Allgemein

Studie: Klimawandel wird in Europa immer stärker zum Gesundheitsrisiko

Mehr Hitzetote sind nur eine Folge der Klimakrise. Ein Bericht zieht für Europa Bilanz.

22.04.2026, 04:15 Uhr

Der Klimawandel belastet die Gesundheit der Menschen in Europa nach Erkenntnissen von Forschenden zunehmend. Laut dem „Lancet Countdown Europe Report 2026“ stieg die Zahl hitzebedingter Todesfälle im Zeitraum 2015 bis 2024 im Vergleich zu 1991 bis 2000 in 99,6 Prozent der untersuchten Regionen. Im Schnitt entsprach das einem jährlichen Plus von 52 Todesfällen pro eine Million Einwohner. In Teilen Spaniens sowie in Italien, Griechenland und Bulgarien lag der Anstieg meist sogar bei mehr als 120.

Die Untersuchung eines internationalen Forschungsteams um Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg wurde im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Rocklöv erklärte, der durch fossile Energieträger beschleunigte Klimawandel werde für immer mehr Menschen in Europa zu einer wachsenden Gefahr für die Gesundheit. Besonders deutlich zeigt sich das auch bei Warnungen vor extremer Hitze: Deren Zahl nahm zwischen 2015 und 2024 im europäischen Mittel um 318 Prozent zu. In Westeuropa einschließlich Deutschland lag der Anstieg mit 450 Prozent noch deutlich höher.

Allergien und Infektionen nehmen zu

Neben Hitzefolgen verweisen die Autoren auf weitere gesundheitliche Risiken. So begann zwischen 2015 und 2024 die Pollensaison aller allergenen Baumarten im Vergleich zu 1991 bis 2000 ein bis zwei Wochen früher. Für Menschen mit Heuschnupfen bedeutet das eine längere Belastungszeit.

Zugleich wächst das Risiko für tropische Infektionskrankheiten, weil sich tropische Stechmücken in Europa stärker ausbreiten und entsprechende Viren übertragen können. Das jährliche Übertragungsrisiko für das Dengue-Virus lag 2015 bis 2024 gegenüber 1980 bis 2010 um 297 Prozent höher. Auch Überträger von Malaria, West-Nil-Fieber und weiteren Krankheiten finden zunehmend günstigere Bedingungen vor.

Mehr Ökostrom, aber weiter hohe Fossil-Subventionen

Die Studie nennt auch Fortschritte: Der Anteil erneuerbarer Energien an der europäischen Stromversorgung stieg 2023 auf 21,5 Prozent, nach 8,4 Prozent im Jahr 2016. Dennoch fließen den Forschern zufolge weiterhin große Summen in Kohle, Erdgas und Erdöl.

Obwohl Europa sich in internationalen Foren dazu bekannt habe, Subventionen für fossile Energien bis 2025 schrittweise zu beenden, seien diese Hilfen 2023 und 2024 deutlich gestiegen. Als Grund nennen die Autoren die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Allein im Jahr 2023 beliefen sich die Subventionen laut Bericht auf 444 Milliarden Euro.

Sorge über Folgen von Biomasse

Auch bei den erneuerbaren Energien sehen die Wissenschaftler problematische Entwicklungen. Feste Biomasse machte 2023 31 Prozent des gesamten Verbrauchs erneuerbarer Energien aus. Zwar gilt das Verbrennen von Holzpellets und ähnlichen Stoffen als erneuerbare Energie, weil dabei nur jenes CO2 freigesetzt wird, das zuvor beim Wachstum aufgenommen wurde. Gleichzeitig entstehen jedoch giftige Stoffe und Feinstaub, die die Luftqualität verschlechtern.

Dem Report zufolge nahm die Zahl der Todesfälle, die auf das Verbrennen von Biomasse in Wohnhäusern zurückgeführt werden, zwischen 2000 und 2022 um vier Prozent zu.

Forscher warnen vor Untätigkeit

Die Autoren mahnen, die gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung nicht kleinzureden. Hedi Kriit, Erstautorin der Studie vom Universitätsklinikum Heidelberg, sagte, viele Staaten planten zwar Anpassungsmaßnahmen im Gesundheitswesen. Ohne eine langfristige und verlässliche Finanzierung drohten diese Vorhaben jedoch folgenlos zu bleiben, während sich die Lage weiter verschärfe.

Rocklöv betonte zudem, dass die heute getroffenen Entscheidungen maßgeblich dafür seien, ob die Gesundheitsfolgen des Klimawandels schnell schlimmer werden oder ob Europa sich in Richtung einer sichereren, gerechteren und widerstandsfähigeren Zukunft bewegt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen