen sei, den Wolf im Bundesjagdgesetz zu verankern. Dafür erhielt er bei der Almbegehung viel Zuspruch. Zugleich stellte er klar, dass es nicht darum gehe, den Wolf auszurotten. Nach seinen Gesprächen mit Landwirten sei jedoch klar, dass die Zahl der Tiere vielerorts hoch sei. Die konkrete Umsetzung eines Managements solle Sache der Länder bleiben.

Forderung nach Entlastung und Förderung

Ein weiteres zentrales Anliegen der Almwirte ist der Abbau bürokratischer Hürden. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) kündigte an, sich gemeinsam mit Rainer bei der Agrarministerkonferenz dafür einzusetzen, den Aufwand insbesondere bei den Düngevorgaben deutlich zu verringern. In Bayern hatte es zuletzt wiederholt Kritik an komplizierten Regelungen gegeben.

Auch finanziell sehen die Almbetriebe dringenden Handlungsbedarf. Rainer sagte zu, sich auf EU-Ebene für ihre Interessen starkzumachen. Mit Blick auf den künftigen EU-Haushalt äußerte er die Hoffnung, dass es keine Kürzungen geben werde. Außerdem wolle er darauf achten, dass die Gemeinsame Agrarpolitik mit weniger Bürokratie verbunden sei.

Kaniber versicherte, dass der Freistaat hinter den Almwirten stehe. Einschnitte lehne Bayern in diesem Bereich ab. Über das Bayerische Bergbauernprogramm seien seit Jahresbeginn bereits mehr als 3,3 Millionen Euro bewilligt worden.

Trockenheit setzt Almen zu

Besondere Bedeutung hat nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums die Wasserversorgung. Investitionen in Wasseranlagen auf Almen unterstützt der Freistaat demnach mit Zuschüssen von bis zu 30.000 Euro.

Aus Sicht der Almwirte ist diese Hilfe dringend notwendig. Rainer räumte ein, dass sich fehlender Regen nicht politisch lösen lasse, verwies aber darauf, dass der Klimawandel die Landwirtschaft gerade im Sommer immer stärker belaste. Sein Ministerium beobachte die Entwicklung gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und suche nach Möglichkeiten, gezielt zu unterstützen.

Auch Kaniber hob die Dringlichkeit hervor. Wenn bereits zu Sommerbeginn Wasser für die Tiere auf die Berge gebracht werden müsse, zeige das deutlich, wie wichtig eine verlässliche Versorgung sei. Aiwanger rief zudem dazu auf, wegen der Trockenheit besonders aufmerksam zu sein, um die Wälder vor erhöhter Brandgefahr zu schützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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