München geht als deutscher Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden setzte sich die bayerische Landeshauptstadt im direkten Duell gegen Köln-Rhein-Ruhr durch.
Für einen kurzen skurrilen Moment sorgte die Verkündung selbst: Eigentlich sollte DOSB-Präsident Thomas Weikert den bereits geöffneten Siegerumschlag an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergeben. Doch der Name des Gewinners war schon zu erkennen. Steinmeier nahm die Panne mit Humor und sagte sinngemäß: Wer es noch nicht gesehen habe, dem könne er sagen, dass München gewonnen habe.
Das Ergebnis fiel am Ende klarer aus als vielerorts erwartet: München gewann mit 91 zu 50 Stimmen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bedankte sich danach für das Vertrauen und sagte in Richtung der unterlegenen Konkurrenz, die Kölner hätten es München „ganz schön spannend und schwer gemacht“ und die Bayern „ganz schön zum Zittern gebracht“. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sprach ebenfalls von einer Zitterpartie und erklärte: „Die Freude ist jetzt unendlich.“
Zu den ersten Gratulanten gehörte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Köln-Rhein-Ruhr habe seine Hausaufgaben gemacht und eine exzellente Bewerbung vorgelegt, sagte er; am Ende hätten Nuancen entschieden. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Unterstützung für die deutsche Bewerbung. Deutschland wolle die Olympischen und Paralympischen Spiele ins Land holen – für Gänsehaut, große Erfolge, unvergessliche Momente und ein ganzes Land, das mitfiebere.
München galt schon vor der geheimen Abstimmung als Favorit. Nach der Bewertung der DOSB-Evaluierungskommission war das Konzept der bayerischen Landeshauptstadt als am besten geeignet eingestuft worden, knapp vor dem Vorschlag von Köln-Rhein-Ruhr.
Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und den Segelwettbewerben in Kiel sollen sämtliche Wettkämpfe in Bayern stattfinden. München hätte damit die Chance, Olympia erstmals seit den Sommerspielen 1972 wieder nach Deutschland zu holen. Schon damals war die Stadt Gastgeber des Großereignisses.
Der DOSB verbindet mit der Entscheidung die Hoffnung auf eine Rückkehr der Spiele nach Deutschland, nachdem mehrere frühere Bewerbungen für Sommer- und Winterspiele gescheitert waren. In München half dabei auch der politische und gesellschaftliche Rückhalt: Bei einer Bürgerbefragung im vergangenen Oktober erhielt das Olympia-Konzept eine Zustimmung von rund zwei Dritteln.
Das ist umso bemerkenswerter, weil 2013 eine Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2022 noch an einem Bürgerentscheid gescheitert war. Damals hatte sich eine Mehrheit gegen die Pläne ausgesprochen.
DOSB-Chef Weikert würdigte den mehrjährigen Auswahlprozess für den nationalen Kandidaten als modern, transparent und erfolgversprechend. Zugleich sagte er, mancher möge den Weg als „typisch deutsch“ bezeichnen.
Neben München und Köln-Rhein-Ruhr hatten zwischenzeitlich auch Hamburg und Berlin Olympia-Pläne verfolgt. In Hamburg stellte sich bei einer Bürgerbefragung jedoch keine Mehrheit hinter das Konzept. Berlin zog seine Bewerbung zwei Tage vor der Abstimmung zurück. Ausschlaggebend waren zum einen das deutlich schwächere Abschneiden bei der DOSB-Evaluierung und zum anderen die veränderte politische Lage nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus.
Dort wurden die Olympia-Befürworter im Senat abgewählt. Stattdessen gewann die Linke die Wahl. Deren Spitzenkandidatin Elif Eralp, die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt Olympische Spiele in Berlin ab.
Für München und den DOSB beginnt nun die nächste Etappe im internationalen Wettbewerb. Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) müssen detaillierte Konzepte und finanzielle Garantien vorgelegt werden. Mit bekannten und ikonischen Sportstätten wie dem Olympiapark sowie internationaler Strahlkraft will München auch auf globaler Ebene überzeugen.
Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe warb ebenfalls für die Bewerbung. Der Kanu-Olympiasieger sagte, ein solches Projekt könne Menschen begeistern. Vielleicht sei genau das etwas, was Deutschland derzeit gut gebrauchen könne: ein großes gemeinsames Ziel. Wenn man gemeinsam an etwas glaube, könne man auch gemeinsam etwas erreichen.
Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Danach würde eine weitere Phase strategischer Verhandlungen bis Ende 2028 folgen. Vor der entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 sollen dann nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten übrig bleiben.
Noch ist offen, ob das IOC für 2036 eher einen Bewerber aus Asien oder Europa bevorzugt. Als mögliche internationale Konkurrenten gelten unter anderem Indien und Katar. Zudem wird auch über eine mögliche Doppelvergabe der Spiele 2036 und 2040 nachgedacht. In Europa gibt es neben München auch aus Budapest und Istanbul konkretes Interesse; auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber