Olympia

Olympia-Krimi: Wer siegt jetzt in Deutschland?

Showdown um Olympia: Jetzt fällt die deutsche Entscheidung. Drei Kandidaten hoffen – doch alles läuft wohl auf zwei hinaus.

22.09.2026, 08:00 Uhr

DOSB bestimmt deutschen Kandidaten für eine mögliche Olympia-Bewerbung

Am Samstag fällt in Baden-Baden eine richtungsweisende Entscheidung für den deutschen Sport: Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) wird festgelegt, mit welcher Stadt oder Region Deutschland in eine Bewerbung um Olympische Spiele einsteigen soll. Zur Auswahl stehen Berlin, München sowie die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als zentralem Standort. Im Blick sind die Sommerspiele der Jahre 2036, 2040 oder 2044.

Hamburg ist bereits aus dem Rennen. Ende Mai hatte sich dort eine Mehrheit von knapp 55 Prozent der Abstimmenden gegen eine Bewerbung ausgesprochen.

Wer stimmt über den deutschen Bewerber ab?

Abstimmen dürfen die 42 olympischen Spitzenverbände. Jeder Verband verfügt über drei Stimmen, die nur geschlossen an einen Kandidaten vergeben werden können. Eine Aufteilung ist nicht erlaubt. Damit kommen allein aus diesem Kreis 126 Stimmen zusammen. Auch die Wintersportverbände sind stimmberechtigt.

Hinzu kommen acht persönliche Mitglieder, zu denen unter anderem Fußballprofi Leon Goretzka und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste zählen. Auch die Mitglieder des DOSB-Präsidiums haben jeweils eine Stimme.

Insgesamt sind damit 144 Stimmen zu vergeben. Um sich durchzusetzen, braucht ein Bewerber die absolute Mehrheit. Deshalb sind mehrere Wahlgänge möglich.

Nicht abstimmen dürfen die Landessportbünde und die nicht-olympischen Spitzenverbände, etwa der Deutsche Schachbund oder der Deutsche Karate Verband. Auch der Deutsche Behindertensportverband ist nicht wahlberechtigt, obwohl es zugleich um eine mögliche Paralympics-Bewerbung geht. Die Delegierten können sich an der Empfehlung der Evaluierungskommission orientieren, sind daran aber nicht gebunden.

Münchner Olympia-Bewerbung
München gilt als Favorit. (Archivbild) Quelle: Sven Hoppe/dpa

Nach welchen Kriterien wird bewertet?

Die Bewerber konnten ihre endgültigen Konzepte bis Anfang Juni einreichen. Anschließend wurden diese mithilfe einer Bewertungsmatrix geprüft, die gemeinsam mit dem Bund entwickelt wurde. Die Analyse erfolgte durch den DOSB zusammen mit den olympischen Fachverbänden.

Bewertet wurden mehrere Bereiche. Dazu zählen etwa die Erfolgsaussichten im internationalen Wettbewerb, die Unterstützung in Bevölkerung und Region sowie die sportliche und organisatorische Umsetzbarkeit. Auch praktische Fragen wie Reisewege, Hotelangebote und die Unterbringung der Athletinnen und Athleten flossen in die Beurteilung ein.

Wann wird das Ergebnis bekanntgegeben?

Das Resultat soll am Samstag ab 13.45 Uhr öffentlich bekannt gemacht werden. Die Verkündung übernimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit DOSB-Präsident Thomas Weikert. Übertragen wird dies in der ARD und im Livestream.

Bei der Versammlung werden zudem mehrere bekannte Persönlichkeiten aus dem Sport erwartet, darunter Boris Becker, Michael Groß, Isabell Werth und Matthias Steiner.

Wer hat die besten Chancen?

Als aussichtsreichster Bewerber gilt München. Ausschlaggebend sind vor allem die vergleichsweise starke Unterstützung in der Bevölkerung, Erfahrungen mit großen Sportveranstaltungen und der Rückhalt durch die von der CSU geführte Staatsregierung. Bei einem Bürgerentscheid im vergangenen Oktober sprachen sich rund zwei Drittel für eine Olympia-Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt aus.

Auch in der Rhein-Ruhr-Region war die Zustimmung hoch. Dort befürworteten ebenfalls 66 Prozent eine Bewerbung.

In Berlin hatte sich zwar das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für einen Anlauf ausgesprochen. Diese Entscheidung fiel jedoch noch unter der früheren schwarz-roten Koalition, die inzwischen abgewählt wurde.

Da sowohl die Linke als stärkste Kraft in Berlin als auch die Grünen einer Olympia-Bewerbung kritisch gegenüberstehen, gilt die Hauptstadt als politisch unsicherer Kandidat. Im ungünstigsten Fall könnte eine deutsche Bewerbung noch vor einer Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees scheitern. Gleichzeitig hätte Berlin international wohl die größte Strahlkraft unter den drei Bewerbern.

Wie geht es nach der Entscheidung weiter?

Nach dem Votum muss Deutschland seine Bewerbung international platzieren und dem IOC detaillierte Konzepte sowie finanzielle Zusagen vorlegen. Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll bis März 2027 abgeschlossen werden.

Danach würde eine weitere Phase strategischer Gespräche bis Ende 2028 folgen. In den Monaten vor der entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 blieben dann nur noch die chancenreichsten Kandidaten im Rennen.

Wie ist die internationale Konkurrenz einzuschätzen?

Als mögliche Bewerber für 2036 werden unter anderem Indien und Katar genannt. Sollte das IOC einem Ausrichter aus Asien den Vorzug geben, müsste Deutschland wohl mindestens vier weitere Jahre warten.

Eine neue nationale Auswahl soll es dann jedoch nicht geben. Der jetzt bestimmte Kandidat soll gegebenenfalls auch für 2040 oder 2044 bereitstehen. Der DOSB setzt darauf, mit einem tragfähigen Konzept dann zum passenden Zeitpunkt antreten zu können, wenn Europa wieder gute Chancen hat.

In Europa verfolgen neben dem deutschen Kandidaten auch Budapest und Istanbul Olympia-Pläne. Darüber hinaus prüfen Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana mögliche Bewerbungen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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