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Shamonda-Virus: Das ist erst der Anfang

Neues Shamonda-Virus breitet sich rasant aus – Rinder oft symptomlos. Droht der eigentliche Schaden erst in den nächsten Monaten?

07.10.2026, 04:00 Uhr

Shamonda-Virus inzwischen in fast ganz Deutschland nachgewiesen

Das Shamonda-Virus, das hierzulande im Sommer erstmals bei Rindern entdeckt wurde, hat sich mittlerweile nahezu bundesweit ausgebreitet. Nach Angaben von Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald, fehlen bislang nur aus Mecklenburg-Vorpommern und den Stadtstaaten bestätigte Funde. Betroffen seien bereits Tausende landwirtschaftliche Betriebe.

Beer betonte jedoch, dass die bekannten Fälle wohl nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Geschehens abbilden. Das Virus ist nicht meldepflichtig, und viele infizierte Tiere zeigen entweder gar keine oder nur leichte Beschwerden. Bei Rindern können unter anderem Fieber, zeitweise geringere Milchleistung oder Durchfall auftreten. Welche Folgen eine Infektion bei trächtigen Tieren genau hat, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Risiken für trächtige Tiere noch unklar

Nach Angaben des FLI wurden bei infizierten Rindern bereits einzelne Fehlgeburten festgestellt, allerdings bislang nur in wenigen Fällen. Da das Virus erst seit dem Sommer beobachtet wird und die Trächtigkeit bei Rindern rund neun Monate dauert, sei derzeit noch offen, wie häufig Totgeburten oder Fehlbildungen tatsächlich vorkommen.

Beer verweist in diesem Zusammenhang auf das verwandte Schmallenberg-Virus bei Schafen. Wenn die Tiere in einer empfindlichen Phase der Trächtigkeit infiziert wurden, konnten dort bis zu 30 Prozent der Föten Missbildungen aufweisen.

Keine Hinweise auf Gefahr für Menschen

Für Menschen und Verbraucher sieht Beer derzeit kein direktes Risiko. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass das Virus vom Tier auf den Menschen übergehen könne. Auch Lebensmittel wie Milch gelten nach bisherigem Kenntnisstand als unbedenklich. Laut Beer entspricht die Lage damit der Erfahrung mit dem Schmallenberg-Virus.

Zwei neue Varianten in Europa

Erste Nachweise der neuen europäischen Variante stammen aus Juli und August aus Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz. Nach Einschätzung des FLI handelt es sich um eine Variante des Shamonda-Virus, das bereits seit den 1960er-Jahren zunächst in Afrika und später auch in Teilen Asiens bekannt ist.

Inzwischen wurde zudem eine weitere neue Variante entdeckt. Diese zweite sogenannte Klade tauchte zuerst in Nordwestdeutschland auf und wurde später auch in den Niederlanden, Belgien und Schleswig-Holstein festgestellt. In Bundesländern wie Hessen und Thüringen kommen bereits beide Varianten vor. Das FLI geht von zwei getrennten Einträgen aus und bezeichnet sie als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) und Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2).

Einschleppung womöglich über Luftfracht

Die zuerst im Süden nachgewiesene Variante SHAV-EU1 wurde bereits bei Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und auch bei einem Alpaka gefunden. SHAV-EU2 ist bislang nur bei Rindern entdeckt worden, weitere Infektionen bei anderen Wiederkäuern oder Säugetieren gelten aber als möglich.

Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, also winzige stechende Insekten. Beer hält es für denkbar, dass infizierte Gnitzen etwa über den Luftverkehr nach Europa gelangt sein könnten. Für eine größere Ausbreitung seien dann jedoch passende Bedingungen nötig. Vor allem hohe Temperaturen fördern die Vermehrung des Virus in den Insekten. Die extremen Sommerhitzeperioden dieses Jahres könnten deshalb eine wichtige Rolle gespielt haben.

Erstmals auch schwere Verläufe bei Pferden

Neu und besonders auffällig ist nach Angaben des FLI, dass das Virus auch bei Pferden nachgewiesen wurde. Anders als beim Schmallenberg-Virus seien hierbei sogar Todesfälle aufgetreten. In Deutschland sind nach jetzigem Stand drei Pferde gestorben. Bei ihnen wurden Gehirnentzündungen und hohe Virusmengen im Gehirn festgestellt. Auch in der Schweiz wurden bei Pferden neurologische Schäden im Zusammenhang mit der ersten europäischen Shamonda-Variante beobachtet.

Wie häufig solche schweren Verläufe tatsächlich sind, müsse noch genauer untersucht werden. Das FLI arbeitet deshalb an Antikörpertests, um die Verbreitung des Virus besser einschätzen zu können.

Nach einer Welle wohl vorerst Ruhe

Eine überstandene Infektion sorgt laut Beer bei den betroffenen Tieren für eine starke Immunität. Deshalb dürfte der größte Schaden bereits in der aktuellen Welle entstanden sein. Spätere Infektionswellen würden voraussichtlich deutlich schwächer ausfallen oder kaum noch auffallen. Ganz verschwinden werde das Virus aber vermutlich nicht. Da Tiere nur begrenzt leben, geht mit der Zeit auch die Herdenimmunität verloren. Beim Schmallenberg-Virus kommt es deshalb etwa alle drei bis vier Jahre erneut zu größeren Wellen.

Impfstoff bislang nicht verfügbar

Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es derzeit nicht. Ob Unternehmen einen entwickeln, dürfte auch davon abhängen, wie groß die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden am Ende tatsächlich sind.

Woher der Name „Shamonda“ stammt

Der Name des Virus geht auf seine erste Beschreibung im Jahr 1965 zurück. Grundlage war damals eine Probe eines Rindes aus der nigerianischen Stadt Ibadan, genauer aus dem dortigen Stadtteil Samonda. Warum aus „Samonda“ später „Shamonda“ wurde, ist laut Beer allerdings nicht eindeutig geklärt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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