Wirtschaft

KI-Angriffe: So unvorbereitet sind viele Firmen

Jede zweite Firma setzt schon auf KI – doch beim Schutz vor KI-Hackerangriffen sind viele Unternehmen alarmierend unvorbereitet.

07.10.2026, 11:24 Uhr

Nur wenige Firmen haben KI-Sicherheitsvorfälle bereits geregelt

Nur ein kleiner Teil der Unternehmen in Deutschland hat bislang feste Abläufe für Sicherheitsvorfälle geschaffen, die speziell mit Künstlicher Intelligenz zusammenhängen. Das geht aus einer Forsa-Umfrage hervor, die im Auftrag des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des TÜV-Verbands durchgeführt wurde.

Von 505 befragten Unternehmen erklärten lediglich 11 Prozent, dass es bei ihnen bereits besondere Prozesse für KI-bezogene Vorfälle gibt. Weitere 43 Prozent setzen zwar auf allgemeine IT-Sicherheitsmaßnahmen, verfügen aber noch nicht über eigens auf KI zugeschnittene Regeln. 20 Prozent arbeiten nach eigener Auskunft derzeit daran, solche Verfahren einzuführen.

Gleichzeitig berichtete jedes vierte Unternehmen, dass es für derartige Fälle überhaupt keine Vorgaben gibt. Zwei Prozent der Befragten machten keine konkrete Angabe.

An der Erhebung beteiligten sich IT- oder KI-Verantwortliche sowie Mitglieder der Geschäftsleitung aus Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.

Fast jedes zweite Unternehmen nutzt bereits KI

Nach den Ergebnissen der Umfrage nutzten im Juli bereits 49 Prozent der Unternehmen Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Weitere 9 Prozent planen den Einsatz innerhalb der kommenden zwölf Monate. 42 Prozent gaben dagegen an, KI weder zu verwenden noch dies derzeit vorzusehen.

Unter den Unternehmen, die auf KI verzichten, nannten 53 Prozent vor allem Sorgen rund um Datenschutz und Sicherheit als Grund. Dort, wo KI bereits eingesetzt wird, dient sie überwiegend zur Erstellung von Texten, Bildern oder Programmcode — das gaben 96 Prozent der Nutzer an.

Illustration KI
Laut einer Forsa-Umfrage setzen 49 Prozent der Betriebe KI ein. (Symbolbild) Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Zur Stärkung der IT-Sicherheit kommt KI in 31 Prozent der Unternehmen zum Einsatz. In 25 Prozent der Betriebe wird sie genutzt, um Abläufe zu automatisieren, etwa bei der Rechnungserstellung oder in Form von Chatbots im Kundenservice.

BSI sieht strategische Bedeutung

BSI-Vizepräsident Thomas Caspers betonte, dass Künstliche Intelligenz weit mehr sei als nur ein weiterer Technologieschritt. Sie bringe tiefgreifende operative und strategische Veränderungen mit sich. Nach seiner Einschätzung schöpfen deutsche Unternehmen die Möglichkeiten von KI bislang noch nicht vollständig aus.

Zugleich sprach sich Caspers dafür aus, die Abhängigkeit von Anbietern aus den USA und China zu verringern. Entscheidend sei, für Europa besonders wichtige Einsatzfelder zu bestimmen. In diesen Bereichen könnten dann auch europäische Modelle erfolgreich entwickelt und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus den USA und China positioniert werden.

KI-Angriffe und offene Haftungsfragen

17 Prozent der befragten Unternehmen berichteten im Rahmen der Umfrage, bereits von KI-unterstützten Angriffen betroffen gewesen zu sein. Experten gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher liegen dürfte, weil sich der Einsatz von KI bei Cyberangriffen oft nur schwer nachweisen lässt.

Der Präsident des TÜV-Verbands, Dirk Stenkamp, verwies zudem auf große Unsicherheit bei der Haftung. In vielen Unternehmen sei unklar, wer im Schadensfall Verantwortung trage — der KI-Anbieter, das Unternehmen selbst oder andere Beteiligte.

Da zahlreiche Betriebe nicht über das nötige Fachwissen verfügten, um die Sicherheit von KI-Modellen eigenständig zuverlässig zu bewerten, hält Stenkamp gesetzliche Vorgaben für sinnvoll. Diese könnten zumindest einen grundlegenden Schutz sicherstellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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