Ein anerkennendes Urteil aus der obersten Fußball-Riege hat Kathleen Krüger bereits erhalten. „Sie ist diejenige, die das Team zusammenhält. Mit jedem Problem können wir zu ihr kommen“, sagte Weltmeister und Bayern-Ikone Thomas Müller einst der Sport Bild über die 40-Jährige.
Nun könnte Krüger beim Hamburger SV den seit vier Monaten unbesetzten Posten des Sportvorstands übernehmen. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts hat sich der Aufsichtsrat des Clubs mehrheitlich für die frühere Teammanagerin und heutige Leiterin für Organisation und Infrastruktur beim FC Bayern ausgesprochen. Doch wer ist die frühere Spielerin des Rekordmeisters, die auch bei Pep Guardiola hohes Ansehen genoss und laut Bericht zeitnah in Hamburg unterschreiben soll?
Start im Frauenfußball
Krüger stammt aus dem Münchner Umland und wuchs in einer Bayern-geprägten Familie auf. Von 2004 bis 2007 spielte sie für die Frauenmannschaft des FC Bayern. Im Jahr 2010 begann sie dann in der Geschäftsstelle des Clubs als Assistentin des damaligen Sportdirektors Christian Nerlinger.
Von 2012 bis 2024 war sie Teammanagerin der Profis. In dieser Rolle organisierte sie viele Abläufe rund um die Mannschaft und galt intern als wichtige Vertrauensperson. So war sie sogar als einzige Person außerhalb des Teams Mitglied der WhatsApp-Gruppe der Spieler. In einem Vereinsporträt sagte sie 2020 dazu, sie nehme vieles mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, da dort natürlich zahlreiche lustige Bilder und Sprüche geteilt würden.
Während ihrer Zeit beim FC Bayern arbeitete Krüger mit renommierten Trainern wie Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Hansi Flick zusammen. In diese Phase fielen elf deutsche Meisterschaften, zwei Champions-League-Titel und fünf DFB-Pokalsiege. 2022 erhielt sie von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Verdienstorden des Freistaats. Aktuell trägt sie in München die Berufsbezeichnung „Leiterin Organisation und Infrastruktur“.
Erste hauptamtliche Frau in dieser Funktion?
Sollte Krüger den Posten beim HSV übernehmen, wäre sie die erste Frau, die hauptamtlich als Sportvorständin in der Bundesliga arbeitet. Ganz ohne weibliche Präsenz in Vorstandsrollen war der HSV allerdings auch früher nicht: Katja Kraus war von 2003 bis 2011 Marketing-Vorständin des Vereins und übernahm 2009 nach dem Abschied von Dietmar Beiersdorfer zwischenzeitlich auch Aufgaben im sportlichen Bereich.
Auch an anderen Standorten gibt es inzwischen Frauen in Spitzenpositionen: Bei RB Leipzig steht seit Anfang des Jahres die Schweizerin Tatjana Haenni an der Spitze der Geschäftsführung. Zudem ist mit Marie-Louise Eta beim 1. FC Union Berlin seit zwei Wochen erstmals eine Cheftrainerin in der Bundesliga im Amt.
So könnte die HSV-Führung künftig aussehen
Drei Spieltage vor Saisonende hat Aufsteiger HSV mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz gute Chancen auf den Klassenerhalt. Krüger würde im Vorstand des Hamburger Clubs gemeinsam mit Eric Huwer arbeiten. Der Finanzchef hatte nach der Trennung von Stefan Kuntz zu Jahresbeginn alleinverantwortlich den Vorstand gebildet.
Eine Verbindung gibt es auch zu Sportdirektor Claus Costa: Krüger und Costa absolvierten gemeinsam einen Managerlehrgang beim DFB. Auch Costa war als möglicher Nachfolger von Kuntz gehandelt worden.
Weitere Kandidaten im Gespräch
Bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand griff der HSV auf eine Headhunter-Agentur zurück. Laut Hamburger Abendblatt erkundigte sich der Club auch bei Markus Krösche von Eintracht Frankfurt und Fabian Wohlgemuth vom VfB Stuttgart. Zuvor waren zudem prominente Namen wie der frühere DFB-Manager Oliver Bierhoff und Ex-Dortmund-Sportdirektor Sebastian Kehl als mögliche Kandidaten genannt worden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion