Feuerwehren dringen auf bessere Ausrüstung wegen wachsender Waldbrandgefahr
Angesichts der erneut zunehmenden Waldbrandgefahr fordern Deutschlands Feuerwehren zusätzliche Investitionen in Fahrzeuge und moderne Technik. Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse, sagte, bei der Ausstattung gebe es weiter Nachholbedarf. Vor allem Spezialfahrzeuge fehlten vielerorts noch. Zugleich verwies er darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits spürbar mehr Material angeschafft worden sei.
Die anhaltende Trockenheit lässt das Risiko derzeit deutlich steigen. Nach den Karten des Deutschen Wetterdienstes gilt am Mittwoch voraussichtlich in weiten Teilen Deutschlands Waldbrandwarnstufe 4, regional sogar die höchste Stufe 5.
Schon während der jüngsten Hitzewelle Ende Juni war es in mehreren Bundesländern zu Bränden gekommen. Auch andernorts in Europa zeigt sich die Gefahr: Im Süden Spaniens ist ein verheerender Waldbrand in Andalusien mit mindestens zwölf Todesopfern inzwischen zwar stabilisiert worden und breitet sich nach Behördenangaben nicht weiter aus. Begünstigt werden die Löscharbeiten dort durch deutlich schwächere Winde und eine höhere Luftfeuchtigkeit. In Nürnberg waren in der Nacht zum Samstag zudem Hunderte Einsatzkräfte stundenlang im Einsatz, um ein Feuer nahe des Messegeländes unter Kontrolle zu bringen.
Rund um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar, etwa 70 Kilometer nordöstlich von Almería, sind weiterhin ungefähr 500 Feuerwehrleute, Soldaten und weitere Helfer im Einsatz. Die Behörden wollen den Brand möglichst in den nächsten Stunden vollständig unter Kontrolle bringen. Nach amtlichen Angaben wurden insgesamt 7.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört.
Suche nach Vermissten in Spanien dauert an
Trotz der Entspannung in Andalusien läuft die Suche nach möglichen weiteren Opfern weiter. Einsatzkräfte und Freiwillige durchkämmen das Brandgebiet erneut, während Soldaten der militärischen Nothilfeeinheit UME gemeinsam mit der Guardia Civil abgelegene Häuser und Zufahrtswege kontrollieren. Die Zahl der offiziellen Vermisstenanzeigen stieg zuletzt auf acht. Zugleich sprechen die Behörden weiterhin von 23 Menschen, die von Angehörigen oder Bekannten zwischenzeitlich als nicht erreichbar gemeldet worden seien.
Dank der verbesserten Lage konnten inzwischen rund 600 zuvor evakuierte Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Die übrigen etwa 1.000 Menschen, die in den ersten Stunden des Feuers am Donnerstagabend ihre Häuser verlassen mussten, sind weiter unter anderem bei Angehörigen oder in Hotels untergebracht, sollen aber ebenfalls bald zurückkehren können.
In der Nacht zum Freitag waren in dem bei Urlaubern beliebten Gebiet nahe mehrerer Mittelmeerstrände mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Sie wurden von den Flammen eingeschlossen, als sie zu Fuß oder mit einem Fahrzeug zu fliehen versuchten. Acht Menschen wurden verletzt. Als mögliche Ursache des Brandes gilt eine defekte Stromleitung. Nach bisherigen Hinweisen gehen die Behörden außerdem davon aus, dass sich unter den Toten mehrere Briten und Belgier befinden könnten. Die genetischen Profile aller Opfer liegen bereits vor, eine endgültige Identifizierung steht aber noch aus, weil dafür DNA-Proben von Angehörigen benötigt werden.
Forderung nach stärkerer Brandbekämpfung aus der Luft
Banse betonte, der Klimawandel und seine Folgen seien seit Langem bekannt, dennoch lasse sich die nötige Umrüstung nicht kurzfristig umsetzen. Nach seiner Einschätzung sollte insbesondere die Luftunterstützung bei Waldbränden ausgebaut werden.
Die EU-Kommission hatte bereits mitgeteilt, dass in diesem Sommer in besonders gefährdeten Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien zusätzliche Feuerwehrkräfte stationiert wurden. Darüber hinaus stehen laut EU 22 Flugzeuge und fünf Hubschrauber zur Verfügung.
Aus Sicht des Feuerwehrverbands wäre es sinnvoll, solche Maschinen künftig auch in Mitteleuropa zu stationieren, um bei möglichen Bränden in Deutschland, Polen oder Tschechien schneller reagieren zu können. Als Beispiel nannte Banse den Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt, der ein Löschflugzeug gemietet habe. Auch Bundespolizei und Bundeswehr hätten in der Vergangenheit bereits Hilfe aus der Luft geleistet.
Löschroboter für besonders gefährliche Gebiete
Besonders schwierig seien Einsätze auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, erklärte Banse. Wegen möglicher Munitionsreste werde dort verstärkt auf Löschroboter gesetzt. Zudem seien splittergeschützte Fahrzeuge für solche gefährlichen Bereiche beschafft worden. Mit diesen Robotern lasse sich bereits viel erreichen, zumal deutsche Unternehmen in diesem Bereich weltweit führend seien.
Im vergangenen Jahr zerstörten Brände in Europa mehr als eine Million Hektar Fläche – so viel wie nie zuvor. In Deutschland wurden nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft insgesamt 2.626 Hektar vernichtet, was in etwa der Fläche der Insel Norderney entspricht. Der Klimawandel erhöht insbesondere durch langen Hitze- und Trockenperioden die Wahrscheinlichkeit solcher Brände, vor allem im Mittelmeerraum.
Als unmittelbare Brandursachen gelten häufig weggeworfene Zigaretten, offenes Grillen oder auch Fahrzeuge, die auf ausgetrocknetem Untergrund abgestellt werden. Hessenforst weist darauf hin, dass rund 90 Prozent der Waldbrände in Deutschland auf menschliches Fehlverhalten zurückgehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber