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„Horrorhaus“-Urteil: Knast für deutsche Eltern

Jahrelang isoliert, Ermittler schockiert: Doch jetzt fällt das Urteil gegen das deutsche Elternpaar überraschend mild aus.

11.05.2026, 15:44 Uhr

Ein deutsches Elternpaar ist in Spanien wegen psychischer Gewalt gegen seine drei Kinder sowie wegen Vernachlässigung in der Familie zu insgesamt zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Das Provinzgericht in Oviedo sprach den 54-jährigen Mann und die 49-jährige Frau schuldig, wie die Justiz in der nordspanischen Region Asturien mitteilte.

Vom schwereren Vorwurf der Freiheitsberaubung wurden beide jedoch freigesprochen. Damit blieb das Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die nach der mehrtägigen Verhandlung im März für den Deutschen und die Deutsch-Amerikanerin jeweils 25 Jahre und vier Monate Gefängnis verlangt hatte.

Neu ist: Die Verteidigung erwägt, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Javier Muñoz, der Anwalt der Mutter, zeigte sich laut der Zeitung La Nueva España nur "mäßig zufrieden". Zwar sei er erleichtert, dass das Gericht die drei Vorwürfe der Freiheitsberaubung verworfen habe. Zugleich vertrete die Verteidigung die Auffassung, der Fall hätte eher sozial und fürsorgerisch als strafrechtlich behandelt werden müssen.

Zusätzlich entzog das Gericht den Eltern für drei Jahre und vier Monate unter anderem das Sorgerecht und untersagte ihnen jeden Kontakt zu den Kindern. Außerdem dürfen sie sich den drei Minderjährigen nicht auf weniger als 300 Meter nähern. Darüber hinaus wurden beide verpflichtet, jeweils 30.000 Euro pro Kind als finanzielle Entschädigung zu zahlen.

Eltern wollten Kinder angeblich vor Krankheiten schützen

Nach Angaben der Behörden hatte das Paar seine drei Kinder in Oviedo dreieinhalb Jahre lang in einem verwahrlosten Haus voller Müll von der Außenwelt abgeschirmt. Die Eltern beteuerten auch im Prozess ihre Unschuld. Sie erklärten, sie hätten ihre Kinder isoliert, um sie vor einer Ansteckung mit Krankheiten wie Corona zu schützen.

Die Kinder – damals acht Jahre alte Zwillinge und ein zehn Jahre alter Junge – wurden Ende April 2025 in Fitoria am Stadtrand von Oviedo befreit, nachdem eine misstrauische Nachbarin die Polizei alarmiert hatte. Als Beamte das Haus betraten, bot sich ihnen nach Behördenangaben ein erschütterndes Bild. Ermittler sprachen später von einem „Horrorhaus“. Einsatzleiter Javier Lozano sagte damals, eine solche Situation habe man in Oviedo noch nie erlebt. „Alle waren fassungslos“, berichtete er nach dem rund dreieinhalbstündigen Einsatz.

Müllberge, Exkremente und kranke Katze im Haus

Wie die Behörden und spanische Medien berichteten, fanden die Einsatzkräfte Berge von Müll, Exkremente auf dem Boden und ein Haus vor, das selbst unter den Betten mit Abfällen übersät gewesen sein soll. Die Kinder seien schmutzig, in Schlafanzügen und schwer vernachlässigt gewesen. Nach Polizeiangaben wirkten sie zudem deutlich unterernährt.

In dem Haus wurde den Angaben zufolge auch eine schwer kranke Katze entdeckt. Der Einsatzleiter sagte damals, alle Beteiligten seien von den Zuständen schockiert gewesen.

Kinder durften nicht einmal in den Garten

Nach dem Bericht der Ermittler mussten die Kinder teils in zu kleinen Gitterbetten schlafen. Sie sollen von ihren Eltern gezwungen worden sein, Windeln und Mund-Nasen-Masken zu tragen. Selbst in den Garten des Hauses hätten sie nicht gedurft. Lozano sagte später: „Wir haben drei Minderjährigen das Leben zurückgegeben.“

Besonders alarmierend: Die damals achtjährigen Zwillinge konnten den Ermittlern zufolge weder lesen noch schreiben. Alle drei Kinder seien körperlich stark beeinträchtigt gewesen, hätten sich nur eingeschränkt bewegt, seien gebückt gegangen und hätten Schwierigkeiten gehabt, Treppen zu steigen.

Einen Arzt sollen sie zuletzt 2019 in Deutschland gesehen haben. Laut Ermittlern diagnostizierten und behandelten die Eltern gesundheitliche Probleme der Familie selbst. Bei der Durchsuchung stieß die Polizei außerdem auf große Mengen verschiedener Medikamente ohne ärztliche Verschreibung.

Zukunft der Kinder weiter offen

Die drei Minderjährigen werden seit ihrer Befreiung von den Sozialbehörden Asturiens betreut. Nach der Verurteilung werde unter anderem geprüft, ob die Kinder zur Adoption freigegeben werden könnten, sagte eine Justizsprecherin.

Zwischenzeitlich war nach Behördenangaben auch erwogen worden, ob die Eltern der Mutter die Vormundschaft übernehmen könnten, nachdem das Gericht den Eltern das Sorgerecht entzogen hatte. Diese Möglichkeit erwies sich jedoch als wenig praktikabel, weil die Großeltern in die USA zurückgekehrt seien. Weitere Angehörige konnten demnach bislang nicht gefunden werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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