Die Nato startet an diesem Dienstag ihr jährliches Manöver zur nuklearen Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets. An der Übung „Steadfast Noon“ nehmen nach Angaben aus dem Hauptquartier der Allianz Streitkräfte aus 17 Mitgliedstaaten teil. Gastgeber des etwa eineinhalbwöchigen Manövers ist diesmal Italien.
Konkrete Einzelheiten wurden zunächst nicht veröffentlicht. Aus Brüssel hieß es lediglich, der Umfang bewege sich ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Damals waren laut Nato rund 2.000 Soldatinnen und Soldaten sowie mehr als 70 Flugzeuge beteiligt. Mit dabei waren auch deutsche Kampfflugzeuge, die für den Transport von in Europa gelagerten US-Atombomben ausgerüstet werden können.
Signal der Abschreckung
Die für Nuklearpolitik zuständige Nato-Vertreterin Nassima Barrows erklärte, die Übung solle zeigen, dass das Bündnis im Ernstfall zur Verteidigung seines Territoriums bereit sei und über die nötigen Fähigkeiten verfüge. Reale Atomwaffen kämen dabei selbstverständlich nicht zum Einsatz.
Oberst David Bull, der innerhalb der Allianz für Nuklearoperationen zuständig ist, betonte, im Mittelpunkt stehe vor allem das koordinierte Zusammenwirken aller Beteiligten. Ziel sei es, eine sichere, glaubwürdige und verlässliche nukleare Abschreckung zu gewährleisten.
Nach Nato-Darstellung steht das Manöver nicht im Zusammenhang mit aktuellen internationalen Krisen und richtet sich nicht gegen einen bestimmten Staat. In den Bedrohungsanalysen der Allianz spielt jedoch seit Jahren insbesondere Russland eine zentrale Rolle. Erst vergangene Woche wurde Moskau erneut nukleares Säbelrasseln vorgeworfen.
Keine Details zum Ablauf
Dass sich auch Deutschland trotz fehlender eigener Atomwaffen regelmäßig an der Übung beteiligt, hängt mit der sogenannten nuklearen Teilhabe der Nato zusammen. Dieses Konzept sieht vor, dass in Europa stationierte US-Atombomben des Typs B61 im Ernstfall auch von Flugzeugen anderer Bündnispartner eingesetzt werden könnten, etwa gegen gegnerische Truppen. Offiziell unbestätigten Berichten zufolge lagern solche US-Waffen unter anderem in Norditalien, Belgien, den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel.
Zum genauen Szenario machte die Nato keine Angaben. Fachleuten zufolge wird bei den regelmäßig im Oktober stattfindenden Übungen unter anderem trainiert, wie die Bomben sicher aus unterirdischen Depots zu den Maschinen gebracht und an Kampfjets befestigt werden. Auch bei den anschließenden Angriffssimulationen kommen allerdings ausschließlich Übungsbomben ohne nuklearen Sprengkopf zum Einsatz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion