Besonderer Maibaum für Rom: In Schwaig lässt man ihn nun keine Sekunde mehr unbeaufsichtigt
In Schwaig ist diesmal nicht irgendein Maibaum im Spiel, sondern ein ganz besonderer. Der geschmückte Stamm mit Schildern und Wipfelfigur soll im Auftrag von Kardinal Reinhard Marx nach Rom gebracht und dort aufgestellt werden. Gerade weil er so außergewöhnlich ist, gilt er als begehrtes Ziel für Maibaumdiebe. Ein kurioser Zwischenfall hat das bereits gezeigt: Ein Burschenverein glaubte, den Römer-Maibaum gestohlen zu haben – tatsächlich erwischte er jedoch nur einen Übungsbaum.
"Damit hätten wir selbst nicht gerechnet, dass wir einmal einen Übungsbaum brauchen", sagt Michael Miesbauer, Vorsitzender des Brauchtumsvereins Moosmotor Schwaig. Wegen der besonderen Anforderungen sei das aber notwendig gewesen.
Warum für den Römerbaum geprobt werden musste
Der für Rom vorgesehene Baum ist mit rund 15 Metern deutlich kleiner als ein gewöhnlicher Maibaum und misst nur etwa die Hälfte der üblichen Höhe. Die traditionellen Schwalben, also die gekreuzten Stangen zum händischen Aufstellen, sind jedoch normalerweise für größere und dickere Stämme ausgelegt. Zudem steht in Rom nur ein begrenzter Bereich zum Aufrichten zur Verfügung. Deshalb probten die Verantwortlichen im Erdinger Ortsteil Schwaig den Ablauf vorab mit einem anderen Stamm.
Diebe erwischen versehentlich nur den Übungsbaum
Während der echte Baum noch im Wald lag, wurde mit dem Übungsbaum bereits alles getestet. Der aufgestellte Stamm war weithin sichtbar – und fiel einem Burschen aus Inning am Ammersee ins Auge, rund 70 Kilometer entfernt. Kurz darauf rückten die Inninger nachts an.
Für die Maibaumdiebe sah alles nach einer günstigen Gelegenheit aus: kein Wachpersonal, ein offenes Tor, der Baum leicht zugänglich. Sie nahmen ihn ohne größere Mühe mit. Die Freude über den vermeintlichen Coup hielt jedoch nicht lange an, denn bald stellte sich heraus, dass sie nicht den echten Baum für Rom, sondern lediglich das Probeexemplar erwischt hatten.
Schwaiger zeigen Respekt für den Diebstahl
Spott über die Aktion will Miesbauer trotzdem nicht hören. Im Gegenteil: Man habe großen Respekt vor der Leistung der Inninger. Diese hätten bereits in der Nacht zuvor einen anderen Baum entwendet und seien für besondere Coups bekannt. Dass es sich hier nur um einen Übungsbaum handelte, habe niemand ahnen können – denn ein solcher Fall sei äußerst ungewöhnlich. Einen Hinweis habe es allerdings gegeben, meint Miesbauer: Den echten Römerbaum hätten die Schwaiger niemals unbeaufsichtigt gelassen.
Kardinal Marx stiftet den Maibaum aus eigener Tasche
Der besondere Stamm ist eng mit Kardinal Reinhard Marx verbunden. Der Münchner Erzbischof soll den Maibaum aus seinem Privatvermögen finanzieren. Nach Angaben aus seinem Umfeld entstand die Idee in Rom, als Marx im Garten des Begegnungszentrums der Erzdiözese saß. Dort kam ihm der Gedanke, zur traditionellen Maiandacht in der Casa Santa Maria auch einen bayerischen Maibaum aufstellen zu lassen.
Eine Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats erklärt, die Aktion solle – ähnlich wie die Maiandachten selbst – ein Stück bayerischer Tradition nach Rom bringen.
Optisch anders als ein klassischer Maibaum
Auch das Aussehen des Baumes unterscheidet sich von vielen Maibäumen in Oberbayern. Der Stamm ist nicht weiß-blau bemalt, sondern lediglich gehobelt. Statt klassischer Zunftzeichen oder Vereinswappen tragen sechs Schilder aus Cortenstahl die gelaserten Logos kirchlicher Einrichtungen und Institutionen. An der Spitze steht der heilige Korbinian, der Patron des Erzbistums, zusammen mit dem Freisinger Bären.
Übungsbaum bleibt in Inning – für einen verdienten Maibaumdieb
Die Inninger hatten ursprünglich gehofft, nach alter Tradition zur Aufstellung am 9. Mai sogar mit nach Rom reisen zu dürfen. Zwischenzeitlich wurde auch darüber gesprochen, ob die Schwaiger den Übungsbaum zurückholen sollten, um ihn als Erinnerungsstück zu behalten.
Am Ende kam es jedoch anders: Nach Angaben von Miesbauer wollen die Inninger den Baum einem älteren, verdienten Maibaumdieb aus ihrer Burschenschaft schenken. Der Mann sei zwischen 85 und 90 Jahre alt, und man wolle ihm mit dem Stamm eine Freude machen, indem er in seinem Garten aufgestellt wird.
Für die Schwaiger hat das ebenfalls Vorteile: Sie müssen keine Auslöse zahlen und dürfen sich stattdessen auf ein Rollbratenessen am Ammersee freuen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion