Olympia

Ost-Deal? Warum Köln-Rhein-Ruhr aufs Segeln setzte

Kurz vor der Olympia-Entscheidung setzt Köln-Rhein-Ruhr ein auffälliges Signal – steckt hinter der Standortwahl mehr als nur Sport?

23.09.2026, 10:53 Uhr

Wenige Tage vor der richtungsweisenden Entscheidung über den deutschen Olympia-Kandidaten hat sich die Initiative Köln-Rhein-Ruhr deutlich von Konkurrent München abgegrenzt. Im Unterschied zur Bewerbung aus Bayern setzt Nordrhein-Westfalen beim Segeln auf Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern statt auf Kiel in Schleswig-Holstein.

Die Begründung lieferte die Initiative am Mittwoch, nachdem die Evaluierungskommission des DOSB am Vortag ihren Abschlussbericht veröffentlicht hatte. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte, die Bewerbung verbinde das „Sportland Nummer eins im Westen“ mit einem erstklassigen Segelrevier im Osten sowie der modernen Wildwasseranlage im Kanupark Markkleeberg. Damit stehe ein Konzept für Spiele in ganz Deutschland. Markkleeberg liegt bei Leipzig in Sachsen.

Berlin nur noch Außenseiter

In der Bewertung des DOSB schnitten München mit 87 Punkten und Köln-Rhein-Ruhr mit 85 Punkten am besten ab. Deutlich dahinter landete Berlin mit 74,6 Punkten. Angesichts dieses Ergebnisses und der politischen Lage nach der Wahl am Sonntag, bei der die Linke stärkste Kraft wurde, gelten die Berliner Chancen als sehr gering. Deutschland plant eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.

Während München vor allem mit kompakten Wegen und starkem Rückhalt durch die olympischen Fachverbände überzeugte, sieht Köln-Rhein-Ruhr seinen großen Vorteil in der möglichen Zahl verkaufter Eintrittskarten: bis zu 17,6 Millionen. Zudem erhielt die Bewerbung aus dem Westen in mehreren Kategorien bessere Noten als München, darunter auch bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Entscheidung am Samstag

Wüst betonte, beim Segelkonzept stünden – wie bei der gesamten Bewerbung – Athletinnen, Athleten und Zuschauer im Mittelpunkt. Gerade deshalb sei Rostock-Warnemünde als Standort ausgewählt worden. Besonders hob er die Nähe des Publikums zum Geschehen auf dem Wasser hervor.

Die Entscheidung über den deutschen Kandidaten fällt am Samstag um 13.45 Uhr bei einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden und wird in der ARD übertragen. Insgesamt können maximal 144 Stimmen abgegeben werden, für den Sieg ist die absolute Mehrheit nötig. 126 Stimmen entfallen auf die 42 olympischen Verbände – ein Umstand, der München zusätzlich in die Favoritenrolle bringt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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