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Olympia-Bewerber im Check: Wer überzeugt, wer schwächelt

Olympia-Krimi: München glänzt mit kurzen Wegen, Rhein-Ruhr mit Mega-Kulissen – doch beide Bewerber haben heikle Schwachstellen.

26.09.2026, 05:00 Uhr

Das Rennen um die deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ist entschieden. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden fiel die Wahl zwischen München und Köln/Rhein-Ruhr bereits. Welches Konzept in das weitere Verfahren beim Internationalen Olympischen Komitee geht, soll jedoch erst ab 13.45 Uhr in einer ARD-Übertragung bekanntgegeben werden. Verkünden soll das Ergebnis Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Entscheidung im ersten Wahlgang

Abgestimmt wurde geheim im Kurhaus von Baden-Baden. Stimmberechtigt waren die 42 olympischen Spitzenverbände mit jeweils drei Stimmen sowie die persönlichen Mitglieder und die Präsidiumsmitglieder des DOSB. Insgesamt waren damit 141 Stimmen zu vergeben. Die Entscheidung fiel bereits im ersten Wahlgang.

Vor der Abstimmung hatte vieles auf ein knappes Rennen zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern hingedeutet. München galt im Vorfeld als leicht favorisiert, doch auch Nordrhein-Westfalen brachte starke Argumente ins Rennen.

Was für München sprach

München setzte auf ein besonders kompaktes Konzept mit kurzen Wegen und vielen Wettbewerben direkt in der Stadt. Ein zentraler Pluspunkt ist der Olympiapark von 1972 mit dem modernisierten Stadion, das sich bei Großveranstaltungen bereits bewährt hat. Das zeigte sich etwa bei der Leichtathletik-EM 2022; zudem erhielt München den Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2031.

Hinzu kommt, dass viele Sportstätten bereits vorhanden sind. Politisch war die Unterstützung groß, unter anderem durch Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder. Bei einer Bürgerbefragung sprach sich mit 66,42 Prozent eine deutliche Mehrheit für Olympische Spiele aus. Auch international verfügt München über einen höheren Bekanntheitsgrad als die Rhein-Ruhr-Region. In der DOSB-Bewertung lag die bayerische Landeshauptstadt bei den Fachverbänden vorne. Zudem wurden Stimmen aus dem Wintersport eher in Bayern verortet.

Was für Köln/Rhein-Ruhr sprach

Nordrhein-Westfalen warb mit aus seiner Sicht spektakulären, kompakten und nachhaltigen Spielen. Im Mittelpunkt standen vorhandene Infrastruktur und zahlreiche etablierte, teils ungewöhnliche Wettkampfstätten. Genannt wurden unter anderem Schwimmwettbewerbe auf Schalke, Basketball in der Arena in Düsseldorf oder Fußball in Dortmund.

Neu gebaut werden müssten nach den Planungen nur ein temporäres Leichtathletikstadion sowie das Olympische Dorf in Köln. Letzteres sollte nach den Spielen Wohnraum für rund 10.000 Menschen schaffen. Mit bis zu 17,6 Millionen geplanten Tickets hoffte NRW auf Rekordkulissen. Zudem verwies die Region auf viel Erfahrung mit internationalen Großereignissen. In den beteiligten Städten und Kommunen lag die Zustimmung zur Bewerbung bei 66 Prozent.

Was gegen München sprach

Als möglicher Nachteil galt, dass Befürworter und prominente Unterstützer in München teils sehr sicher auftraten. Frühere Anläufe waren nicht erfolgreich: Die Bewerbung um die Winterspiele 2018 scheiterte gegen Pyeongchang, eine Kandidatur für 2022 wurde in einer Bürgerbefragung abgelehnt.

Laut DOSB-Bewertung schnitt München außerdem beim Ticketpotenzial schwächer ab als Rhein-Ruhr. Auch aus Ostdeutschland wurden weniger Stimmen erwartet, weil München Kiel als Segelstandort vorsah und sonst keine Wettkampfstätten im Osten einband. Nordrhein-Westfalen setzte zusätzlich auf Rostock-Warnemünde sowie die Wildwasseranlage in Markkleeberg bei Leipzig.

Was gegen Köln/Rhein-Ruhr sprach

Bei der Bewerbung aus NRW gab es von Anfang an Zweifel, ob die Region international als Olympia-Standort ausreichend Strahlkraft besitzt. Deshalb wurde Köln stärker in den Vordergrund gerückt. Dennoch blieb das Standortimage ein möglicher Schwachpunkt.

Auch die versprochenen kurzen Wege galten als angreifbar. Nordrhein-Westfalen ist stauanfällig, zudem gibt es im Bahnverkehr regelmäßig Verspätungen. Kritiker bezweifelten daher, dass Athletinnen und Athleten wie angekündigt in weniger als einer Stunde vom Olympischen Dorf zu ihren Wettkampfstätten gelangen könnten. Hinzu kam, dass einige Austragungsorte nicht in den größten Zentren liegen, sondern etwa in Aachen, Gelsenkirchen oder Mönchengladbach.

Hamburg und Berlin schon ausgeschieden

Im Auswahlprozess waren zuvor bereits andere Projekte weggefallen. Hamburgs Vorhaben scheiterte schon Ende Mai bei einem Bürgerentscheid. Berlin zog seine Bewerbung zwei Tage vor der DOSB-Entscheidung zurück, nachdem bei der Abgeordnetenhaus-Wahl am Sonntag die Olympia-Befürworter im Roten Rathaus abgewählt worden waren.

DOSB und Bundesregierung werben für den Prozess

DOSB-Präsident Thomas Weikert würdigte den mehrjährigen Auswahlprozess für den nationalen Bewerber als modern, transparent und erfolgversprechend. Zugleich räumte er ein, mancher möge sagen, der Weg sei „typisch deutsch“. Nach zuletzt sieben gescheiterten Olympia-Projekten für Winter- und Sommerspiele könne der aktuelle Ablauf jedoch frühere „Bewerbungswunden“ heilen und Zweifel abbauen.

Auch der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe warb für eine Bewerbung mit Signalwirkung. Eine Olympia-Kandidatur könne Menschen begeistern und Deutschland ein gemeinsames Ziel geben, sagte der Kanu-Olympiasieger vor Beginn der Wahl.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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