Ein gestrandeter Buckelwal liegt weiter in der Ausfahrt zur Wismarbucht vor der kleinen Ostseeinsel Poel fest. Auch in der Nacht habe sich das rund zwölf Meter lange Tier nicht von der Stelle bewegt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. In Livestreams war zu sehen, wie sich der Rücken des Wals hebt und senkt und das Tier atmet.
Am Vormittag gab es erneut Aktivitäten der privaten Rettungsinitiative. Ein Helfer näherte sich dem mehrere Tonnen schweren Meeressäuger auf einem SUP-Board und bedeckte ihn mit weißen Tüchern. Diese sollen die Haut des Wals schützen. Außerdem kam der Spülbagger wieder zum Einsatz. Welche weiteren Schritte das Team plant, war zunächst offen.
Niedrigwasser bleibt ein großes Problem
Bereits am Dienstag hatten Helfer damit begonnen, Schlick unter dem etwa zwölf Tonnen schweren Tier wegzusaugen. Am Abend lag der Wal dadurch etwas tiefer im Wasser. Das gilt als wichtig, weil ein Wal in zu flachem Wasser unter seinem eigenen Gewicht leiden oder sogar erdrückt werden kann.
Das Niedrigwasser erschwert die Lage aber weiterhin. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie lag der Wasserstand am Morgen etwa 20 Zentimeter unter dem normalen Niveau. Bis zum Mittag wurde ein Anstieg um rund 15 Zentimeter erwartet, gegen Abend sollte der Pegel wieder um etwa 15 Zentimeter sinken. Weil der Wal nun in einer künstlich gespülten Vertiefung liegt, dürfte es für ihn noch schwieriger sein, sich aus eigener Kraft zu lösen.
Wal trägt inzwischen einen Sender
Der Buckelwal war am Montagmorgen nach rund drei Wochen an derselben Stelle bei steigendem Wasserstand überraschend losgeschwommen. Von Booten aus wurde versucht, ihn in Richtung Ostsee zu lenken. Nach etwa zwei Stunden stoppte das offenbar erschöpfte Tier jedoch am Übergang der Kirchsee in die Wismarbucht, wo eigentlich ein deutlich tieferes Fahrwasser in Richtung Ostsee verläuft.
Inzwischen wurde nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ein Sender an dem Tier befestigt. Falls sich der Wal doch noch befreien und davonschwimmen sollte, könnte seine Route verfolgt werden.
Zuletzt hatte Backhaus den Zustand des Tieres als kritisch, aber weiterhin nicht aussichtslos beschrieben. Walforscher Fabian Ritter sprach sich zugleich dafür aus, den Buckelwal möglichst wenig zusätzlichem Stress auszusetzen.
Schon seit Wochen sorgt der Fall für Sorge
Erstmals gesichtet wurde der Buckelwal Anfang März. Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf. In den Tagen danach wurde er auch vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste und vor Mecklenburg-Vorpommern beobachtet. Fachleuten zufolge hatte sich das Tier mehrfach in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer von Sea Shepherd befreiten es von einem Teil des Materials.
Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm er damals aus eigener Kraft weiter. Wenige Tage später saß er erneut auf einer Sandbank in der Wismarbucht fest, kam zwischenzeitlich bei steigendem Wasser kurz frei und strandete dann wieder. Seit dem 31. März steckte er in der Kirchsee-Bucht fest. Mit der Strandung am Ausgang der Bucht am Montag ist das Tier inzwischen bereits zum fünften Mal in flachem Wasser festgesetzt worden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion