Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Viele Menschen in Deutschland wünschen sich höhere staatliche Investitionen in zentrale öffentliche Bereiche. Zugleich haben sich die Prioritäten seit 2021 spürbar verschoben. Besonders Ausgaben auf Kredit stoßen weiterhin bei vielen auf Vorbehalte.
Am stärksten befürworten die Befragten zusätzliche Mittel für Gesundheit und Pflege. Hier sprechen sich 91 Prozent dafür aus, dass der Staat seine Ausgaben "etwas" oder "deutlich" erhöht. Es folgen Bildung mit 87 Prozent, Straßen, Brücken und Autobahnen mit 82 Prozent, die öffentliche Sicherheit mit 80 Prozent sowie Bahnverbindungen und öffentlicher Nahverkehr mit 78 Prozent.
Deutlich geringer fällt die Zustimmung bei anderen Themen aus. Nur etwa 56 Prozent wünschen sich mehr Geld für Mobilfunknetz und Internet. Für Klima- und Umweltschutz sind es 53 Prozent, für Fuß- und Radwege 51 Prozent. An der Umfrage nahmen im Oktober und November 2025 rund 2.700 Menschen teil.
Deutlicher Rückgang beim Klimaschutz
Im Vergleich zu einer IMK-Erhebung aus dem Jahr 2021 ist die Unterstützung für zusätzliche Investitionen in den Klima- und Umweltschutz besonders stark gesunken – um 20 Prozentpunkte. Auch bei Mobilfunk und Internet ging die Zustimmung zurück, und zwar um 12 Prozentpunkte. Bei Fuß- und Radwegen lag das Minus bei 4 Prozentpunkten.
In anderen Bereichen nahm die Zustimmung dagegen deutlich zu. Den größten Zuwachs verzeichneten Straßen, Brücken und Autobahnen mit einem Plus von 23 Prozentpunkten. Für öffentliche Sicherheit sowie für Bahn und Nahverkehr stieg die Zustimmung jeweils um 11 Prozentpunkte.
Finanzierung bleibt umstritten
Bei der Frage, wie zusätzliche Investitionen bezahlt werden sollen, zeigt sich ein gemischtes Bild. 59 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der Staat dafür auch zusätzliche Kredite aufnehmen können sollte. 20 Prozent sind unentschlossen, 21 Prozent lehnen neue Schulden eher oder vollständig ab.
Wenn es jedoch um die konkrete Finanzierungsquelle geht, nennen 66 Prozent vor allem Kürzungen in anderen Ausgabenbereichen – mehr als noch 2021. Nur 19 Prozent sprechen sich vorrangig für eine Finanzierung über Kredite aus.
Die Autoren der Studie, Jan Behringer und IMK-Direktor Sebastian Dullien, kommen zu dem Schluss, dass kreditfinanzierte Investitionen von der Bevölkerung zwar in gewissem Umfang akzeptiert werden – etwa über ein schuldenfinanziertes Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Gleichzeitig gebe es aber den klaren Wunsch, bestehende Staatsausgaben kritisch zu prüfen und ineffiziente Posten zugunsten wichtiger Investitionen zu streichen.
Nach Einschätzung des IMK dürfte der Investitionsbedarf, der sich für 2024 auf mindestens 600 Milliarden Euro belaufen habe, durch solche Sondervermögen selbst bei strenger Zweckbindung nur zu höchstens zwei Dritteln gedeckt werden. Das Institut wirbt deshalb für eine Anpassung der Schuldenregeln, weil bloße Umschichtungen im Haushalt aus seiner Sicht nicht ausreichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion