Allgemein

«Reihe um Reihe» Leichen – das Grauen nach dem Zugunglück

Zwischen Verletzten und aufgereihten Toten: Was Retter und Überlebende nach dem Zugunglück in Spanien schildern, erschüttert.

28.10.2026, 16:58 Uhr

Dass das gewaltige Trümmerfeld einst zu einem Zugwaggon gehörte, ist kaum noch zu erkennen. Zwischen Rädern, zerborstenen Fensterscheiben, Gepäckstücken sowie völlig verbogenem Metall und Kunststoff zeigt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe erst aus der Luft: Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind in Spanien nahe Urda in der Provinz Toledo, etwa 130 Kilometer südlich von Madrid, zusammengestoßen. Mehrere Waggons stürzten beidseits des Bahndamms hinab. Bei dem Unglück am Morgen kamen mindestens 68 Menschen ums Leben, rund 50 weitere wurden schwer verletzt.

Ein Überlebender schilderte Reporterinnen und Reportern vor Ort, der andere Zug sei von links gekommen. Durch den Aufprall seien die Menschen aus dem Waggon geschleudert worden, einige regelrecht durch die Luft geflogen.

Überall Chaos

Eine Frau mit blutverschmierter weißer Bluse beschrieb die Kollision als extrem heftigen Stoß. Unmittelbar danach habe pures Chaos geherrscht, überall seien aufgeregte Menschen umhergelaufen. Dann seien Helfer gekommen. "Da waren Menschen, die uns unterstützt haben", sagte sie. Das sei entscheidend gewesen, denn sie selbst habe unter einem Sitz festgesteckt und habe hochgehoben werden müssen. Kurz darauf seien bereits Hubschrauber eingetroffen, ebenso Feuerwehr und zahlreiche Kräfte der Guardia Civil.

In sozialen Netzwerken verbreiteten sich rasch Aufnahmen vom Ort des Geschehens. Darauf sind Überlebende zu sehen, die zwischen den Trümmern sitzen, mit zerrissener Kleidung und in Tränen aufgelöst. Einsatzkräfte behandeln Verletzte auf der Wiese neben dem Bahndamm, decken sie mit Wärmedecken zu und versorgen sie mit Infusionen. An anderer Stelle tragen Helfer Leichen vom Unglücksort fort, bedeckt mit weißen Tüchern.

Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Waggons entgleisten – ein Überlebender sagt, Menschen seien durch die Luft geflogen. Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

Rettungskräfte berichteten der Zeitung El País, dass die geborgenen Opfer seit dem Morgen in Reihen entlang des Bahndamms abgelegt wurden. Auf der anderen Seite seien Verletzte über Stunden hinweg versorgt worden. Menschen mit besonders schweren Verletzungen wurden per Rettungshubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht.

"Ein Albtraum, aus dem man nicht aufwacht"

Ein Angehöriger der staatlichen Sicherheitskräfte nannte den Anblick "unbeschreiblich" und "grauenhaft". Die Toten hätten "Reihe für Reihe" in einem Mandelhain gelegen. Diese Bilder werde niemand vergessen, sagte er. Es sei wie ein Albtraum, aus dem man nicht erwache.

Auch aus einem der verunglückten Züge selbst gibt es Aufnahmen. In einem im Internet veröffentlichten Video ist eine Durchsage einer Bahnmitarbeiterin kurz nach dem Zusammenstoß zu hören. Ihre Stimme wirkt hörbar angespannt. Mit Blick auf die vielen Verletzten, die noch auf Hilfe warteten, sagte sie sinngemäß, man müsse Geduld haben, weil es im Moment andere Menschen gebe, die diese noch dringender bräuchten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen